Nur sechs Wochen vor dem geplanten Kinostart wird Kevin Spacey aus seinem neuen Film Alles Geld der Welt herausgeschnitten. Wie US-Medien unter Berufung auf Quellen in der Produktionsfirma Sony Pictures berichten, will Regisseur Ridley Scott bis zum 22. Dezember alle Szenen mit dem Schauspieler ersetzen und sie mit dem kanadischen Schauspieler Christopher Plummer neu einspielen. Das Produktionsteam sei von diesem Schritt überrascht gewesen, stehe aber hinter der Entscheidung. "Wenn irgendjemand so etwas durchziehen kann, dann Scott", sagte ein Sony-Vertreter.

Plummer statt Spacey

In dem Drama geht es um die Entführung des Ölmilliardärs John Paul Getty III. Der Film, der mit Michelle Williams und Mark Wahlberg auch in anderen Rollen prominent besetzt ist, soll am am 22. Dezember in die Kinos kommen und wird im kommenden Jahr in Deutschland zu sehen sein. Spacey spielte die Rolle des Großvaters Jean Paul Getty, die nun von dem 87-jährigen Plummer übernommen werden soll. 

Berichten zufolge soll Plummer auch die erste Wahl von Scott für diese Rolle gewesen sein. Der Regisseur habe aber unter Druck gestanden, eine bekanntere Schauspielpersönlichkeit auszuwählen, hieß es im Sony-Umfeld. Plummer ist für seine Darstellung in Meine Lieder – meine Träume bekannt. Einen Oscar erhielt er für seine Nebenrolle in Beginners.

Der Grund für den hastigen Nachdreh sind die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und des sexuellen Missbrauchs, den eine Reihe von Schauspielern und früheren Mitarbeitern gegen Spacey erheben. Zuletzt hatte die Ex-Fernsehmoderatorin Heather Unruh dem Oscar-Preisträger vorgeworfen, ihren 18-jährigen Sohn während eines Aufenthalts im vergangenen Sommer auf der Insel Nantucket in Massachusetts belästigt zu haben.

Extra-Hotline bei House-of-Cards-Produktionsteam

Zuvor hatte der US-Streamingdienst Netflix die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler beendet, Spacey als Hauptdarsteller der Erfolgsserie House of Cards entlassen und die Dreharbeiten zur sechsten Staffel abgebrochen. Die Produktionsfirma von House of Cards, MRC, richtete eigenen Angaben zufolge eine Hotline ein, bei der sich Mitarbeiter anonym melden können. Netflix kündigte an, auch die Crew zu den Vorwürfen zu befragen.

Begonnen hatten die Missbrauchsvorwürfe, die mittlerweile in der US-Filmbranche immer zahlreicher werden, mit  Anschuldigungen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein – ihm werfen mittlerweile mehr als 50 Frauen sexuelle Übergriffe vor.