Shoppen und beten

Kaufhaus mit Kirche

Oberhausen  |  © Peter von Felbert

Der Kommerz muss Grenzen haben, der Advent darf nicht im Zeichen des ungezügelten Konsums stehen. So haben die Verfassungsrichter in Karlsruhe jüngst geurteilt. Doch was wäre, wenn man beides tun könnte? Shoppen und beten? Weihnachtsgeschenke kaufen und im Anschluss zur Besinnung eine Kerze anzünden?

Wie die Fotos von Peter von Felbert zeigen, gibt es tatsächlich Einkaufszentren in Deutschland und Österreich, die kirchenähnliche Räume eingerichtet haben. In Berlin entstand ein temporärer "Raum der Stille". In Oberhausen gibt es unweit der Wühltische und Kassen eine richtige Kirche. Täglich wird dort eine Andacht gehalten. Ein Seelsorger ist für die Kunden da.

Es ist ein widersprüchliches Konzept, Konsum und innere Einkehr an einem Ort zu vereinen. Aber vielleicht sind es gerade Orte wie Autobahnraststätten, Flughäfen und eben auch Einkaufszentren, die eine Kapelle besonders nötig haben? Sie wäre nicht vordergründig für Gläubige gedacht, sondern dazu, den vom Alltag Verfolgten Momente der Besinnung und Ruhe zu gewähren.

Leser-Kommentare
    • dcrabs
    • 03.12.2009 um 14:57 Uhr
    1.

    Für einen Staat der angeblich sekularisiert ist halte ich das Urteil für eine Frechheit. Solche kranken Diskussionen und Klagen gibts nur in Deutschland. Warum darf man das Ganze nicht etwas flexibler gestalten und plant Arbeitszeiten für die Angestellten so, dass nur Leute Sonntags/im Advent arbeiten, denen das nichts ausmacht? Außerdem muss doch nicht den ganzen Samstag und Sonntag geöffnet sein. Ein halber Tag reicht doch auch.
    Solche Probleme führen bei mir immer mehr dazu zu denken, dass Religion weitestgehend zu vermeiden und mit Ethik zu ersetzen ist.

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    • fennek
    • 03.12.2009 um 15:22 Uhr

    Ich glaube kaum, dass es viele Leute gibt denen es "nichts ausmacht" am Sonntag zu arbeiten. Das hat recht wenig mit Konfession zu tun. Es stellt sich die Frage ob die Käuflichkeit des Sonntagsglücks konfessionsabhängig ist. Ich glaube kaum.

    • fennek
    • 03.12.2009 um 15:22 Uhr

    Ich glaube kaum, dass es viele Leute gibt denen es "nichts ausmacht" am Sonntag zu arbeiten. Das hat recht wenig mit Konfession zu tun. Es stellt sich die Frage ob die Käuflichkeit des Sonntagsglücks konfessionsabhängig ist. Ich glaube kaum.

    • fennek
    • 03.12.2009 um 15:22 Uhr
    2. LUSTIG

    Ich glaube kaum, dass es viele Leute gibt denen es "nichts ausmacht" am Sonntag zu arbeiten. Das hat recht wenig mit Konfession zu tun. Es stellt sich die Frage ob die Käuflichkeit des Sonntagsglücks konfessionsabhängig ist. Ich glaube kaum.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 1"
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    Ich habe schon sonntags gearbeitet - als Zivi. Anders als die ordentlich Beschäftigten habe ich dafür aber nicht das doppelte bekommen, auch keinen Freizeitausgleich. Nun: Die Leute, die in Einkaufszentren arbeiten, sind keine Zwangsarbeiter, die bekommen entweder mehr Gehalt oder mehr Freizeit.

    Ich fand übrigens Sonntagsarbeit *trotz* des fehlenden Ausgleichs nicht so übel, denn dafür hatte ich ja auch Werktags mal frei, und konnte in Ruhe einkaufen. Damals gab's nämlich noch die normalen Ladenschlusszeiten, die Einkaufen und Berufstätigkeit praktisch unvereinbar machten.

