An den Grundzutaten für eine erfolgreiche Teenagerserie hat sich seit Beverly Hills, 90210 nicht viel geändert. Man nehme eine Highschool, eine Handvoll Teenager und deren verkorkste Eltern, ein Arm-Reich-Gefälle, einen Außenseiter und einen geheimnisvollen neuen (oder zurückgekehrten) Schüler. Liebesbeziehungen, Dramen und Intrigen, klar. Mindestens eine Person sollte extrem hohe moralische Ansprüche haben und diese auf möglichst selbstgerechte Weise verteidigen. Und ganz wichtig: gutes Licht!

Seit dem Erfolg von Twilight gehört zu diesem Erfolgsrezept unbedingt noch die Komponente Mystery dazu. Die Familienserie Pretty Little Liars zum Beispiel erzählt über sieben Staffeln hinweg vom Verschwinden einer Schülerin und den Geheimnissen ihrer Freundinnen, die von einem Unbekannten bedroht werden. Und in der Netflix-Produktion Tote Mädchen lügen nicht berichtet ein Mädchen auf mehreren Audiokassetten von den Gründen für ihren Selbstmord.

Die am meisten beachtete Mystery-Teenieserie derzeit ist jedoch Riverdale, geschrieben und produziert von Greg Berlanti (Dawson's Creek). Gerade läuft auf Netflix, das die weltweiten Ausstrahlungsrechte erworben hat, die zweite Staffel. Ausgangspunkt der Geschichte ist der Mord an dem schönen und beliebten Jason Blossom. Weil der Sheriff nicht weiterkommt mit dem Fall, versuchen die Highschoolschüler Betty Cooper (moralisch dem Papst überlegen), Veronica Large (geheimnisvolle Neue aus New York mit reichem kriminellem Vater), Archie Andrews (Frauenschwarm, Footballspieler) und Jughead Jones (Außenseiter) ihn aufzuklären.

Für den sozialen Konflikt dient der Sweet Water River als Trennlinie: Er teilt die kleine Stadt in zwei Gesellschaften. Auf der Nordseite leben die gutbürgerlichen Pastellfarbenträger, deren Kinder gute Noten schreiben und freitagabends Milchshakes trinken. Auf der Südseite tragen die Leute Lederjacken und viele Tattoos und werden beherrscht von einer Rockergang. Für alles, was in Riverdale schiefläuft, machen die Northsider die Southside verantwortlich.

Bei Teenagern hat die Serie Kultstatus. An Halloween verkleideten sich viele als Betty, Archie und Co; auf Instagram hat der offizielle Account 2,3 Millionen Follower. Zum Vergleich: Twilight hat nur 700.000. Dem Schauspieler Cole Sprouse, der den Außenseiter Jughead Jones darstellt, folgen mehr als zehn Millionen Instagram-User.

Das Interessante an Riverdale ist die Art und Weise, wie es das klassische Highschool-Drama mit bekannten popkulturellen Referenzen verknüpft. Die eindeutigste Referenz ist die zu David Lynchs Kultserie Twin Peaks. Wie dort wird auch in Riverdale ein Highschool-Liebling aus dem örtlichen Fluss gezogen. Und wie im Falle der Promqueen Laura Palmer stellt sich auch in Berlantis Serie heraus, dass fast jeder Bewohner von Riverdale ein dunkles Geheimnis hat, das irgendwie mit dem Tod von Jason Blossom in Verbindung steht. Es ist sicher kein Zufall, dass der Produzent Nebenrollen mit Mädchen Amick (die Kellnerin Shelly aus Twin Peaks) und Luke Perry (der Außenseiter-Rebell Dylan aus Beverly Hills 90210) besetzt hat.