Der Film der Stunde ist da. Der Film über Männer, Frauen und Sex. Der männliche Kommentar zur #MeToo-Debatte, zum Verhältnis der Geschlechter, mehr noch: zur ewig rätselhaften Mann-Frau-Dichotomie. Es ist schon geniales Timing für den Regisseur (und Hauptdarsteller) Jan Henrik Stahlberg, dass sein Fikkefuchs ausgerechnet jetzt ins Kino kommt. Gehen bestimmt mehr Zuschauer rein. Kann das Ding so richtig provozieren. Denn das soll es vor allem. Stahlbergs Fikkefuchs ist eben kein ernstzunehmender Beitrag zur Debatte, sondern vor allem filmische Onanie.

Allerorten betonen die Macher, dass der Film ohne Förderung ausgekommen ist, ohne Gremien und Redakteure, die ihn hätten verwässern können. Dass er ungefiltert rüberkommt. Hier sagt mal einer, was Sache ist, was die meisten Männer sich eben nicht trauen zu sagen, vielleicht nicht mal zu denken. Wie Männer angeblich die Welt sehen, aber vor allem die Frauen.

"Ich liebe alle Frauen: mollig und schlank, blond und brünett", sinniert zu Beginn einer aus dem Off. Aber dann doch mit Einschränkung: "Ich mag junge Frauen, ich will das Reh. Die Hirschkuh am Wegesrand interessiert mich nicht." Ha! Das sitzt schon mal. Wer traut sich schon, das noch zu sagen in Zeiten von Vätermonaten und Frauenquote?

Kino - »Fikkefuchs« (Trailer) © Foto: Alamode Film

Der da spricht, das ist Rocky, die Hauptfigur von Fikkefuchs, gespielt von Stahlberg selbst. In den Mund gelegt hat es ihm ebenfalls Stahlberg. Er hat auch das Drehbuch geschrieben, gemeinsam mit Wolfram Fleischhauer. Aber wer spricht da jetzt nun eigentlich? Eine fiktive Figur, oder durch sie ihre Erschaffer? Ist das nun satirische Demaskierung oder eine Maskerade, hinter der sich Dinge sagen lassen, die man sich sonst nicht zu sagen getraut? Das wird immer unklarer im Verlauf von Fikkefuchs.

Und das ist eines der vielen Probleme dieses Films, der vorgibt, sich über Bilder von Männlichkeit lustig zu machen, in Wahrheit aber nichts entlarvt, sondern nur bestätigt und verstärkt. An erster Stelle die Hybris des Filmemachers. An zweiter eine rührselige Form männlichen Selbstmitleids angesichts der in den vergangenen Jahrzehnten verlorenen Deutungs- und Deflorationshoheit.

Rocky ist also eine der beiden Hauptfiguren in Fikkefuchs, ein sanft verwahrloster Um-die-Fünfziger mit Pläte und unklarem Berufsbild, irgendwas mit Kultur wahrscheinlich, denn auf seine Bildung legt er viel wert. Früher, so Rocky über sich selbst, legte er die Frauen reihenweise flach, geschmackvoll und stilsicher selbstverständlich. Heute lachen die jungen Dinger über ihn, und er schaut entweder zuhause fern oder Frauen in der Sauna zwischen die Beine.

Vergewaltigung im Supermarkt

Und dann ist da sein Sohn Thorben (Franz Rogowski), den Rocky penetrant Thorsten nennt, weil er ihn erst jetzt kennenlernt und eigentlich auch gar nichts von ihm wissen will. Wäre verständlich: Thorben hat eine Kassiererin in einem Supermarkt vergewaltigt und ist gerade aus der geschlossenen Psychiatrie ausgebrochen. Jetzt steht er bei Rocky vor der Tür, dauerhorny wie immer, und will von ihm lernen, wie man Frauen zum Sex überredet, ohne Gewalt anwenden zu müssen. Was Rocky seine Bedenken vergessen lässt, denn sich als schöngeistiger Frauenflüsterer und Stecher zu inszenieren, macht ihn beinahe so geil wie echter Sex. Und den hat er schließlich seit Jahren nicht mehr.

Fortan tingeln die beiden durch das Berliner Nachtleben, machen in Diskos und Kneipen auf das Aufdringlichste Frauen an, blitzen immer wieder ab und nehmen, als alles nichts mehr hilft, an einem Kurs teil, in dem sie das lernen sollen, was sie selbst nicht auf die Reihe bekommen. Und mit jeder Minute Erzählzeit, die verstreicht, wünscht man – mit Sicherheit auch frau – sich weiter weg von der Leinwand, am besten ganz raus aus dem Kino und zurück ins echte Leben, um diesem immer unangenehmer und ekliger werdenden Film zu entkommen.