    Außerdem: Der Advent *ist* die Zeit des Konsumwahnsinns, man hat ja 11 Monate im Jahr, um sich davon zu erholen. Dass man natürlich nicht dauernd arbeiten kann, sondern auch Pausen braucht, das steht nicht zur Debatte - auch Sonntagsarbeiter haben freie Tage.

    Ich habe schon sonntags gearbeitet - als Zivi. Anders als die ordentlich Beschäftigten habe ich dafür aber nicht das doppelte bekommen, auch keinen Freizeitausgleich. Nun: Die Leute, die in Einkaufszentren arbeiten, sind keine Zwangsarbeiter, die bekommen entweder mehr Gehalt oder mehr Freizeit.

    Ich fand übrigens Sonntagsarbeit *trotz* des fehlenden Ausgleichs nicht so übel, denn dafür hatte ich ja auch Werktags mal frei, und konnte in Ruhe einkaufen. Damals gab's nämlich noch die normalen Ladenschlusszeiten, die Einkaufen und Berufstätigkeit praktisch unvereinbar machten.

    Außerdem: Der Advent *ist* die Zeit des Konsumwahnsinns, man hat ja 11 Monate im Jahr, um sich davon zu erholen. Dass man natürlich nicht dauernd arbeiten kann, sondern auch Pausen braucht, das steht nicht zur Debatte - auch Sonntagsarbeiter haben freie Tage.

  1. Die Vorstellung, Kirche und "Shoppen" miteinander zu verschrauben, ist grotesk. Kirche ist (noch) kein Dienstleistungsunternehmen und kann in den angedeuteten Kontexten nichts anderes erreichen, als sich selbst und ihrem Auftrag untreu zu werden. Wer so dringend Schutz vor dem eigenen Alltag braucht, kann sich hinter Schallschutzwänden einzäunen - oder sein Leben ändern, beispielsweise, indem er sich dem Glauben öffnet. Dass gerade das allgemein unerwünscht (weil unbequem) ist, zeigen etliche Kommentare - auch hier - die das Thema nur im Sinne eines vermuteten deutschen "Regulierungswahns" wahrnehmen können.

  2. So etwas bescheuertes kann doch eigentlich nur von den pseudochristlichen Amis kommen. Man muss doch nur einen kurzen Blick in die Bibel werfen, um zu sehen, wie grotesk diese Idee schon wieder ist. "Man kann nicht dem Mammon und Gott zugleich dienen", steht da z.B. geschrieben. Und was Jesus mit den Verkaufsständen vor den Tempeln gemacht hat sollte man auch wissen.
    Es geht bei der Sonntagsruhe nicht nur um Religion. Der Mensch braucht nun mal einen Tag in der Woche, um sich vom Konsumwahnsinn zu erholen. Und wenn nicht in der Adventszeit, wann denn dann?

  3. Ich habe schon sonntags gearbeitet - als Zivi. Anders als die ordentlich Beschäftigten habe ich dafür aber nicht das doppelte bekommen, auch keinen Freizeitausgleich. Nun: Die Leute, die in Einkaufszentren arbeiten, sind keine Zwangsarbeiter, die bekommen entweder mehr Gehalt oder mehr Freizeit.

    Ich fand übrigens Sonntagsarbeit *trotz* des fehlenden Ausgleichs nicht so übel, denn dafür hatte ich ja auch Werktags mal frei, und konnte in Ruhe einkaufen. Damals gab's nämlich noch die normalen Ladenschlusszeiten, die Einkaufen und Berufstätigkeit praktisch unvereinbar machten.

    Außerdem: Der Advent *ist* die Zeit des Konsumwahnsinns, man hat ja 11 Monate im Jahr, um sich davon zu erholen. Dass man natürlich nicht dauernd arbeiten kann, sondern auch Pausen braucht, das steht nicht zur Debatte - auch Sonntagsarbeiter haben freie Tage.

