"The Good Fight"

Endet eine geliebte Serie und geht als Spin-Off weiter, ist es ein bisschen so, als ob die besten Freunde Kinder kriegen: Neue Settings, Storys und nur noch Reste übrig von den alten Charakteren. Man fürchtet Trauer um vergangene Zeiten. The Good Fight ist der Spin-Off der genialen Anwalts-Serie The Good Wife, die 2016 nach sieben Staffeln auslief. Großartige Frauen durchdenken großartige Fälle, mit erhobenem Kopf und perfekt sitzenden Bleistiftröcken. The Good Fight startete im Februar 2017 in den USA, aber man hatte sich lange nicht getraut reinzuschauen, aus Angst vor Enttäuschung.

Und nun löst schon das erste Bild dieses warme Gefühl aus, das nur Serien-Freundschaft auslösen kann. Da steht nämlich Diane Lockhardt (Christine Baranski), die Grande Dame der Anwaltskanzlei, um die sich früher alles drehte. Close-Up auf ihr Gesicht, ihre geföhnten Haare, ihren geöffneten Mund, ihre gealterten Augen, die zusehen, wie Präsident Trump seinen Amtseid spricht. Diane, die leidenschaftliche Demokratin, fasst einen Entschluss: Das war’s. Ruhestand. Auswandern. Mit dieser Szene knüpfen die Serienmacher Michelle und Robert King sofort an die Großartigkeit von The Good Wife an.  

So viel kann man verraten: Diane bleibt dabei – aus dem Ruhestand wird leider nichts, denn dummerweise ist ihr gesamtes Vermögen einem betrügerischen Rentenfonds zum Opfer gefallen. Ebenfalls dabei sind ein paar bekannte verhaltensauffällige Richter und Lucca Quinn, die Freundin von Alicia. Alicia, ach Alicia, die Heldin des Vorgängers, fehlt leider. Dafür darf man nun die junge Anwältin Maia Rindell (Rose Leslie), auf ihrem zittrigen Weg zur Superpower begleiten. Vielversprechend! Nichts ist mehr so wie früher, aber es ist alles andere als schlecht. (Laura Ewert)

"The Good Fight" läuft auf Fox.


Linn Magnusson (Helena Bergström), Chefin einer Minengesellschaft, will mit allen Mitteln verhindern, dass die Vergangenheit sie einholt. © ZDF/Niklas Maupoix

"Springflut"

Diese ZDF-Koproduktion ist ein klassischer Skandi-Noir-Krimi. Er enthält alle klassischen Elemente des Genres: eine unbeugsame Ermittlerin, einen gebrochenen Ex-Kommissar, ausbeuterische Unternehmen, Sex, Korruption und die Kehrseite des angeblich so sozialen schwedischen Staats. Die Geschichte zu Springflut stammt von dem schwedischen Bestseller-Autorenpaar Cilla und Rolf Börjlind, die auch die Schöpfer der erfolgreichen Serie Kommissar Beck sind. Der Fünfteiler handelt von der Polizeischülerin Olivia Rönning (Julia Ragnarsson), die über die Sommerferien eine Hausarbeit schreiben soll über einen ungelösten Mord an einer hochschwangeren Frau. Rönning verbeißt sich in den Fall, noch dazu, als sie entdeckt, dass ihr verstorbener Vater vor 25 Jahren mit den Ermittlungen befasst war.

Sehenswert sind vor allem die Nebendarsteller der Serie, vor allem die beiden machtbesessenen Chefinnen eines Minenunternehmens und eines Escort-Services. Sie beweisen, dass es durchaus interessante Rollen für ältere Schauspielerinnen gibt – man muss sie nur schreiben. Auch wenn Springflut das Genre nicht neu erfindet, kann man mit den Protagonisten durchaus ein paar düstere November-Stunden aushalten. (Carolin Ströbele)

Die fünf Folgen laufen ab 12. November jeweils sonntags um 22.00 Uhr im ZDF bzw. sind ab 10. November in der Mediathek abrufbar.