Immer, wenn Karen den Kontrollpunkt in Richtung Stadt passiert, schäkert einer der Wachmänner mit ihr. Doch was das Zurückschäkern betrifft, hängt die Laune der schmalen Frau mit dem akkuraten Pony von der Tagesform ab. Karen ist nämlich viele: In einer dystopisch-überbevölkerten Zukunft, in der nur noch Ein-Kind-Familien erlaubt sind, ist sie eine von sieben heimlich von ihrem Vater (William Dafoe) großgezogenen identischen Mehrlingen.

Die Protagonistinnen in Tommy Wirkolas Thriller Whatever happened to Monday? leben strikt nach Papas Plan: Je nach Vorname dürfen sie nur einen Tag in der Woche aus der hermetischen Dachgeschosswohnung hinaus in die Welt. Dort nehmen die äußerlich nur durch Nuancen unterscheidbaren Schwestern Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und Sunday Settman jeweils die Identität der "Karen Settman" (Noomi Rapace in allen sieben Rollen) an, um nicht von den Behörden entdeckt und ausgelöscht zu werden. Bis die titelgebende Monday plötzlich nicht mehr nach Hause kommt. Bei dem Versuch, hinter den Grund für das Verschwinden zu kommen, lösen die sechs Verbliebenen eine Gewalteskalation aus und müssen eine ganze Armada von Angreifern verprügeln und töten. Actionkino eben.

Doch, Moment, ist nicht sonst etwas anders? Heißt es in solchen Filmen nicht: Männer schlagen, Frauen verbinden? Der Actionfilm, der sich generisch aus den schwarz-weißen Unterhaltungsfilmen der Stummfilmzeit entwickelte, in denen tollkühne Helden waghalsige Stunts vollbringen, an Wolkenkratzeruhren hängen und auf Hochbaustellen balancieren, war in diesem Punkt stets eindeutig. Später, in den actionfilmaffinen 1960ern und 1970ern, wurden die Helden zwar farbiger und schlagkräftiger, teilten sich unterschiedliche Genres wie Western, Science-Fiction und Kriegsfilm, hatten – je nach literarischer Vorlage – garantiert immer die Lizenz zum Prügeln, meist die zum Schießen, ab und an sogar die zum Töten. The girl jedoch, das love interest, das am Ende jedes aufregenden Hetero-Abenteuers auf den Helden wartete – etwa eine kühle, aber hübsche Kollegin, eine Gegenspielerin, die es zu umgarnen galt, oder die tapfere Helferin, die den geschundenen Heldenkörper pflegt und dabei ihr Begehren entdeckt – machte sich in den genredefinierenden Kampf-Sequenzen selten die zarten Hände dreckig (oder gar blutig).

Kino - »What Happened To Monday?« (Trailer) © Foto: Splendid Film GmbH

Es gab wenige Ausnahmen, die in dem jeweiligen Film dramaturgisch lange vorbereitet und moralisch mit handfesten Motiven verkuppelt werden mussten und den Paukenschlag der Geschichte darstellten. So wie die Quäkerin Amy, gespielt von Grace Kelly, die 1953 in High Noon entgegen ihrer Überzeugungen die Waffe gegen einen Banditen hebt, um ihren Mann, den Marshall (Gary Cooper), zu retten – eine Szene, die Thomas Arslan 60 Jahre später in seinem Western Gold zitierte, in dem Nina Hoss als Emily sich am Ende mit dem Gewehr zur Wehr setzen muss, um zu überleben. Oder wie die Heldinnen des kurzlebigen Blaxploitation-Kinos der 1970er Jahre, Cleopatra Jones oder Foxy Brown. Vor allem Pam Griers Figur der Foxy Brown, die sich im gleichnamigen, von Jack Hill 1974 inszenierten Klassiker nach demütigenden Missbrauchserfahrungen an ihren Peinigern rächt, indem sie sie anzündet, und den Mastermind hinter den Taten, der für den Tod ihres Freundes verantwortlich ist, kurzerhand (und nicht im Bild) kastriert, steht den männlichen Kollegen in Sachen Brutalität in nichts nach.

Das Blaxploitation-Genre blieb jedoch in einer Kultnische. Und weder dessen angstfreie Racheengel Jones und Brown noch die Quäkerin Amy, das deutsche Cowgirl Emily, Marvels Black Widow oder die einst als weibliches Pendant zu James Bond erdachte, tiefencoole und modisch enorm beeindruckende Freizeit-Agentin Modesty Blaise, deren Geschichte im Kino leider bis heute nur zaghaft vorankam, wurden bei ihren handlungswichtigen Befreiungsschlägen je derartig extrem inszeniert wie Noomi Rapace als Settmann-Mehrling in Wirkolas elegant choreografierter, aber erzählerisch dünner Kampforgie. Mit einer ähnlich derb-sinnlichen Gewaltästhetik agiert derzeit noch im Kino die neue US-Actionikone Charlize Theron. Die Grobheit dieses Actionspektakels, David Leitchs Comic-Adaption Atomic Blonde, wird allein durch die artifizielle Note seiner Comicwurzeln gemildert.

Actionheldinnen, die – genau wie ihre männlichen Kollegen – auf ihrer dramaturgischen Reise Fäuste, Waffen, stumpfe Gegenstände einsetzen, sich allein um des Prügelns (und der Prügel-Choreografie) Willens kloppen, ohne dass handlungsrelevante Elemente verwoben sind, waren im Kino jahrzehntelang die Ausnahme. Die Lust an der rein performativen Gewalt war Männersache.

Bedeutet die neue Häufung der streit- und prügellustigen Heldinnen nun einen Fortschritt? Nähert man sich der Gleichberechtigung, wenn Actionregisseure mit allen blutigen Folgen Protagonistinnen baugleich zu Protagonisten abbilden? Oder sind sie nur ein Zeichen für eine abstumpfende und stetig verrohende Gesellschaft, in der nun keiner mehr Empathie für die Opfer aufbringt?