MuseumspersonalDie wahren Kunstkenner

Kaum einer betrachtet Kunst so lange wie sie – also wissen sie, was wirklich interessant ist. Mitarbeiter von Museen erzählen von ihren Lieblingswerken. von  und Fabian Zapatka

Werner Krüger vor: Antoine Pesne und Werkstatt: "König Friedrich II. von Preußen
(1712-1786) als Feldherr", 
Berlin/Potsdam um 1745

Werner Krüger vor: Antoine Pesne und Werkstatt: "König Friedrich II. von Preußen (1712-1786) als Feldherr", Berlin/Potsdam um 1745  |  © Fabian Zapatka

Werner Krüger – Deutsches Historisches Museum, Berlin

"Als ich noch bei der Post im Dienst war, habe ich zusammen mit meiner Gattin schon Jahrzehnte vor meiner Pensionierung die Berliner Galerien und Museen besucht. Und jedes Mal, wenn ich Mitarbeiter gesehen habe, die Sicherheitsdienst machten, um die Exponate zu bewachen, hab ich zu meiner Frau gesagt: 'Wenn ich mal in Ruhestand gehe, werde ich so was auch tun.'

In meinem Umfeld interessiert sich ansonsten niemand für die Kunst. Da bin ich alleine. Es herrscht das typisch deutsche Verhalten vor: RTL und SAT 1 sehen, Autofahren und zwei Mal im Jahr nach Mallorca. Das sind alles Dinge, die mich überhaupt nicht ansprechen. Ein Kulturvolk wie wir, das über eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken kann, sollte und muss die Kultur pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Schon damit der Werteverfall, den ich zurzeit in unserem Land sehe, zumindest ein wenig aufgehalten wird.

Eines meiner Lieblingsbilder ist daher das Porträt König Friedrichs des II. von Preußen, auch genannt Friedrich der Große - Der Alte Fritz. Ich stehe eigentlich, ich sag es ganz unumwunden, für die Preußische Ordnung. Das entspricht meiner Wertevorstellung. Friederich hat sich selbst viel mit Kunst beschäftigt, internationale Künstler an seinen Hof geholt, Flötenkonzerte gegeben. Und deshalb dieser Herr hier: Friedrich der Große!"

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Leserkommentare
  1. Wir besuchten ein Museum, das Bild zeigte eine Frau mit abgeschlagenem Kopf auf einem Tablett. Nach kurzer Zeit kam der Aufseher und zeigte uns, daß man mit etwas anderem Blickwinkel im Bild ein anderes Bild sah. "Das war den Malschülern verboten", sagte er. Die Kunst war beindruckend, ein Bild war schon eine gute Leistung, darin noch ein zweites und selbst der "Meister" sah es nicht.

  2. Ich besuchte vor einem halben Jahr eine Ausstellung im Hamburger Bahnhof. Das Personal wirkte extrem aggressiv und näherte ich mich einer Skulptur nur etwas wurde ich aufs schärfste zurechtgewiesen.
    Um 18.00 Uhr sollte die Ausstellung schließen.. ich und meine Begleiter wurden aber schon 20 Minuten vor Ende angeblafft, dass wir jetzt zu gehen hätten und der Weg zum Ausgang war der reinste Spießrutenlauf. Kommentare wie "Sie würden sich hier auch nicht hinstellen" und "Sie müssen sich das hier nicht anschauen" auf meine Bitte nach etwas mehr Respekt mir als Besucher gegenüber gaben mir den Rest.

    So kann es leider auch laufen.

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  • Schlagworte Arbeit | Ausstellung | Bauhaus | Friedrich der Große | Künstler | Museum
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