    Antwort auf "LUSTIG"
  4. Wenn Sonntags mal der Laden zu ist, werden wohl alle verhungern oder wie?

    Ich bin heilfroh, daß es einen Tag gibt, an dem mal keine Rechnung im Briefkasten liegt und nur Freunde an der Tür Klingeln.

    Einen gemeinsamen freien Tag kann man sich doch einfach merken,- wenn dieser feste Tag bröckelt, dann sieht es nämlich so aus:
    " Am Sonntag radeln? ... Nee Arbeit... wann hast Du frei? Am Donnerstag... ... schade... ich nicht...

    ... und das alles wegen Kommerz?

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    Was fürn schöner Eintrag. Voll die Sonntagsatmosphäre eingefangen, und das auf 8 Zeilen!

    Was fürn schöner Eintrag. Voll die Sonntagsatmosphäre eingefangen, und das auf 8 Zeilen!

    • shiri2
    • 03.12.2009 um 19:29 Uhr

    also, mir ist nicht klar, wie jemand etwas gegen geöffnete geschäfte am sonntag haben kann. wer nicht einkaufen will, bleibt eben zuhause, ob nun advent ist oder nicht.
    und die angestellten? ich bitte sie, nicht alle menschen in diesem land arbeiten im verkauf.
    sämtliche krankenhaus- und bahnmitarbeiter, bäcker, polizisten ect. arbeiten seit jeher auch sonntags.

  5. Wir sollten alles abschaffen: Urlaub, Feierabend und Sonntage!
    Mal im Ernst: was wäre das Leben, wenn es dieses Flair nicht mehr gäbe, das dadurch entsteht, daß die meisten Menschen eben Pause haben und sich entspannen können? Nur noch hecktisch und fad, ohne Höhen und Tiefen. Noch viel verrückter als es jetzt schon ist.
    Daß das nun die Kirchen initiiert haben, naja, besser als wenn es niemand getan hätte.

    Man sollte die Menschen, die am Sonntag oder nachts arbeiten müssen, damit die Zivilisation aufrecht erhalten werden kann, mehr als anständig bezahlen bis hin zum früheren Renteneintritt, aber von einer Ausweitung des normalen Wahnsinns sollte man schön die Finger lassen.

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    Wir haben in unserem Verein eine Vereinsgaststätte, die durch die Mitglieder betrieben wird. Als Vorsitzender sind sie u.a. auch Geschäftsführer dieser Gaststätte. Wir haben Sonntags von 11-14 Uhr Frühschoppen. Dabei geht es manchmal sehr hektisch zu, und trotzdem man merkt das Sonntag ist. Die Gäste sind entspannter, wie in der Woche. Der Stress ist einfach nicht so da, dass liegt auch daran, sie können am Sonntag keine Bestellung mehr ordern, das Telefon ist nicht so oft in Betrieb, es ist alles gelassener.
    Ich finde, dass man die s.g. Sonntagsruhe beibehalten sollte,
    obwohl wir arbeiten müssen, dazu muß man nicht unbedingt relegiös sein.

    Wir haben in unserem Verein eine Vereinsgaststätte, die durch die Mitglieder betrieben wird. Als Vorsitzender sind sie u.a. auch Geschäftsführer dieser Gaststätte. Wir haben Sonntags von 11-14 Uhr Frühschoppen. Dabei geht es manchmal sehr hektisch zu, und trotzdem man merkt das Sonntag ist. Die Gäste sind entspannter, wie in der Woche. Der Stress ist einfach nicht so da, dass liegt auch daran, sie können am Sonntag keine Bestellung mehr ordern, das Telefon ist nicht so oft in Betrieb, es ist alles gelassener.
    Ich finde, dass man die s.g. Sonntagsruhe beibehalten sollte,
    obwohl wir arbeiten müssen, dazu muß man nicht unbedingt relegiös sein.

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