Die große Kunst vieler TV-Serien entsteht aus der Verwebung verschiedener Erzähltechniken und -stile. Genres, Helden-Konstrukte, Bewegungsformen, Dekors und Sprache werden freier miteinander verbunden, die Fantasie der Drehbuchautoren ist nicht mehr durch die  klassische Dramaturgie des "Gut gegen Böse", "Der Held überlebt immer" oder gar Happy Endings gefesselt. The Walking Dead, die erfolgreichste Serie, die je ein amerikanischer Kabelsender produzierte, verbindet solch unterschiedliche Erzählstrategien: Horror, Western, Katastrophenfilm, Science Fiction, Thriller und Abenteuer. Das ergibt eine besondere Struktur; im Gegensatz zu einem reinen Fortsetzungsgeschehen wird immer wieder ein wenig neu angesetzt. Das Epische und das Episodische entsprechen einander.

Die klassischen Erzählformen – im Film nennt man sie Genre – haben seit den siebziger Jahren erheblich an Überzeugung und Strahlkraft verloren, einige, wie der Western und die ("klassische") Science-Fiction, schienen sogar gänzlich zu verschwinden oder nur in drastischen Spätformen ("revisionistische" Western, Science-Fiction noir) weiter zu existieren. Was half, waren Hybridformen, Crossover, Meta-Genrefilme oder offene Symbolkonstruktionen wie der Superhelden-Film. Oder eine weitere Umdrehung der Drastik-Spirale: Trash. 

Aus alledem schöpft The Walking Dead.

Die Serie startete am 31. Oktober 2010 in den Vereinigten Staaten bei AMC mit einer etwas mehr als einstündigen Pilotepisode. Der Erfolg der Serie (obwohl sie gegenüber dem eigentlichen Zugpferd der Firma, Mad Men, eher stiefmütterlich behandelt wurde) führte rasch zur Ausweitung und Beschleunigung der Produktion. Mittlerweile ist man bei der neunten Staffel angelangt in Deutschland läuft auf dem Bezahlsender Fox gerade 8B an, der zweite Teil der achten Staffel – The Walking Dead ist wohl auch die einzige Serie, die ihre Staffelstarts mit Unterkategorien markiert.

Der Story-Rahmen ist vergleichsweise einfach: Ein Deputy Sheriff namens Rick Grimes wird bei einer Auto-Verfolgungsjagd angeschossen und von seinem Partner Shane ins Krankenhaus gebracht. Als er aus dem Koma erwacht, findet er sich in einer veränderten Welt wieder. Alles liegt in Trümmern, wilde, hungrige, halb zersetzte und sprachlos brüllende Wesen machen Jagd auf alles Lebende, Menschen vor allem, um sie zu zerfleischen. Rick macht sich auf die Suche nach Frau und Kind, trifft schließlich auf eine kleine Gruppe, zu der auch Shane gehört, und entwickelt sich bald zu deren Anführer auf der langen Suche nach einem Ort, an dem die überlebenden Menschen sicher und friedlich existieren könnten. Aber ein ums andere Mal erweist sich diese Hoffnung als trügerisch, die Orte als verlassen, von Zombies überrannt, oder als Gemeinschaften, deren Mitglieder sich als schlimmer erweisen als die Untoten, die hier Beißer, Streuner oder auch Matschbirnen genannt werden.

Der ursprüngliche Showrunner Frank Darabont hat sich als handwerklich versierter Regisseur und Autor von morality plays nach Stephen King wie The Green Mile und Die Verurteilten bewährt, und er übernahm aus der Graphic-Novel-Vorlagevon Robert Kirkman und Tony Moore vor allem jene Elemente, die ein solches Fragen nach Moral ermöglichen: Wen oder was erkennt man als Mitmensch oder Mitgeschöpf an? Ist es notwendig, sich zu barbarisieren, den Prinzipien von Freiheit, Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit abzuschwören, wenn die Gefahr am größten ist? Ist das Kollektiv oder der Individualismus die bessere Lösung? Wie viel Illusion darf eine Hoffnung enthalten? Kann man in einer solchen Hölle über Gott sprechen? Welches Opfer ist sinnvoll? Sachen wie diese eben, und natürlich gibt es keine eindeutigen Antworten; im Angesicht der Zombies, der untoten Wesen, die nur Fressen im Sinn haben, kommen die moralischen und philosophischen Fragen des Alltags auf eine besonders drastische Weise zum Vorschein. Aber sie verbergen nicht, dass sie eben auch in unserem Alltag beständig gestellt sind.

