Wenn nach zweieinhalb Stunden das Licht im Kinosaal wieder angeht, ist man erst mal im Zustand eines leichten Schocks: Star Wars kann tatsächlich noch überraschen, und das im achten Teil der Filmreihe! Schon im nächsten Moment denkt man allerdings: What a mess! Der arme Mensch, der dieses Durcheinander in der nächsten Episode dramaturgisch aufräumen muss, tut einem ein bisschen leid. J. J. Abrams wird diese Aufgabe zufallen und er wird ordentlich Arbeit bekommen. 

Jetzt hat aber erst mal der Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson, dessen eindrucksvollster Arbeitsnachweis bislang der auch nicht ganz unkomplizierte Zeitmaschinen-Zukunftsfilm The Looper aus dem Jahr 2012 war, ein herrliches Chaos angerichtet. Am Donnerstag läuft seine Episode VIII an, wobei dem deutschen Titel Die letzten Jedi leider die Zweideutigkeit des englischsprachigen The last Yedi fehlt, der offenließ, ob das Wort "Yedi" nun in der Einzahl oder Mehrzahl steht. Das vage Rätsel, ob Luke Skywalker der Letzte seiner Art ist, mithin der einzig überlebende Ritter des Ordens der heiligen Weltenretter, wurde damit für die deutschsprachigen Fans bereits aufgelöst: Es muss mindestens einen weiteren geben. 

Womit sich gleich der Verdacht verbinden ließ, auch der zweite Teil dieser vor zwei Jahren gestarteten neuen Trilogie werde wie der erste zuvor eine Variation seines Pendants in der Ursprungstrilogie sein. Nach Abrams faktischer Neuverfilmung von Krieg der Sterne 2015 war nun eine Art Das Imperium schlägt zurück II zu erwarten, jenes düsteren und über weite Strecken erstaunlich langsam erzählten Kapitels der Jedi-Ausbildung des jungen Luke. Abrams hatte dafür in Das Erwachen der Macht alles vorbereitet. Er hatte die ewige Rebellenmischpoke, die sich als Nukleus einer möglichen multikulturellen Gesellschaft der Übermacht einer Diktatur des absolut Bösen entgegenstellt, ordentlich dezimiert; und er hatte die potenzielle Jedi-Auszubildende Rey am Schluss auf eine einsame Insel am Ende der Galaxis geschickt, auf der sich der altgewordene Luke vor der Welt verbarg, als gescheiterter Jedi-Lehrer und letzte Hoffnung der Rebellen. So wie lange vor ihm Obi-Wan Kenobi seinen Schüler Anakin Skywalker – Lukes Vater – als Darth Vader an die dunkle Seite der Macht verloren hatte, so konnte auch Luke nicht ganz unschuldig gewesen sein an der Verwandlung seines Neffen und Zöglings Ben Solo in den bösen Vader-Möchtegern Kylo Ren. Also weiter alles von vorne, nur mit einer neuen Generation Guter und Böser?

Kino - »Star Wars – Die letzten Jedi« (Trailer) © Foto: The Walt Disney Company

Ja, aber. Rian Johnson nimmt die losen Enden des vorangegangenen Films auf, arbeitet die sich daraus für die Handlung ergebenden Konsequenzen aber eher pflichtschuldig, rasch und fast nebenbei ab. Wie genau, das darf man selbstverständlich nicht verraten, sonst laufen die Spoiler-fürchtenden Fans der Serie gleich Sturm. Nur so viel also: Johnson, so wirkt es, möchte ihnen sowohl einen Gefallen tun (wie es zuvor Abrams sehr erfolgreich getan hatte), als auch sie herausfordern. 

Zum Beispiel mit Komik. Gleich in der allerersten Szene schlägt Johnson einen für Star Wars erstaunlich lockeren Ton an, obwohl es da noch gar keinen comic relief, ein Aufatmen ob all des Dramatischen, braucht – noch ist ja nichts Schlimmes passiert. Johnson setzt auf die Sprücheklopfer- und Practical-Joke-Komik der zeitgenössischen Superheldendramen, hat aber ein recht seltsames Timing und man fragt sich: Wird das nun statt einer Weltraumoper eine romantische Sternenkomödie?

Nein, aber: Johnson vermischt Elemente unterschiedlicher Genres, als solle man sich als Zuschauer nie ganz sicher sein, ob man nun einem Kinderfilm, Actionreißer, Martial-Arts-Film, Superheldenblockbuster oder einer Klamotte folgt. Er will alles und nichts davon, er will es scheinbar jedem recht machen, was selbstverständlich nie funktioniert. Wobei Star Wars-Fans, die heute längst an den Erzählformen des Serienfernsehens geschult sind, vermutlich auf solche Plot-Wendungen warten und sich an dem Genremischmasch nicht stören werden. 

Außerdem bietet Die letzten Jedi ein paar gewaltig schöne Weltraumschlachtszenen mit neuem Rüstungsmaterial; und immerhin eines der diversen Laserschwertkampfduelle ist so gekonnt und überwältigend choreographiert, dass es mit den alten asiatischen Kampfkunstspektakeln mithalten kann, die sich der Film an dieser Stelle eindeutig zum Vorbild genommen hat.