Kunst Turner-Preis geht an Richard Wright
Eine Wandarbeit aus Goldblatt brachte dem 49-jährigen Künstler den begehrten britischen Kunstpreis
Der Turner-Preis, der als bedeutendster britischer Kunstpreis gilt, geht in diesem Jahr an den Maler Richard Wright. Der 49-jährige Brite erhielt den Preis am Montagabend unter anderem für ein riesiges Wandgemälde aus Goldblättern. Es ist derzeit wie alle Beiträge der Shortllist zum Turner-Preis traditionell in der Londoner Tate Britain zu sehen. Ein Reiz der Arbeit liegt darin, das sie unmittelbar auf der Wand aufgebracht ist und nach der Ausstellung wieder zerstört werden wird.
- Der Turner-Preis
Der Turner-Preis ist nach dem britischen Landschaftsmaler William Turner (1775-1851) benannt. Er wird seit 1984 jährlich an einen in Großbritannien lebenden Künstler im Alter unter 50 Jahren verliehen. Zu den Preisträgern gehören Gilbert and George, Damien Hirst und der deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans. Zuletzt hatte 2006 mit der Deutschen Tomma Abts eine Malerin den Turner-Preis bekommen. Im vergangenen Jahr hatte Mark Leckey die Auszeichnung für eine komplexe Videoinstallation gewonnen.
Dass die Wahl dieses Jahr auf Wright fiel, kann auf einen Richtungswechsel der Jury hindeuten. Der Turner-Preis stand zuletzt in der Kritik, zu unverständliche Werke auszuzeichnen. In den ersten Jahren seit seiner Stiftung 1984 galten viele Werke als zu provokant.
Wright ist der älteste Gewinner des mit 25.000 Pfund (27.700 Euro) dotierten Preises. Sein Werk, das an eine feine überdimensionale Tapete erinnert, war das traditionellste unter den diesjährigen Exponaten. Sie steht für eine Hinwendung zum Begriff des Schönen mithin.
Wright schlug überraschend seine Mitbewerber Enrico David, Lucy Skaer und Roger Hiorns, der als großer Favorit in diesem Jahr galt. Zu dessen Werken zählt ein pulverisiertes Flugzeugtriebwerk und ein Kunstwerk aus Rinderhirn. Wright, der sich jahrelang der traditionellen Malerei gewidmet hatte und in Glasgow lebt, erstellt seine abstrakten Wandmalereien extra für einen Ausstellungsraum - danach zerstört er sie jedoch stets wieder. "Manchmal fühlt sich das nach Verlust an, manchmal wie eine Erleichterung", sagte er.
Mit dem Preis habe er selbst überhaupt nicht gerechnet, es sei jedoch "großartig". Seine Dankesrede hielt Wright kurz: "Ich habe nicht viel zu sagen, nur danke." Die Jury lobte zur Verleihung in der Tate Britain die "tiefgründige Originalität und die Schönheit" von Wrights Werk.
- Datum 10.12.2009 - 14:33 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Das macht doch geradezu die Schönheit dieser Welt aus: Wenn man eine Luxus Vliestapete nur lange genug "tiefgründig" anschaut, schaut sie auch "tiefgründig" zurück. Das bisschen Goldblatt ist zwar nichts gegen die 8601 Diamanten "for the Love of God" (Damien Hirst), aber der Trend ist klar und sein Motiv auch. Bei einem Gesamtwert von rund 28 Milliarden Dollar und einem ziemlich klein gehaltenen Verteiler ist der globale Kunstmarkt die Definitionsmacht schlechthin, die uns sagt, es gibt nur noch die Kunst für den luxurious Millionair und die Nichtkunst. Für unseren nächsten Ausflug in die Celebrity Culture hat daher Brigit ihr Vuitton-Kaviarköfferchen gepackt, dabei der iranische Beluga-Kaviar nebst "Blackwood Diva" mit dem reinen Diamantenstaub, den wir erst in unsere Wodkagläser, dann auf irgendeinem Galeriefußboden verschütten werden. Das ganze aus Kostengründen natürlich nur fiktiv, aber absolut so celebrity wie Richard Wright hinwendend ankündigt, seine Goldtapete nach der Ausstellung wieder zu zerstören.
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