Highways, bedeckt mit Leichen und Autowracks

Die Spannungen innerhalb der Gruppe sind in der Serie beinahe bedeutender als die ständige Gefahr durch die Untoten. Natürlich geht es dabei um Temperamente und Haltungen, immer aber geht es auch um Ideen und Prinzipien. Und darum, die Hoffnung nicht zu verlieren, die innere Ordnung aufrecht zu erhalten, die Sorge um die eigene Person, die eigene Familie, mit der Sorge um die Gemeinschaft und, wer weiß, mit der um die Menschheit zu verbinden.

Die Gruppe spaltet sich, manche finden wieder zueinander, und immer wieder wird jemand von den Beißern erwischt. Neue Mitglieder kommen dazu, denen – manchmal zu Recht, manchmal zu Unrecht – zunächst nicht getraut werden kann; man trifft auf andere Gruppen von Überlebenden, mit einem anderen Gemeinschaftsmodell, und durch all das ziehen sich die Highways, die mit Leichen und kaputten Autos bedeckt sind, flankiert von verwüsteten Orten. Wie es in einem Brecht-Gedicht heißt: "Von diesen Städten wird bleiben: der durch sie hindurchging, der Wind."

Der nutz- und wertlose Mensch im Kapitalismus

Tote Menschen, tote Automobile: Chandler Riggs (links) als Carl und Andrew Lincoln als Rick Grimes in der achten Staffel von "The Walking Dead" © Gene Page/ AMC

Eben weil dieses narrative Gerüst so einfach ist, kann dem Episodischen, und, wenn man so will, auch dem Lyrischen, ein breiter Raum gegeben werden. Schon in der ersten Episode, dem Piloten, erreicht dieser melancholische Lyrismus mit seinen Kameraschwenks über die Spielsachen der von Zombies ermordeten Kinder, die "toten" Automobile, die weiten, leeren Räume der einstigen Zivilisation (emblematisch das Bild des Sheriffs, der über die Asphaltwüste einer längst sinnlosen Highway reitet) einen Höhepunkt. Die Erzählung selbst hat die klassische Wellenform eines Western, auf die Phasen der gewalttätigen Aktion folgen solche der Ruhe und der Kontemplation. Es wird ziemlich viel geredet in The Walking Dead, gern an Lagerfeuern, auf Verandas und an Flüssen. Schließlich geht es ja auch um die Frage, wie viel Liebe und wie viel Freundschaft noch möglich ist in der Welt der Zombie-Apokalypse. 

Und um die Unfähigkeit, in alledem wirkliche Unschuld zu bewahren. Schon die erste Begegnung des Sheriffs betrifft eine solche Umkehrung des Opfers: Was er von hinten für ein unschuldiges blondes Mädchen gehalten hat, erweist sich sogleich als aggressiver Beißer. Mit dem Erschießen eines Kindes beginnt also die Geschichte, und sie endet nicht damit, dass ein Kind auch töten lernt.

Das Monströse der Überlebenden

Zombies sind die abstrakteste Metapher für den Ausnahmezustand. Sie sind für sich genommen beinahe nichts als ein sehr naher, sehr wahrscheinlicher, sehr hässlicher Tod. Dass sie kannibalische Wesen sind, die fressen, ohne je satt zu werden (und ohne zu "verdauen"), dass sie ohne Bewusstsein und (meistens/fast) ohne Sprache sind, dass sie nur durch die Vernichtung ausgerechnet des Kopfes (der ja eigentlich leer sein sollte) unschädlich gemacht werden können, dass sie schlafwandlerisch unterwegs sind (eine Erbschaft der Genesis des modernen Mythos aus dem Voodoo-Kult und seiner popkulturellen Bearbeitungen), das alles ist so eingängig wie nach und nach nebensächlich. Zombies sind einfach das Ende der Menschheit, so oder so. 

Zombiefilme zeugen von einer ungeheuren Ambivalenz. Sie setzen nicht nur die Monster frei, sondern auch das Monströse in den Überlebenden. Sie handeln nicht nur von einer unumgänglichen Verrohung – in einem Zombiefilm gibt es immer die Szene, in der jemand lernen muss, einen Zombie, ohne zu zögern, zu vernichten – sie sind auch selbst Teil einer Verrohung. George A. Romero,Erfinder und Meister des Subgenres, hat diese Ambivalenzen immer miterzählt, bei ihm sind in der Regel die Zombiejäger die schlimmsten aller Bestien.  

