Wer jemals in der Pubertät gewesen ist oder sich gerade darin befindet, der kennt das Gefühl: dass man von der Vorsehung falsch untergebracht wurde; dass man sich in einem falschen Körper befindet, an einem falschen Ort, in einer falschen Umgebung, generell: in einem falschen Leben. Wer ein schwächlicher Jüngling ist, möchte oft lieber ein unbesiegbarer Superheld sein oder vielleicht eines jener schönen Mädchen, die man als schwächlicher Jüngling erfolglos begehrt; wer ein Mädchen ist, das sein Dasein in einem öden Provinznest fristet, sehnt sich in den Körper eines flotten Jünglings in einer aufregenden Metropole. Es ist doch so: Es gibt Zeiten, in denen jedes andere Dasein sich verheißungsvoller und besser anfühlt als das eigene.

So geht es auch Mitsuha, einem Teenagermädchen aus einer japanischen Kleinstadt, sie wünscht sich nichts dringlicher als ein Leben in Tokio; während Taki, ein ebendort lebender Gymnasiast, sein anstrengendes Dasein mit Schulstress und Aushilfsjob in einem Restaurant nur zu gern gegen eine idyllische Dorfexistenz tauschen möchte.

Eines Tages werden die Wünsche der beiden urplötzlich wahr, aber das ist dann natürlich auch wieder verwirrend. Mitsuha wacht im Körper von Taki auf und Taki im Körper Mitsuhas. Ohne zu wissen, was passiert ist, müssen sich beide in einer fremden Umgebung mit fremden Menschen zurechtfinden; nur um dann am nächsten Morgen wieder im eigenen Körper aufzuwachen. Tagein und tagaus geht es fortan hin und her. Allmählich begreifen die beiden, wie ihnen geschieht, und beginnen, wenn gerade wieder im falschen, also eigentlich richtigen Körper angekommen, sich Nachrichten zu schreiben und auf diese Weise die jeweils fremde Situation zu eigen zu machen. Aber das ist erst der Anfang einer an absonderlichen wie allzu menschlichen Verwicklungen überaus reichen Geschichte.

Your Name – Gestern, heute und für immer (im japanischen Original: Kimi no Na wa) heißt dieser romantische und tragische und kluge Körpertauschfilm des japanischen Anime-Regisseurs Makoto Shinkai. In seinem Heimatland wurde er seit der Premiere im August 2016 zum erfolgreichsten Animationsfilm der Kinogeschichte, erfolgreicher noch als die Werke des wie ein Nationalkünstler verehrten Anime-Großmeisters Hayao Miyazaki. Auch in den USA erfreute sich Your Name in der vergangenen Saison großer Beliebtheit. Im Herbst verkündete J. J. Abrams, an einer Realfilm-Adaption zu arbeiten. Nur in Deutschland ist das Publikum für Anime-Filme immer noch winzig und weitgehend auf Japan-affine Teenager beschränkt, hier kommt die Synchronisation jetzt an gerade einmal zwei Tagen ins Kino, am 11. und 14. Januar.

Kino - »Your Name. – Gestern, heute und für immer« (Trailer) © Foto: Universum Film

Das ist schade, denn auch wenn es sich hier um ein klassisches Coming-of-Age-Drama handelt, so erzählt Makoto Shinkai seine Geschichte doch mit bestrickender, weit über das Genre hinausweisender Virtuosität. Noch die scheinbar absurdesten Schlenker fügen sich im Verlauf des Films in eine Logik, in der nicht nur Körper, Identitäten und Geschlechterrollen stetigen Verwandlungen unterworfen sind, sondern sich auch die verschiedenen zeitlichen Ebenen in erzählerischen Vor- und Rückwärtsbewegungen ineinander verschränken.