Zu den vielen Gegnern der amerikanischen Konservativen gehört eine ganze Generation: Jene jungen Erwachsenen, die so ermüdend oft Millennials genannt werden. Im amerikanischen Kulturkampf sind sie zum Sandsack der wütenden Konservativen geworden, die Rechte schmäht die Studenten an den liberalen Universitäten als Generation Snowflake: Fragile Schneeflocken mit übergroßem Bewusstsein für die eigene kristalline Einzigartigkeit und der Neigung, bei der nächsten Trump-Rede beleidigt dahinzuschmelzen. Was aber, wenn diese konservative Kritik am Ende wirklich zuträfe? Um diese Frage kreist die brillante aber zynische amerikanische Comedyserie Search Party.

Als die erste Staffel im November 2016 anlief, war es gerade ein paar Tage her, dass Donald Trump zum Präsidenten gewählt worden war. Das liberale Amerika sehnte sich nach Weltflucht und Zerstreuung und hoffte, beides in einer Serie zu finden, deren Szenerie erst mal so originell klingt wie ein Banksy-T-Shirt: Vier ziel- und beschäftigungslose Endzwanziger witzeln sich durch ihre prekäre Existenz in New York. Die Hauptfigur Dory (Alia Shawkat) geht durch eine anhaltende Quarterlife-Sinnkrise, ihr schlurfiger Lebensgefährte Drew (John Reynolds) ist immer noch Praktikant. Die talentlose Portia (Meredith Hagner) möchte gern Schauspielerin werden, der Designer Elliott (John Early) will sich karrieretechnisch nicht festlegen, aber allgemein arbeitet er eher ungern. Search Party ist Friends für Menschen, die beim Anblick eines iPhone 4 nostalgisch werden.

Das alles erweist sich bald als falsche Fährte. Schon der Auftakt der ersten Folge lässt ahnen, dass Search Party dunkler und kälter ist als all die anderen Serien, die sich in den vergangenen Jahren den Lebensproblemen der Millennials angenommen haben, Girls etwa oder Broad City. Dräuend erklingt der Titelsong von Purity Ring, Helfer durchkämmen bei Taschenlampenlicht den Wald und immer wieder ertönt der Ruf nach einer Frau namens Chantal, die vermisst wird, vielleicht sogar tot ist.

Szenenwechsel zum Brunch in Brooklyn: Dory erzählt ihren Freunden von der verschollenen Chantal, mit der die Clique zu College-Zeiten vage bekannt war. Bald schon verwendet Dory ihre gesamte Zeit darauf, die verlorene Freundin zu finden. Search Party verwandelt sich rasant in eine Detektivgeschichte und erfindet nebenbei, wie Emily Nussbaum in ihrer begeisterten Kritik für den New Yorker schreibt, das Genre der "Noir Sitcom". 

Wie "Fünf Freunde", nur ohne Hund

Tatsächlich fühlt sich Search Party an, als habe jemand eine typische Millennial-Komödie mit Enid Blytons Fünf Freunden gekreuzt, obwohl Dory und ihre Freunde nur zu viert auf ihre Suche gehen und auch komischerweise keinen Hund namens Timmy haben, obwohl ja eigentlich jeder gute Mensch von Brooklyn mindestens einen Hund hat, den er während des Yoga-Urlaubs in Kolumbien aus dem ehemaligen Tierheim von Pablo Escobar gerettet hat. Dem Zuschauer wird bald klar, dass Dory mit ihren Recherchen über das mysteriöse Verschwinden von Chantal – steckt eine Sekte dahinter? Die Immobilienmafia? – nur versucht, der Leere und Unbestimmtheit ihres eigenen Lebens zu entkommen. Dory ist in gewissem Sinne genauso verloren wie die vermisste Chantal selbst.

Kritik am angeblichen Narzissmus und der emotionalen und ökonomischen Unreife der heute Achtzehn- bis Achtunddreißigjährigen war in den letzten Jahren so omnipräsent wie Schminktutorials auf YouTube. Glaubt man der Flut von Essays, die sich letztes Jahr nach dem Ende der finalen Staffel von Girls ergoss, haben Fernsehserien im Allgemeinen und Lena Dunham im Speziellen einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass sich in den USA das Bild von den Millennials als einer Generation der weinerlichen Selbstbezogenheit durchsetzte. Dunhams Alter Ego Hannah Horvath in Girls wurde in ihrer idealtypischen Verkörperung des Millennial-Narzissmus allerdings zugleich zur feministischen Antiheldin, die sich gesellschaftlichen Leistungsanforderungen und falschen Körperidealen entzog.

Leere, Narzissmus und Instagram

Girls nahm der paternalistischen Kritik an den vermeintlich faulen und unselbstständigen Millennials durch Überaffirmation jede Spitze, verkehrte sie in ihr Gegenteil. Die Serie machte so auch den Weg frei für die lässigen Chaotinnen Ilana und Abbi aus Broad City, die lieber kiffen, als fürs Eigenheim zu sparen, und beweisen, dass Slackertum nicht länger ein Privileg weißer Jungs ist.

Man könnte bei Search Party ein ähnliches Anliegen vermuten. Auch diese Serie blättert den ganzen Katalog der Millennial-Klischees durch, doch statt diese ironisch zu brechen, werden sie bis in die letzte Konsequenz durchdekliniert. Die Showrunner Sarah-Violet Bliss und Charles Rogers – kaum älter als ihre Protagonisten – legen ihre Generation unters Seziermesser und nach 20 Folgen Seelenzergliederung finden die Serienmacher: Nichts. Leere, Narzissmus und Instagram.