Denn natürlich handelt es sich um die Frage, was einen Menschen ausmacht. Wenn die Science Fiction-Fime zwischen Blade Runner und Ghost in the Shell die Frage aufwerfen, wann eine Maschine schon ein Mensch ist, werfen die Zombiefilme die Frage auf, wann ein Wesen ohne Moral und Bewusstsein noch ein Mensch ist. Dieser Mensch ohne Bewusstsein ist übrigens längst Gegenstand philosophischer Abhandlungen, und auch für die Protagonisten von The Walking Dead ist es immer schwierig, die Linie zu ziehen. 

Die Toten, die nicht sterben können – nach Romero eine Metapher auf die nutz- und wertlosen Menschen im Kapitalismus, die "Verdammten dieser Erde" – müssen vernichtet werden, weil sie toxisch sind. Wer von ihnen gebissen wird, verwandelt sich nach qualvollem Fieber selbst in einen Zombie. Daher stellt sich immer wieder die Frage nach einer Form von Sterbehilfe. Wann muss man auch einen geliebten Menschen töten, um ihm das Schlimmste zu ersparen?

Vermüllte Städte, zerstörte Häuser und Leichenberge

Die klassische amerikanische Veranda: Chandler Riggs (rechts) als Carl Grimes in der aktuellen achten Staffel von "The Walking Dead" © Gene Page/ AMC

The Walking Dead ist in vieler Hinsicht auch sehr amerikanisch. Archetypische Schauplätze wie das Gefängnis, die Militärbasis, die Forschungsstation, die emblematische Kleinstadt, die Farm in der Prärie, die Kirche als Zufluchtsort ermöglichen es, die verschiedensten Stimmungen, Erzählungen, Charaktere herbeizuzitieren. Es gibt zweifellos einen religiösen Kern der Erzählung, um den sich amerikanische Mythen gruppieren: der Kult der Waffe, der Wert der Familie, die ewige Frage, ob man allein oder doch in der Gruppe weiterkommt, die Idee, dass eine in sich gespaltene, rassistische und von Egoisten bestimmte Gesellschaft im Angesicht der Gefahr zur wahren Gemeinschaft wird, die besondere Vater-Beziehung in der Welt- und Selbstbetrachtung und vieles mehr. Doch vieles davon wird auch im Verlauf der Serie infragegestellt.

Besonders deutlich wird das im Wandel der Frauenfiguren. Immer mehr müssen sie aus dem Schatten der puritanischen Geschlechterkonstruktion heraus treten, die Machtkämpfe der Männer durchschauen, aus der doppelten Opferrolle kommen, die Mischung aus Unterwerfung und Depression hinter sich lassen. In Gestalt der schwarzen Kriegerin Michonne entsteht schließlich auch ein feminines Gegenbild zu den Männern im ewigen Konflikt zwischen pragmatischer und kategorischer Gewalt. Neben dem körperlichen Kontakt, so zeigt sich bald, gibt es auch eine andere Form der Ansteckung. Die Zombies sind nicht die einzigen Kannibalen, neben der kleinen Gruppe der Post-Pioniere um Rick entstehen böse Karikaturen von Schurkenstaaten und Terrorregimes.  

Um Zombies geht es am wenigsten, es ist ein Menschheitsdrama, in dem, wie der Comic-Schöpfer Kirkman sagt, im Hintergrund Zombies herumlaufen. Stattdessen geht es um Fragen wie die nach der Natur des Menschen: Ist er im Kern böse von Natur aus oder zum Guten befähigt? Ist Mitleid stärker als Egoismus, ist der Darwinismus die einzige Leitlinie des Überlebens? Und was heißt das schon: stark sein? Jedenfalls ist der Held Rick im Verhältnis zu seinen Gegenspielern wie etwa Shane, der seinen Zorn immer wieder herauslässt, nur bis zu einem gewissen Grad als Ideal zu sehen. Er ist zugleich auch verbohrt und treibt seinen Altruismus womöglich über die Grenzen von Vernunft und Moral als puren Ehrenkodex hinaus. Aber zugleich muss auch er seinen inneren Zorn immer wieder kontrollieren und bekennt freimütig, wie schwer das manchmal sein kann. 

Wer muss geopfert werden?

