Die Emmy-Verleihung verstand sich in diesem Jahr als Anti-Trump-Veranstaltung. Dazu passt, dass als beste Dramaserie The Handmaid's Tale (Der Report der Magd) ausgezeichnet wurde. Die Adaption von Margaret Atwoods gleichnamigem Roman zeichnet ein totalitäres, patriarchales System, in dem die wenigen fruchtbaren Frauen den Herrschenden als Gebärmaschinen dienen müssen. Für viele US-Amerikanerinnen hat sich die Dystopie aus dem Jahr 1985 in eine Prophezeiung verwandelt. Ein Playboy, der es genießt Frauen in den Schritt zu fassen, besetzt das höchste Amt des Landes und betreibt eine Antiabtreibungspolitik.

Die Serie, die seit April auf dem Streaminganbieter Hulu läuft und in Deutschland nun auf EntertainTV, dem neuen Streamingangebot der Telekom, erzählt, wie moderne Frauen ins Mittelalter zurückgeworfen werden. In Gilead, einem theokratischen Regime, das die amerikanische Demokratie ersetzt hat, herrschen ausschließlich Männer. Da die meisten Frauen durch Umweltverschmutzung unfruchtbar geworden sind, werden die wenigen gebärfähigen an systemtreue Paare als handmaid, als Magd, vermietet.

Eine von ihnen ist Desfred, gespielt von Elisabeth Moss. Wie ihre Leidensgenossinnen muss sie ihren Körper unter einer blutroten Robe verstecken, das Gesicht unter einer weißen Flügelhaube verbergen. Die Mägde sehen aus wie Nonnen, doch in Wahrheit sind sie Sexsklavinnen. Auch Desfred wird einmal im Monat in einem als religiösen Akt verkappten Dreier von ihrem Kommandanten vergewaltigt, während ihr Kopf im Schoß seiner Ehefrau ruht. Es ist so ziemlich das abstoßendste Bild, das man in diesem Jahr im Unterhaltungsfernsehen zu sehen bekommen wird.

Schändung im Schoße der Ehefrau: Joseph Fiennes als Kommandant © Hulu

Moss, die zu Recht den Darstellerpreis bei den Emmys für ihre Rolle als Magd bekommen hat, spielt hier erneut eine Frau, die sich in einer Männerwelt durchsetzen muss. Sieben Jahre war sie als Peggy Olson eine feministische Leitfigur in der Erfolgsserie Mad Men. In beiden Staffeln von Jane Campions Serie Top of The Lake spielt die 35-Jährige eine australische Polizistin, die den Sexismus ihrer männlichen Kollegen ertragen muss und Fälle von sexuellem Missbrauch und illegaler Leihmutterschaft aufzuklären versucht. Am Broadway gab Moss vor zwei Jahren in The Heidi Chronicles eine unverheiratete Karrierefrau, die ihre schwierige Beziehung zum Feminismus erforscht. Ihre nächste Hauptrolle wird in einem Drama über illegale Abtreibungen in den USA sein.

Moss wuchs, ähnlich wie Atwood in der Überzeugung auf, "dass sie alles tun kann, was ein Mann kann". Sie war schon damals irritiert, als Journalisten sie baten, über Peggy Olson als eine "feministische Ikone" zu sprechen. Für Moss war Peggy keine Frauenrechtsheldin, sondern Pragmatikerin.

Warum benutzte sie nicht das F-Wort?

Ähnlich äußerte sich die Schauspielerin anfangs auch zu Der Report der Magd: "Für mich ist es keine feministische Geschichte", sagte sie im Anschluss an die Premiere in New York. Sofort brach ein Shitstorm im Internet aus. Der Roman gilt vielen als feministisches Kulturerbe. Warum habe Moss nicht das "F-Wort" benutzen wollen? Das steht nicht mehr nur für fuck im Englischen, sondern auch für feminism. Die Schauspielerin fühlte sich missverstanden und hat sich seither zig Male korrigiert. "Ich spiele eine verdammte Sexsklavin", sagte sie dem Guardian. "Also ja: Es ist eine feministische Geschichte."

Moss hat in der Vergangenheit mehrmals betont, dass sie sich nicht für Rollen entscheide, weil diese einen feministischen Fokus haben. Sie spiele keine Weltverbesserinnen, sondern Frauen, die aus ihrer persönlichen Not heraus handeln. Die Rolle der Desfred habe sie gewählt, "weil sie ein komplexer Charakter ist", sagte sie dem Time Magazine. Das stimmt. Offred ist keine Heldin. Sie beobachtet und ist oft passiv. Sie macht Kompromisse, um zu überleben.