Das Ende des Münsteraner Tatort: Gott ist auch nur ein Mensch (WDR-Redaktion: Nina Klamroth) ist mal was anderes. Es ist wie der Anfang des einst von Fernsehdirektor Jörg Schönenborn als "experimentell" bezeichneten Tatort: Im Schmerz geboren: ein Griff in die Trickkiste der Selbstreferenzialität.

Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) haben also den Fall schließlich geklärt, steigen ins Auto und Boerne will von Thiel die Lösung auf das letzte Rätsel dieser Folge wissen: Was war in dem Koffer des Künstlers Jan Christowski? Thiel durfte nämlich während der Folge einmal in Christowskis Koffer gucken und hatte sich prächtig amüsiert. Dieser Jan Christowski wird übrigens von dem Künstler Christian Jankowski gespielt und ist also eine Figur von der Meta-Ebene. Statt einer präzisen Antwort albern Thiel und Boerne rum, die Kamera entfernt sich nach oben und plötzlich steht das Auto mit Thiel und Boerne in dem Koffer des Künstlers Christowski, der den Deckel mit den wiederum rätselhaften Worten zuklappt: "Und, war das jetzt Kunst? Entscheiden Sie selbst!"


Die Antwort ist ein entschiedenes Jein.

Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über "Tatort" und "Polizeiruf 110". Auf ZEIT ONLINE nun in der Kolumne "Der Obduktionsbericht". © Daniel Seiffert

Für Ja spricht: Gott ist auch nur ein Mensch (Drehbuch: Thorsten Wettcke, Christoph Silber) ist ein ARD-Sonntagabendkrimi, der sich standortaffin im Umfeld eines Großkunstprojekts ereignet, den "Skulpturentagen Münster". In echt handelt es sich um die Riesenausstellung Skulptur Projekte in Münster (Hinweise darauf werden in Kalauern ausgegeben: "So ein Kasperkönig", sagt Thiel einmal, um auf den Gründer der Riesenschau zu verweisen). Die findet nur alle zehn Jahre statt, 2017 war es wieder so weit, und diesmal spielten in echt durchaus kriminalistische Aspekte eine Rolle: Es kam zu Vandalismus.

Für einen Tatort braucht es freilich mehr: Mord. Der wird gleich in Serie durch den Film erzählt und das lustvoll und nicht nur so platt und doof, wie es dem Ansehen zeitgenössischer Kunst entspricht unter Menschen, die nicht Teil der Kunst-und-Vernissagen-Szene sind. Wenn am Ende der traurige Zampana-Sohn Roland Wenger (Matthias Bundschuh) als Täter überführt ist, führt die Mutter (Gertie Honeck) kühl die Gesetze der geldverseuchten Kunstwelt vor: Hätte der sich "G.O.D." nennende Künstler Zoltan Rajinovic (Aleksandar Jovanovic) hinter den schnitzeljagdesk verrätselten Rachetaten gesteckt (es wurden Leute ermordet, denen juristisch nicht beizukommen war), wäre damit mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen gewesen. Marktwert bleibt Marktwert und Autor bleibt Autor.