Kunstvideo von Goddy Leye Die Rituale des Fußballs
Das Video des Kameruner Multimediakünstlers Goddy Leye zeigt Rituale, die Männer und Frauen rund ums Fußballspielen zelebrieren. Er entlarvt damit die Quasireligiösität des Sports
Eine Frau in einem rosa T-Shirt winkt uns in diese Arbeit des Künstlers Goddy Leye aus Kamerun herein: Hier dribbeln Mädchen verspielt mit gekonnter Leichtigkeit einen Salatkopf über die Außenkante ihrer Füße. Dazwischen laufen erzählerische Bildfolgen vom Rande eines Fußballfelds ab. Das eigentliche Spiel bleibt unsichtbar, der Blick geht stattdessen in das Rund der ernsten und spannungsgeladenen Zuschauer. Im fragmentierten Erzählstrom zeigt Leye eine Männerwelt. Ein Fußballspiel wird zu einem Schaukampf, bei dem uralte archaische Gruppenrituale unbewusst aufgegriffen und zelebriert werden. Leye spielt mit visuellen Symbolen, so den Verbeugungen der Zuschauer, die er mit Szenen des leichten Dribbelspiels der Mädchen kontrastiert.

Goddy Leye zählt zu den wenigen Video-Künstlern aus Afrika, die im internationalen Kunstmarkt Anerkennung und Aufmerksamkeit erhalten. Er wurde 1965 in Kamerun geboren, blieb auch später in seinem Heimatland und wird aufgrund seiner kritischen Auseinandersetzung mit der afrikanischen Politik auch in der afrikanischen Kunstszene sehr geschätzt.
Die angespannte Atmosphäre um das Fußballfeld ist nahezu greifbar. Kleine Jungen brechen aus der Gruppen der Zuschauer aus und laufen in reiner Lebensfreude frei über das Feld, bevor sie in die geschlossene Gruppe der Männer zurückkehren. Mit feiner Ironie und viel Humor reflektiert das uralte Thema der Frauen- und Männerwelt. Leyes Aufschlüsselung verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger subversiv überfrachteter Genderstudies. Am Ende des Films übernimmt die Frau im rosa T-Shirt das Spiel der Mädchen: Sie dribbelt den Salatkopf auf ihren Fuß hoch und erinnert uns an die conditio humana, wo der Sport seinen Zweck in sich selbst hat und der Mensch im Spiel ganz Mensch sein kann.
- Kunst und Fussball
Was hat Fußball mit Kunst zu tun? Jede Menge, denn Fußball ist möglicherweise eines der globalsten Alltagsthemen. Man nehme nur den Starrummel um einen Fußballer, die Vermarktung der Ware Mensch, die Macht von Institutionen wie der Fifa und die Emotionalisierung der Massen. Mit all dem werden sich die Künstler in den kommenden Wochen während der WM auseinandersetzen - und für ZEIT ONLINE jeweils ein Kunstvideo drehen.
- Datum 21.06.2010 - 11:58 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren