Gespräch mit Han Hoogerbrugge "Geschichte kennt keine Happy Ends"

Natürlich denken alle, der Mauerfall war das glückliche Ende von etwas. Doch der niederländische Künstler möchte zeigen, dass Geschichte stets fortlaufende Geschichte ist.

Der niederländische Künstler Han Hoogerbrugge

Der niederländische Künstler Han Hoogerbrugge

ZEIT ONLINE: In Ihrem Video zeigen Sie einen Mann, der schlägt - sich selbst und andere - der herumirrt, sich an seiner Krawatte aufhängen will und im Kreis dreht. Soll man eigentlich lachen oder weinen, wenn man das sieht?

Han Hoogebrugge: Beides. Es gibt Lustiges und Unheimliches. Humor ist ein gutes Mittel, um eine Arbeit zugänglicher zu machen.

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ZEIT ONLINE: Was wollen Sie denn zugänglicher machen?

Gewalt ist ein wesentlicher Teil unseres Daseins

Han Hoogerbrugge

Hoogebrugge: Ehrlichgesagt habe ich davon keine klare Vorstellung. Was man sieht ist irgendwie lustig, aber man weiß nicht warum. Also fängt man an, darüber nachzudenken, warum das eigentlich lustig ist - schließlich ist es kein Witz. Was ich vermittle ist eher ein Gefühl von Verwirrung.

ZEIT ONLINE: Sie zeigen Selbstmord, Gewalt, doch es bleibt paradox, denn der Mann handelt nicht angemessen.

Hoogebrugge: Ja, Gewalt ist ein wesentlicher Teil unseres Daseins. Wir lehnen Gewalt ab. Das ist ein Allgemeinplatz. Doch sie ist in unserem Alltag gegenwärtig.

ZEIT ONLINE: Aber nicht so, wie Sie sie darstellen.

Hoogebrugge: Ich hoffe nicht! Aber zum Beispiel im Sport. Dort brauchen Sie auch Aggressionen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Ich glaube, beides hat denselben Ursprung: Du nutzt diese Aggression, um eine Menge Energie für dein Handeln freizusetzen. Aber es ist eben auch der Ursprung für aggressives Handeln, das wir nicht mögen. Wir können nicht das eine ohne das andere nutzen. Es geht also darum, ein Gleichgewicht zu finden zwischen unserem Tier-Sein und unserem Mensch-Sein. Wir sind inzwischen alle so korrekt, so gut gekleidet, wir haben Autos, wir versuchen zivilisiert zu sein. Aber wir können es nicht sein, weil wir noch immer bis zu einem gewissen Grad Tiere sind.

ZEIT ONLINE: In diesem Video spricht Ihr Alter Ego nicht, doch in anderen Arbeiten geben die Personen oft tierische Laute von sich. Sie stöhnen oder brüllen.

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