Am Anfang diente sie vor allem dazu, die ratternden Geräusche des Projektors zu übertönen; aber es dauerte nur wenige Jahre, bis die Filmmusik zu einer Kunstform eigenen Rechts geworden war, zu einem wesentlichen, unerlässlichen Bestandteil des Kinos.

Im Kino kommt die Musik vor der Sprache: Schon in der Stummfilmzeit waren die Filme nie stumm, stets wurden ihre Aufführungen von einem Pianisten oder einem Organisten begleitet, und wenn das Publikum Glück hatte, dann spielte der Organist auf einer jener legendären Kinoorgeln, die die Firma Wurlitzer seit 1914 herstellte: gewaltige Geräte mit sehr vielen Tasten und noch mehr Geräuschen, die nicht nur ein ganzes Orchester zu imitieren vermochten, sondern auch viele andere Klänge aus Natur und Zivilisation. Das Ausmaß des klanglichen Einfallsreichtums und Witzes, das sich in diesen Instrumenten manifestierte, ist bis heute beglückend und kaum je wieder erreicht.

Eines dieser herrlichen Instrumente sieht man in Score noch einmal in Betrieb: Es ist eine der schönsten und erhellendsten Szenen in dem Film von Matt Schrader, der sich der Geschichte und Gegenwart der Filmmusik widmet. Den Anfängen dieser Geschichte widmet er sich mit kinematografischer Leidenschaft, um dann allerdings die – für die Entwicklung der Filmmusik so zentrale – Epoche der frühen Zeichentrickfilme komplett zu überspringen.

Leider eindimensional

Über den frühen Tonfilm eilt er im Sauseschritt bis in die sechziger Jahre, um sich dann ausgiebig dem Schaffen von Bernard Herrmann und John Barry zu widmen. Wogegen wiederum nichts zu sagen ist, denn beide sind fraglos große Meister ihrer Kunst: Was wäre die Duschmord-Sequenz in Alfred Hitchcocks Psycho ohne die schrill im Rhythmus der Messerstiche schreienden Geigen von Bernard Herrmann? Wie viel weniger elegant und stilprägend hätten die frühen James Bond-Filme gewirkt ohne die Soundtracks von John Barry?

Ohne die Musik wäre das Kino nur halb so wirkungsvoll, schön und interessant: Das ist die These, die Schrader in historischer wie in systematischer Weise zu belegen versucht, etwa, indem er den Psycho-Duschmord ohne Musik wiederholt, wodurch dieser gleich nur noch halb so schockierend wirkt. Auch lässt er Komponisten, Kritiker und eine Psychologin erläutern, wie sich die Wahrnehmung von Bildern durch die Zufügung von Musik verändert.

Das könnte nun nicht nur kinematografisch erhellend sein, aber leider ist Schraders Zugang zu eindimensional. "Veränderung" durch Musik interessiert ihn nur in einer einzigen Hinsicht: nämlich als Steigerung von emotionaler Intensität. Dass es auch Soundtracks gibt, die ihren Reiz aus der konsequenten Kontrapunktierung der Bilder beziehen (man denke an die Musik von Stanley Kubrick und Wendy Carlos für Clockwork Orange) – das ist Schrader entweder unbekannt oder es kümmert ihn nicht, weil diese Techniken nicht aus dem Blockbuster-Kino kommen.