Gespräch mit Han Hoogerbrugge "Geschichte kennt keine Happy Ends"Seite 2/2

Hoogebrugge: Das Tier in ihnen!

ZEIT ONLINE: Die Landschaft in der Arbeit wirkt gleichzeitig apokalyptisch und zeitlos. Warum dieses Szenario für einen Beitrag zum Jahrestag des Mauerfalls?

Geschichte geht immer weiter - von Katastrophe zu Katastrophe und von Happy End zu Happy End

Han Hoogerbrugge

Hoogebrugge: Das hängt mit dem Titel des Videos zusammen, einem Zitat von Orson Welles: "If you want a happy ending, that depends, of course, on where you stop your story." Der Fall der Berliner Mauer war in gewisser Weise das Happy End von etwas. Wenn man die Geschichte damals hätte enden lassen können, wär alles okay gewesen. Aber die Zeit endet nie, also machen wir weiter bis zur nächsten Katastrophe. 

Serie: Kunst zum Mauerfall
Alle sieben Video-Beiträge und die Gespräche mit den Künstlern finden Sie auf unserer Seite "Kunst zum Mauerfall"

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ZEIT ONLINE: Oh, ich hatte das Zitat so aufgefasst, dass wir möglicherweise das Happy End noch vor uns haben. Aber jetzt klingt es bei Ihnen so, als hätten wir das Happy End schon hinter uns - und verpatzten nun unsere schöne Geschichte.

Hoogebrugge: Nicht unbedingt. Es ist nur so, wenn man weiter macht, gibt es kein Happy End. Aber wenn man noch weiter macht, dann gibt es wieder ein Happy End. Denn die Geschichte geht immer weiter - von Katastrophe zu Katastrophe und von Happy End zu Happy End. Sie verläuft wie ein Diagramm: hoch, runter, hoch runter. Der 11. September war ein Tief. Obama ist jetzt vielleicht ein Hoch.

ZEIT ONLINE: Und der Mauerfall?

Hoogebrugge: Die Mauer hat viel zum Charme Berlins beigetragen. Sie zog Künstler wie David Bowie an. Er kam wegen der Atmosphäre der Stadt und ihrer Mauer und machte eines seiner besten Alben dort. Deswegen erinnere ich mich an den Mauerfall mit gemischten Gefühlen: Natürlich war es gut, dass die Mauer niedergerissen wurde, weil der Fall vielen Menschen die Freiheit brachte. Das denkt jeder. Aber er bedeutete eben auch den Verlust eines sehr kreativen Ortes.

Das Gespräch führte Wenke Husmann

 
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