Kunst zum Mauerfall, Teil VI Grenzort mit Krähen

Der britische Künstler Simon Faithfull kam 2006 nach Berlin. Mit seinem Palm Pilot hielt er seine Eindrücke zeichnerisch fest - und kombiniert sie jetzt zu einer Fiktion neu

Im vergangenen Jahrzehnt waren die Arbeiten des englischen Künstlers Simon Faithfull in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Seine Arbeitsweise ist ebenso umfangreich und unvorhersagbar wie manche seiner Experimente. Diese reichen von Freiluft-Installationen wie Shy Fountain für das Haus am Waldsee in Berlin - einem Brunnen in einem See, den man ganz still beobachten muss und der nur funktioniert, wenn niemand dort ist -, bis zu Escape Vehicle no.6, einem Video, für das er einen Sessel unter einem bis auf 30 Kilometer Höhe steigenden Wetterballon baumeln ließ.

Serie: Kunst zum Mauerfall
Alle sieben Video-Beiträge und die Gespräche mit den Künstlern finden Sie auf unserer Seite "Kunst zum Mauerfall"

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All diese Arbeiten zeigen Faithfulls Willen, die Grenzen der Welt zu erforschen, Schwerkraft und Zeit zu überwinden.

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Für seine Arbeiten zeichnet Faithfull häufig auf einem Palm Pilot. Er verwendet dieses technische  Marken-Gerät, um seine Erfahrungen zu registrieren und seine Reisen fest zu halten. Die rohen Zeichnungen zeigen die Grenzen der Technologie auf, während die unebenen Linien und gebrochenen pixelierten Kreise ebenso poetische wie raue Studien sind.

Für Visual Foreign Correspondents und ZEIT Online stellte Simon Faithfull eine neue Arbeit zusammen, in der er zwei bestehende Werke kombiniert, die er während früherer Berlinaufenthalte machte: 12 Postcards from Berlin aus dem Jahr, in dem er nach Berlin kam, 2006, und A Murder aus dem Jahr 2008. In der ersten Serie ist der prominente Berliner Fernsehturm, als kreisender Mittelpunkt Berlins mit seinem unsichtbaren Drehrestaurant, immer irgendwo im Bild zu finden. A Murder zeigt Krähenscharen, die die Straßen und den öffentlichen Raum einer Stadt wie eine Parallelgesellschaft bevölkern. Das Thema von Begrenzungen und Grenzen wird durch die Vogelperspektive und den Fernsehturm, als bekanntes Denkmal von Panoramablicken über Berlin, betont. Viel wichtiger ist jedoch, dass das Mischen dieser zwei Realitäten zu einer neuen Erzählung führt. Waren beide Arbeiten Aufzeichnungen eines bestimmten Lebensabschnitts, so schaffen die Spuren realer Momente gemeinsam einen neuen, imaginären Raum – und führen so zu einer Verschiebung von der Reportage zur Fiktion.

 
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