Reportage-Fotografie "Armut beherrscht nicht den Alltag"Seite 3/3
Bendiksen: Die Welt, in der wir leben, ist anders. Don McCullins Fotos zum Beispiel wurden in der Sunday Times und im Magazin Life gedruckt – sie zeigten etwas, über das die Leser zum ersten Mal erfuhren. Es waren Neuheiten. Wir aber dienen nicht mehr diesem Gesetz – nicht einmal CNN tut das, sondern die Onlinemedien. Unsere Rolle ist mehr die eines Kommentatoren. Wir geben Hintergrundinformationen.
ZEIT ONLINE: The Places We Live ist eine sehr moderne Ausstellung: Bild und Ton funktionieren wie eine Dia-Show, oder eine Audio-Slideshow. Früher gab es oft nur eine Form und eine Bildsprache: die klassische Reportage in Schwarz-Weiß.
Bendiksen: Ich fotografiere nicht für das Life-Magazin von 1965. Ich suche praktische Lösungen für die Themen, über die ich sprechen will. Im Journalismus geht es darum, dass die Arbeit ehrlich ist, und nicht um die Form. Ich denke, es ist ein großer Nachteil, alles in ein und demselben Format zeigen zu wollen. Auch das erzeugt Stereotypen.
ZEIT ONLINE: Warum heißt Ihr Projekt The Places We Live – die Orte, an denen "wir" leben?
Bendiksen: Ich versuche, nicht zu sagen: Slums sind Inseln. Denn wir sollten nicht vergessen, dass in nur einer Generation doppelt so viele Menschen in Slums leben werden wie jetzt. So, wie wir in Oslo oder Berlin leben, ist es die Ausnahme. Wenn wir auf Slums schauen, sehen wir etwas Normales.
Das Gespräch führte Evelyn Runge
- Datum 14.01.2010 - 12:07 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Danke. :)
Wir sehen, wie viele Mitmenschen auf unserer Erde wohnen, bzw. leben. Diese Ausstellung, das dazugehörige Buch, die Magnum Fotos Seite im Internet sind hervorragend gemacht, auch weil sie zum Denken und vielleicht Handeln anregen. "Wie wir in Ostlo oder Berlin leben ist die Ausnahme". Wie begründen oder verteidigen wir unsere etwas oder sehr viel luxeriöseren Wohngelegenheiten und Lebensstile? Gegenüber jenen, die wie auf den Bildern zu sehen ist, ganz beschränkt im Platz und ohne Infrastruktur, mit knappsten Mitteln auskommen müssen?
für diesen Artikel.
Der letzte Satz regt an, über die eigene Sichtweisen nachzudenken.
Auf der Suche nach Exotik ist kein Weg zu weit und auch nicht zu schmutzig. Schon Leonardo da Vinci empfahl uns verwitterte Mauerflecken als Imspiration.
Aber ist eine Slum-Reportage Foto-Kunst?
Die Aufmerksamkeit auf andere Realitäten zu lenken, ist immer als positiv zu werten, da so unsere Horizonte elastischer werden. Doch auch der Spießbürger, in seinem Häuschen und Vorgarten der Ersten Welt, hat für echte Naturmenschen etwas exotisches. Das sollte nicht vergessen werden.
Der gesamte Planet ist ein großes, mehrdimensionales Bild, das es zu gestalten gilt. Da müssen ALLE kreativ sein ... und nur so kann auch jeder verantwortlich werden.
Berichte über Kreativität und deren Dynamik sollten und müssen sich sogar mit ästhetischen Kriterien anfreunden. Der erweiterte Kunstbegriff ("Jeder Mensch ist ein Künstler) kann hier keinesfalls in Abrede gestellt sein. Eine Reportage bleibt aber eine Reportage, auch wenn sie sehr gut gelungen ist.
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