Der Dieb, der in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag eine Scheibe ausgeschnitten und ein Vorhängeschloss geknackt hat, um fünf Meisterwerke des frühen 20. Jahrhunderts aus dem Pariser Museum für Moderne Kunst zu stehlen , hat nun: einen Picasso, Braques, Modigliani, Leger und Matisse. Aber er hat noch kein Geld.

Der Wert der Werke ist schwer anzugeben – was nie gehandelt wird, lässt sich nicht in Ziffern fassen. Die Stadt Paris, die durch den Diebstahl geschädigt ist, gibt den Verlust mit 100 Millionen Euro an. Orientiert man sich an Katalogen und den Schätzpreisen von ähnlichen Werken kann man auch auf 500 Millionen Euro kommen. Sehr viel Geld für einen Dieb.

"Das wahrscheinlichste ist, dass er sich in den kommenden Tagen oder Wochen meldet und Geld vom Museum erpresst", sagt Louisa von Loringhoven, die Geschäftsführerin der weltweit gößten Datenbank für gestohlene Kunst, dem Art Loss Register, in London. Die Lösegeldforderung ist zwar der schnellste Weg für den Täter an Geld zu kommen, aber auch der riskanteste. Der Fahndungsdruck ist so kurz nach dem Raub am größten.

Doch er lässt mit der Zeit nach. Keine Polizei kann sich länger als ein paar Monate eine Sonderkommission leisten, die nach den Werken sucht. "Entweder das Werk taucht innerhalb der ersten zwei bis drei Monate auf", sagt von Loringhoven, oder es verschwindet für die nächsten Jahre.

Das mag für einen Kunstliebhaber grausam klingen, doch Museen denken langfristig. "In Generationen", sagt Markus Eisenbeis, Geschäftsführer des Kölner Auktionshauses Van Ham. "Das ist das Schöne an Kunst. Sie verliert ihren Wert nicht." Also wartet das Museum eben ab, repariert seine Alarmanlage in der Zwischenzeit. Was aber macht der Dieb? Wie kommt er an Geld?

"Wenn das Werk aus der Öffentlichkeit verschwindet, ist es wohl Opfer organisierter Kriminalität geworden", sagt von Loringhoven. Sein Wert auf dem schwarzen Markt beträgt nur noch etwa zehn Prozent des offiziellen. Wenn der freilich eine Million ist, sind das schon 100.000 Euro. In den Kreisen, wo es nun gelandet ist, kann ein Deal beispielsweise so abgeschlossen werden, dass die Ware – Drogen oder Waffen – zur Hälfte mit Geld bezahlt wird und zur Hälfte mit dem Kunstwerk. Oder das Kunstwerk dient als Pfand, bis Geld gezahlt wird.

Für diese Menschen haben gestohlene Gemälde entscheidende Vorteile gegenüber Geld. Sie lassen sich zum Beispiel leichter ins Ausland schaffen. Grenzen sind für sie einfacher zu überwinden als Geld, dessen Transaktionen nachvollziehbar sind. 40 Prozent aller gestohlenen Kunstwerke tauchen im Ausland wieder auf. Wurden sie in Frankreich oder Deutschland geklaut, häufig in Belgien oder Holland. Mithin auch in Osteuropa oder Asien.