Der Kern der Empfindungen ist die Hilflosigkeit gegenüber einer Welt, die keine andere Ordnung mehr kennt als dieses Fressen und Töten. Daher gibt es genau hier das Verhältnis von victim und sacrifice. Wer oder was ist das Opfer, wer oder was muss geopfert werden, wer muss sich selbst opfern? Das mitfühlende und solidarische Verhalten, das auch im richtigen Leben in der Phase des Neoliberalismus zu verschwinden droht, muss sozusagen neu erlernt werden. Nicht Altruismus versus Egoismus ist die Frage, sondern die Frage nach dem richtigen Altruismus. Beides kann pathologische Ausmaße annehmen, und dazwischen gibt es viele Abarten, unter anderem gespiegelt ins Phänomen der Führerschaft. Möglicherweise ist genau die Stärke von The Walking Dead auch die Schwäche der Serie, nämlich dass es irgendwie einfach um alles geht. Und dass man daher umgekehrt auch irgendwie alles in The Walking Dead hineinsehen kann.

Der schlimmste Feind ist die Paranoia

Nahezu alles, was in The Walking Dead geschieht, hat man schon gesehen, oft drastischer, meistens kürzer, aber das eben macht den Reiz der Serie aus, dass sie Standardsituationen der Genres auf so kunstvolle Weise miteinander verknüpft und dabei so etwas wie Dauer erzeugt. Andererseits überlagern immer auch Bilder aus der realen Gegenwart die Fiktion der Zombie-Apokalypse: die Vermüllung der Städte, die Bilder zerstörter Häuser und die Leichenberge, die wir aus den neuen Kriegen kennen, die No-Go-Areas, die Desaster-Bilder nach einem terroristischen Anschlag, die Absurditäten der militärischen Hochrüstung, der Zusammenbruch der Infrastrukturen. Die Serie wird nicht müde, ikonisch zu unterstreichen, wie nahe die postapokalyptische Welt der unseren ist.

Es ist die Sehnsucht nach einem safe space – zunächst die Hoffnung auf den sicheren OrtAtlanta –, die die Gruppen am Leben erhält. Aber es sind zugleich die beständigen Konflikte innerhalb der Menschengruppen, die das fiktive Ziel, für das jedes andere stehen kann, unerreichbar machen. Der Ausnahmezustand, den wir als Zusammenfassung aller denkbaren Katastrophen sehen, Krieg, Terror, Hunger, Bürgerkrieg, Zusammenbruch der Energie- und Steuerungstechnologie, der staatlichen Ordnungen, der Kommunikationswege, lässt alles Konventionelle aus den Beziehungen verschwinden. Es gibt nur Freund oder Feind, und selbst diese Kategorien sind nicht zuverlässig, denn hinter scheinbarer Freundlichkeit verbirgt sich oft wahrer Terror, so wie hinter aggressivem Gehabe häufig ein menschlicher Schutzimpuls. Der schlimmste Feind ist die Paranoia, die in den Menschen arbeitet.  

Eine funktionierende Erzählmaschine ist auch eine begehrte Geldmaschine

Nur bis zu einem gewissen Grad als Ideal zu sehen: Andrew Lincoln als Rick. © Gene Page/AMC

Rick ist zweifellos eine (gewiss: reichlich gebrochene) Moses-Figur, und vielleicht hätte man sich deswegen weniger wundern müssen, dass diese Figur nicht unsterblich ist, denn auch Moses war es nicht vergönnt, das Land, in das er seine Leute führte, selbst zu betreten; ein Aspekt der Mythe, der übrigens nicht nur Sigmund Freud zu denken gegeben hat.

All das ist manchmal etwas dick aufgetragen, so wie etliche Gewalt- und Ekelszenen zu sagen scheinen: Seht her, was wir uns trauen. "Die Welt, die wir kannten, existiert nicht mehr. Aber ob wir menschlich bleiben, das entscheiden wir allein", sagt etwa in der zweiten Staffel der alte Dale zu Andrea, die einst Bürgerrechtsanwältin war, und nun bereit ist, einen Jungen zu töten, weil er ein Sicherheitsrisiko für die Gruppe darstellt.

Das Drastische, auch in der Gewalt zwischen den Menschen, auch in den sexuellen Beziehungen, ist die Essenz der düsteren Ästhetik. Kaputtheit ist das Motto. Kaputtheit der Dinge, Kaputtheit der Körper, Kaputtheit der Beziehungen. Es ist das Prinzip, von dem einst W.C. Fields sprach: Heile Dinge kaputt machen kann jeder. Aber halbkaputte Sachen noch kaputter zu machen, das ist eine Kunst. Zweifellos leitet uns hier auch eine Lust am Kaputtmachen. 

