Für Klaus Brinkbäumer kommt die Frage sichtlich überraschend. Der Spiegel-Chefredakteur sitzt im Presseclub der ARD. Sonia Mikich diskutiert mit ihren Gästen, wie Facebook nach den jüngsten Entwicklungen Grenzen gesetzt werden könnten. Zum Schluss kommt sie dazu auch mit einer Frage quasi in eigener Sache um die Ecke: Was er, also Brinkbäumer, denn vom Vorschlag des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm halte, eine Art Supermediathek zu gründen mit öffentlich-rechtlichen Inhalten, aber auch solchen von Zeitungen und Magazinen wie dem Spiegel?

"Bevor ich jetzt hier live bei Ihnen sage: 'Da machen wir mit!', müsste ich das etwas genauer kennen", sagt Brinkbäumer. "Klingt aber gut. Klingt schlüssig. Klingt wie etwas, was dann wirklich belegen könnte: Das ist Qualität. Das ist wahr." Ulrich Wilhelm dürfte das gefallen.

Der ARD-Vorsitzende wirbt bereits seit seinem Amtsantritt im Januar, also schon vor dem aktuellen Skandal bei Facebook, für seine "Supermediathek". Die neuerliche Kritik und zunehmende Skepsis an Mark Zuckerbergs Netzwerk befeuern nun aber auch die Debatten um mögliche Alternativen. Keine Frage: Für Wilhelm kommt Zuckerbergs Misere genau zum richtigen Zeitpunkt.

Bislang hat der ARD-Chef keinen konkreten Entwurf vorgelegt, sondern seine Gedanken nur bei Vorträgen und in direkten Gesprächen mit anderen Medienmachern artikuliert. Grob gesagt sieht das Konzept so aus: ARD, ZDF und Deutschlandradio würden ihre Sendungen und Beiträge genauso auf das Portal stellen wie Zeitungen und Zeitschriften, womöglich auch private Sender und Produzenten. Es geht also um einen Mix aus Audios, Videos und Texten, vieles frei, einiges aber kostenpflichtig.

"Das ist eine Zukunftsidee, die heute natürlich nie und nimmer schon belastbar ist", sagte Wilhelm, der den Bayerischen Rundfunk leitet, zuletzt dazu. Allerdings würden doch "alle Medien ganz stark dem unterliegen, was von den US-Giganten Facebook und Google kommt". Wilhelms Vision: Die Emanzipation vom Silicon Valley könnte die hiesigen Medien einen.

Aus der Abhängigkeit von Facebook und YouTube lösen

"Änderungen des Algorithmus werden nie transparent gemacht", mahnt Wilhelm. Medien hätten "sofort im Wettbewerb entsprechende Folgen zu tragen". Tatsächlich war erst in diesem Winter die Aufregung in Redaktionen groß, als die Programmierer von Facebook an der Zauberformel für den individuellen Nachrichtenmix ihrer Nutzer schraubten. Klassische Beiträge von Medien wurden zunächst schlechter eingestuft. Viele fürchteten um ihre Reichweiten.

Die Chefs der öffentlich-rechtlichen Sender sind seitdem erkennbar berauscht von der Idee, sich zusammen mit privaten Medien aus der Abhängigkeit von Facebook, aber auch von YouTube zu lösen. "Qualitätsmedien können alle ein gemeinsames Angebot auf die Beine stellen", sagt der WDR-Intendant Tom Buhrow. "Denn die wahre Konkurrenz und die wahre Bedrohung sind doch Global Player (...), die eigentlich alles aufsaugen."

Die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger spann die Idee im Interview mit dem NDR-Medienmagazin Zapp gleich weiter. Eine "Informationsplattform für gute, verlässliche Informationen" könne doch auch alles beinhalten, "was Volkshochschulen und Museen anzubieten haben in diesem Land". Mit Wilhelm eint sie zudem der Gedanke, eine derartige Plattform könnte auch gleich ein europaweites Modell sein. Für den ARD-Vorsitzenden wäre das "ein ganz großer Wurf".