Weltrekord: Bei Sotheby's in London wurde die Bronzeskulptur von Giacometti für einen Rekordpreis versteigert © Macdiarmid/Getty Images

So viel wurde noch nie für ein Kunstwerk geboten: Die lebensgroße Bronzeskulptur L'homme qui marche I des Schweizer Künstlers Alberto Giacometti wurde auf einer Auktion von Sotheby's für 65 Millionen Pfund (74 Millionen Euro) versteigert. Damit erzielte das Werk rund fünfmal so viel wie erwartet und knapp mehr als der bisherige Rekordhalter – Pablo Picassos Bild Junge mit Pfeife.

Das Auktionshaus hatte den Wert der Plastik ursprünglich auf 18 Millionen Pfund geschätzt. Die Bieterschlacht, die bei einem Einstiegsgebot von 12 Millionen Pfund mit mindestens zehn Beteiligten begann, war nach nur acht Minuten wieder vorbei. Dann bezahlte ein anonymer Käufer am Telefon die neue Rekordsumme.

Wer dieser Käufer ist oder welche Institution er vertritt, ist nicht bekannt. Der Kunstmarkt-Experte Henry Lydiate geht davon aus, dass der Schreitende Mann nicht an eine öffentliche Sammlung ging, sondern an eine Privatperson.

Die lebensgroße Bronzeskulptur "L'Homme qui marche I" des Schweizer Künstlers Alberto Giacometti bei Sotheby's in London © Emmanuel Dunand/AFP/Getty Images

Die Auktionssumme liegt nur knapp über dem Preis, den Picassos Junge mit Pfeife 2004 erzielt hatte. Das Gemälde wurde damals in New York für 104.168.000 Dollar (damals 58,5 Millionen Pfund) versteigert. Experten wiesen aber darauf hin, dass andere Bilder privat noch teurer verkauft würden. Als Beispiel nannten sie ein Werk des amerikanischen Künstlers Jackson Pollock, das im Jahr 2006 für 140 Millionen Dollar den Besitzer wechselte.

Die Plastik des Schweizers Giacometti, die 1961 vom Künstler geschaffen worden ist, zählt zu den wichtigsten Werken des Künstlers, der für seine dünnen Plastiken bekannt ist. Sie war seit etwa 1980 im Besitz der Dresdner Bank und ging nach der Übernahme durch die Commerzbank im vergangenen Jahr in deren Sammlung über. Der Erlös geht an die Stiftung der Bank und ausgewählte Museen.