Der Mythos Garage ist einfach nicht totzukriegen. Den Traum davon, wie einst Steve Jobs im Autohäuschen weltverändernde Erfindung zu machen, bewegt offensichtlich auch viele Menschen aus den beschaulichen Ecken der Einzel- und Reihenhausrepublik Deutschland. So betreten auch die Erfinderinnen und Erfinder in der neuen Pro-Sieben-Show Das Ding des Jahres die Bühne, durch, genau: eine Garagenkulisse.

Menschen wie Jörg Skowronek etwa, der einen Miniwohnwagen erfunden hat, der sich mit dem Fahrrad durch die Landschaft spedieren lässt. "Wenn er was erfindet, steht er mir im Haus nicht im Weg", erklärt Skowroneks Ehefrau nüchtern. Mit diesen Worten ist die Klientel, die Das Ding des Jahres erreichen will, ganz gut umschrieben: Sie gibt den Skowroneks des Landes die Gelegenheit, einmal aus ihrem Hobbykeller herauszukommen.

Kein richtiges Raab-Comeback

In insgesamt fünf Vorentscheidungssendungen treten acht Erfinder in vier Duellen gegeneinander an. Die Sieger stehen sich am Ende der Sendung in einem kleinen Finale gegenüber; ein bis zwei Supertüftler qualifizieren sich schließlich fürs große Finale, das, anders als die Vorrunden, live ausgestrahlt wird. Der Sieger darf dann bei den Sendern der Pro-Sieben-Sat1-Gruppe Werbung im Wert von 2,5 Millionen Euro schalten.

Das neue Showkonzept stammt von Stefan Raab, der das deutsche Unterhaltungsfernsehen mehr als eineinhalb Jahrzehnte geprägt hatte, ehe er Ende 2015 vom Bildschirm verschwand. Um ein Comeback handelt es sich bei Das Ding des Jahres allerdings nicht. Raab ist in der von Janin Ullmann (extra3) moderierten Show nicht zu sehen. Immerhin überwacht er, wie der Sender versichert, die Dreharbeiten.

Als Jury fungieren die Pro-Sieben-Vielzweckwaffe Joko Winterscheidt, Hans-Jürgen Moog, Geschäftsführer von Rewe Deutschland, und das in der Werbung recht häufig zu sehende Model Lena Gercke. Gleich zu Beginn sagt Gercke, sie sei Fan aller Produkte, für die sie jemals Reklame gemacht habe. Möglicherweise unterschätzt sie die Zuschauer von Pro Sieben.

Neuauflage von Die Höhle der Löwen?

Die Jury ist jedoch nur eine Art Vorinstanz: Winterscheidt, Moog und Gercke testen kurz die Erfindungen – mal Prototypen, mal verkaufsreife Produkte –, stellen ein paar Fragen und geben eine Empfehlung ab. Wer weiterkommt, entscheidet aber das Studiopublikum. Erst auf die Kür der Finalistinnen und Finalisten hat die Jury direkten Einfluss.

Abgesehen von der Rolle der Jury und vom Abstimmungsprozedere, erinnert Das Ding des Jahres stark an die enorm quotenträchtige Vox-Gründershow Die Höhle der Löwen, die 2018 in die fünfte Staffel geht. Auch dort präsentieren Kandidaten neue Produkte – wenngleich mit dem Ziel, einer Jury aus sehr reichen Unternehmern Anteile des eigenen Start-ups schmackhaft zu machen.