Wegen ihrer Nazipropagandafilme war Leni Riefenstahl zeitlebens umstrittenen. Die Werke der Filmregisseurin und Fotografin bekommt nun die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die umfangreichen Fotografie- und Filmbestände, Manuskripte, Briefe, Akten und Dokumente sollen aufarbeitet werden. Möglichst in einer Kooperation mit der Stiftung Deutsche Kinemathek.

"Wir haben mit dem Nachlass von Leni Riefenstahl nicht nur ein bahnbrechendes ästhetisches Werk übernommen, sondern auch eine besondere Verantwortung für die kritische Auseinandersetzung", sagte der Präsident der Stiftung, Hermann Parzinger. Die Aufarbeitung der Bestände, die bis in die 1920er-Jahre zurückreichten, solle unter anderem Riefenstahls Beziehung zum Nationalsozialismus thematisieren.

"Modernste Filmemacherin überhaupt"

Nach Angaben der Stiftung verfügte Riefenstahls Sekretärin und Alleinerbin Gisela Jahn die Schenkung. Es sei ihr Wunsch gewesen, das Erbe in Berlin, der Geburtsstadt der Künstlerin, aufbewahrt zu wissen. Jahn hat die Materialien den Informationen zufolge von Riefenstahls 40 Jahre jüngerem Ehemann Horst Kettner nach dessen Tod im Jahr 2016 erhalten.

Der Nachlass soll an verschiedenen Orten aufbewahrt werden: Während der fotografische Bestand im Museum für Fotografie am Bahnhof Zoo untergebracht werden soll, plant die Stiftung, den Schriftenbestand mit Korrespondenzen, Tagebüchern und Manuskripten von der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin betreuen zu lassen.

Die 1902 geborene Riefenstahl feierte als Schauspielerin, Filmemacherin und Fotografin große Erfolge – war aber immer umstritten. Während der 1930er-Jahre drehte sie Propagandafilme für das NS-Regime und empfing auch einmal Adolf Hitler in ihrer Wohnung. Dennoch charakterisierte sich die Künstlerin später als "unpolitisch" und sagte, sie sei nie NSDAP-Mitglied gewesen.

Kritiker warfen ihr daraufhin vor, mit politischer Naivität dem Dritten Reich ihre Kunst geliehen zu haben und sich zu weigern, politische Verantwortung zu übernehmen. Abgesehen von dieser Kontroverse wurde Riefenstahl von vielen Kritikern aber gefeiert: Der berühmte Hollywood-Regisseur George Lucas soll sie einmal die "modernste Filmemacherin überhaupt" genannt haben.