Medienkunst auf der Transmediale Böse InsektenaugenSeite 2/2
"Wir sind, nach all den Träumen des 20. Jahrhunderts, in einer Hybridform der Zukunft angekommen", sagt Stephen Kovats, der künstlerische Leiter des Hauses der Kulturen der Welt. Und schiebt die kritische Frage hinterher: "Was müssen wir tun, um die digitalen Strukturen wieder zu beherrschen?"
Die Akteure des Web 2.0 greifbar machen und verborgene Mechanismen vorführen, das versucht Ken Rinaldo mit seinen Papparazzi Bots: Fahrbare Kameraroboter auf Augenhöhe, die den Besucher verfolgen, um ihn dann abzulichten. Das wirkt ziemlich unheimlich, denn die Blitzvorrichtungen erinnern an bösartige Insektenaugen. Um von ihnen "abgeschossen" zu werden, muss man sich allerdings erst in einen mit rotem Teppich ausgelegten Bannkreis begeben. Das Spiel funktioniert also nur, wenn beide Seiten es auch zulassen. Wie bei sozialen Netzwerken, in denen die Mitglieder ihre eigenen Fotos freiwillig hochladen, wohl wissend, dass sie damit die Kontrolle über ihre eigene Privatsphäre verlieren könnten.
Die zehn Installationen sind zum Glück nicht so ausgelegt, dass man mehr Zeit mit ihren Beschreibungen als mit der eigentlichen Wahrnehmung verbringen müsste. Einige kann man sogar richtig genießen.
Arbeiten wie White Noise von Žilvinas Kempinas beispielsweise geben dem Gehirn Zucker. In einem dunklen Raum werden 100 waagerecht aufgespannte Videobänder von Ventilatoren bewegt. Daraus entsteht ein völlig neues, eigenständiges Kunstwerk: ein Raum, ein Geräusch, und ein Zustand, der sich fast schon als meditativ bezeichnen lässt.
Einen besonderen Augenreiz im Dunkeln bietet auch Yvette Mattern mit ihrem vielfarbigen Lichtstreifen Global Rainbow – From One to Many, nur ist ihre Installation noch um ein paar Dimensionen größer: Sichtbar wird sie erst, wenn der Abendhimmel über Berlin sich verdunkelt. Dann schickt ihr künstlicher Regenbogen seine Strahlen quer durch die Stadt vom Haus der Kulturen bis zum Alexanderplatz.
Die Ausstellung "Future Obscura" ist noch bis zum 7. Februar im Haus der Kulturen der Welt zu sehen
- Datum 05.02.2010 - 11:10 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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