Verlieren Sie langsam den Durchblick zwischen all den horizontalen und linearen Serien auf Netflix, Amazon, Sky und im Free-TV? Oder sind Sie einfach nur auf der Suche nach gutem Fernsehen, wollen womöglich sogar gepflegtes Binge-Watching betreiben? In unserer Kolumne Hildegard von Binge besprechen wir die interessantesten Neustarts des Monats.

"Babylon Berlin"

Beim deutschen Pay-TV-Sender hängt gerade der Himmel voller Geigen: Babylon Berlin ist in mehr als 60 Länder verkauft worden, in den USA wird die Serie auf Netflix laufen, die Kritiker sind auch erfreut. Nur die ARD muss noch ein bisschen überlegen, ob es wirklich eine gute Idee war, sich auf ein Jahr Wartezeit im Free-TV einzulassen. 

Dem Zuschauer kann all das egal sein. Ihn erwartet die teuerste, opulenteste Serie aller Zeiten und ja, sie ist auch wirklich sehenswert. Die Regisseure Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries haben die zwanziger Jahre in Berlin weitgehend klischeefrei inszeniert. Sie zeichnen eine Stadt, die so modern und so heruntergekommen ist, wie wir sie uns heute kaum mehr vorstellen können.

Großartig ist vor allem die Betrachtung dieses sehr kleinen Zeitfensters in der deutschen Geschichte, die wenigen Jahre zwischen den beiden Weltkriegen, als auf einmal alles möglich schien: Emanzipation, kulturelle Experimente, Demokratie. Man kann Babylon Berlin gerade heute, angesichts der Erstarkens der Neuen Rechten als Mahnmal sehen; der Regisseur Henk Handloegten will die Serie lieber positiv gedeutet wissen, als Demonstration "dass diese junge Demokratie tatsächlich eine Möglichkeit gehabt hätte zu überleben". (Carolin Ströbele)

Eine ausführliche Rezension zu "Babylon Berlin" lesen Sie hier.

Babylon Berlin läuft ab dem 13. Oktober jeweils freitags als Doppelfolge um 20.15 Uhr auf Sky 1 und ist parallel auch auf Sky Go, Sky On Demand und Sky Ticket verfügbar.

"Der Report der Magd"

Ein Gottesstaat mit Frauen als versklavten Gebärmaschinen: Margaret Atwoods Roman Der Report der Magd (The Handmaid's Tale) erschien schon 1985, basierend auf dem, was James Joyce den "Alptraum der Geschichte" nannte. Dass die Serienadaption ihrer Dystopie im Jahr 2017 so unheimlich resonant ist, liegt unter anderem daran, dass in den USA ein Präsident an der Macht ist, der Übergriffe gegen Frauen gesellschaftsfähig findet und ihnen gleichzeitig das Recht auf Abtreibung erschweren will.

Die Serie von Bruce Miller, die nun endlich auch in Deutschland abrufbar ist, schildert den Leidensweg der jungen Desfred (Elisabeth Moss), die als eine der wenigen fruchtbaren Frauen dazu verurteilt ist, regelmäßig von einem regimetreuen Kommandanten vergewaltigt zu werden, um Nachwuchs für den totalitären Staat zu produzieren. Der Report der Magd erzählt diese Horrorvision in ebenso prachtvollen wie schrecklichen Bildern.

In den USA entbrannte zuletzt ein Streit darüber, ob die Geschichte zum feministischen Kanon gehöre oder nicht. Über eines lässt diese außergewöhnliche Serie keinen Zweifel zu: Die schlimmsten Feinde der Frauen sind leider auch Frauen. (Marietta Steinhart)

Der Report der Magd ist auf EntertainTV, dem Streamingangebot der Telekom, abrufbar.