Kunst zum Mauerfall, Teil IV

Zum Totlachen: Wir ändern uns nie

Der niederländische Künstler Han Hoogerbrugge entwirft für unsere Serie eine apokalyptische Vision unseres Daseins, in der er unser oft sinnloses Tun widerspiegelt - immerhin mit viel Humor

Serie: Kunst zum Mauerfall
Alle sieben Video-Beiträge und die Gespräche mit den Künstlern finden Sie auf unserer Seite "Kunst zum Mauerfall"

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Han Hoogerbrugges Arbeiten spiegeln vor allem durch die nonverbalen Äußerungen und Obsessionen seines Hauptdarstellers oft den Zeitgeist wider. Diese Figur, ein Alter Ego des Künstlers, nimmt eine zentrale Rolle in vielen seiner Arbeiten ein. Sie dient Hoogerbrugge als Mittel um sowohl persönliche als auch universelle Themen zu erforschen: Alter, Angst, Tod, Religion und Verfremdung. Seine Figur schlägt, verzweifelt, betet, deliriert, dreht sich im Kreis, hebt ab. Sie führt viele kleine Gesten aus, die wir täglich selbst machen. Aber erst durch das penetrante Wiederholen, tritt das Groteske des Tuns, unseres Tuns, hervor: unser Aggressionspotentzial, das Animalische in uns und unsere Orientierungslosigkeit.

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Han Hoogerbrugge
Han Hoogerbrugge

Han Hoogerbrugge wurde 1963 in Rotterdam geboren. Seine frühen Arbeiten waren hauptsächlich Skulpturen, Malereien und lllustrationen. Gelockt von der Vorstellung, potenziell ein Millionenpublikum zu erreichen und die vollständige Kontrolle über seine eigenen Inhalte zu behalten, begann er 1996 seine Comics auf seiner Website zu veröffentlichen. Damit hatte er ein neues Medium für sich entdeckt, das seine Arbeiten fortan stark beeinflussen sollte. Er erforschte unablässig Möglichkeiten des interaktiven Erzählens und neuer Flash-Animationen wie in der Online-Serie ModernLiving/Neurotica, 1998-2001, gefolgt von Hotel (für SubmarineChannel.com) und Nails. Seine aktuelle Arbeit umfasst Installationen, Filme, Musikvideos, Illustrationen und Auftragsarbeiten. 2008 veröffentlichte er The Graphic Universe of Han Hoogerbrugge als Buch und auf DVD.

Hoogerbrugge verwendet ein spezifisches visuelles Vokabular, das aus Elementen früherer Arbeiten besteht und das er immer wieder neu zusammenstellt. Durch den Remix bekommt die Arbeit jeweils neue Bedeutung. Die Elemente sind wie eine persönliche Sprache, die sich kontinuierlich durch das Zufügen neuer und das Weglassen bestehender Elemente - gelöscht aus Hoogerbrugges Bildbibliothek - entwickelt. Wie bei einer Sprache muss man zwischen den Zeilen lesen können. Wie kann man also diese Männer interpretieren, die in ihren eigenen mentalen Endlosschleifen gefangen zu sein scheinen? Stellen sie eine apokalyptische Vision dar oder nur einen temporären Geisteszustand? Ein Zeichen der Hoffnung, oder vielleicht nur ein kurzer Moment der Erleichterung, liegt im Zitat von Orson Welles, das Hoogerbrugge über seine Bilder stellt und auch als Titel der Arbeit gewählt hat: "Wenn du ein glückliches Ende willst, liegt das natürlich am Zeitpunkt, an dem du deine Erzählung schließt." Diese Überlegung wiederum, darum bittet Hoogerbrugge mit seinem Video, sollten wir mal auf den Zustand Deutschlands nach der Wiedervereinigung anwenden.

 
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Leser-Kommentare

  1. Herzerfrischend - bei all diesem entpolitisierten , revisionistischen Quark um uns herum mal wieder in der Zeit ein ein warmes Stück Apokalypse laufen zusehen.Die Blinden an den Schalthebeln der Macht ...

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