"Ab jetzt ist das hier keine Demokratie mehr"

Die Ausweglosigkeit nimmt von Staffel zu Staffel zu; als Cliffhanger dient hier nicht die Frage, wie jemand sich aus einer Gefahrensituation befreien wird, sondern wie zum Teufel es überhaupt noch weiter gehen kann. Auch in der Gruppe setzt sich der Prozess des Zerfalls fort: Nachdem er seinen Widersacher Shane hat töten müssen und die restlichen Mitglieder gegen ihn rebellieren, erklärt Rick: "Ab jetzt ist das hier keine Demokratie mehr." Er lässt nur noch das Folgen oder Gehen als Optionen zu. Aber auch die Gegner werden nicht nur zahlenmäßig gefährlicher, irgendwann laufen die Zombies in Polizei-Schutzpanzer-Ausrüstungen auf. Was für ein Bild!

Philosophieren im Angesicht einer Gefahr, die sich immer mehr als unabwendbare Verdammnis erweist (dem Zombie entkommen, nur um zu entdecken, dass man den Zombie schon in sich hat); hoffen in einer Welt, die vor allem aus zerrissenem Fleisch, Blut, Gedärm und Schmerzen besteht. Bei George A. Romero kamen die Toten auf die Erde zurück, wenn in der Hölle der Platz zu eng geworden ist; in The Walking Dead hat die Hölle die Welt verschlungen.  

Die Fans neigen auch zu einer Form des Fundamentalismus

Die Serie ist mehr als nur ein erfolgreiches Produkt der fleißigen populären Kultur dieser Tage, sie ist sogar ein wenig mehr als ein Phänomen. Sie ist eine Form von Glauben, eine Pop-Religion, in deren Mythologie die Gläubigen ihre privaten wie ihre politischen Probleme gespiegelt sehen. Kein Wunder also, dass sich hier auch eine Form des Fundamentalismus zeigt. So wurde der Showrunner Scott Gimple heftig angegriffen, weil er in der achten Staffel dezidiert von der in der Tat episch-apokalyptischen Comic-Vorlage abwich (wir kennen ein ähnliches Problem im Fandom von Game of Thrones, wo die TV-Serie gleichsam ihre literarischen Vorlagen überholt hat). Eine Petition wurde gestartet, um dieses Vergehen Gimples mit seiner Abberufung zu ahnden. Die neunte Staffel wird nun tatsächlich nicht mehr von ihm, sondern von Angela Kang betreut.

Auch der ursprüngliche Showrunner Darabont wurde während der Arbeiten an der zweiten Staffel überraschend von AMC entlassen, was zu einem längeren Rechtsstreit führte. Die Ursache waren wohl Budgetkürzungen und alle erdenklichen Repressalien gegen Regie und Crew; allerdings hatte sich auch Darabont selbst nicht gerade durch Zurückhaltung beliebt gemacht und die eigenen Kameraleute und Autoren heftig attackiert. Vielleicht ging es in diesem Streit auch gar nicht allein um The Walking Dead, sondern um einen Machtkampf zwischen den Zentren der Produktion und die Frage, wie groß der Einfluss der Regisseure und Showrunner sein sollte.

Dieser Kampf setzte sich fort, denn jede funktionierende Erzählmaschine ist auch eine begehrte Geldmaschine. Im August 2017 verklagten die Produzenten Robert Kirkman, Gale Anne Hurd, Glen Mazzara, David Alpert und mitproduzierende Firmen den Medienkonzern AMC Networks, weil dieser zu wenig an die "real" produzierenden Studios zahle. Wenn die Klagen der Produzenten und die des geschassten Regisseurs angenommen wird, dann rechnet man mit einem Klagewert von beinahe einer Milliarde US-Dollar. Was ein wenig illustriert, worum es bei solchen Serien auch geht. Um den Kannibalismus der Traumfabriken. Unnütz zu sagen: Auch The Walking Dead ist nicht nur Ausdruck unserer verrottenden Welt, sondern auch der eigenen Produktionsbedingungen.

Der zweite Teil der 8. Staffel von The Walking Dead läuft ab 26. Februar 2018 immer montags um 21.00 Uhr auf FOX. Alle Episoden sind im Anschluss an die lineare Ausstrahlung über Sky Go, Sky On Demand, Sky Ticket, Entertain TV sowie Vodafone Select und GigaTV verfügbar.