Castingshow "Work of Art" Das Fernsehen rächt sich an der KunstSeite 2/2
In der Kunst sind ironische Verweise auf die Fernsehkultur spätestens seit Andy Warhol, Nam June Paik und den Videoarbeiten von Phil Collins üblich. Dass sich das Fernsehen nun auf so respektlose Weise der Kunst nähert, ist eine späte, verdiente Rache. Trotz all der persiflierenden Qualität der Sendung ist aber nicht jedes der dort produzierten Werke vollkommen schlecht. An dem noch jungen Alter der meisten Kandidaten gemessen, war das Gezeigte sogar durchaus respektabel. Es tut einem mitunter leid, dass diese Karrieren im seriösen Sinn als beendet angesehen werden müssen. Andererseits hätte derjenige, der im radikal popistischen Milieu der Reality-TV-Kunst bestehen könnte, tatsächlich den Titel eines
Next Great Artist
verdient.
- Datum 20.08.2010 - 13:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Am beste wir schaffen die Kunstakademien und Designhochschulen einfach ab und überlassen alles dem Fernsehen, besser noch, wir schaffen den Kunstunterricht ab und sprengen die Bildungspyramide gleich in die Luft. Die einschägigen Castingshows werden es schon richten, denn da werden von hoch qualifizierten Juroren die Talente herausgepickt, die dann im Superkosmos der Unterhaltungsindustrie die Supertalente sind, die dann das nach stetig Neuem gierende Pantoffelkinovolk in den Zustand allergrößter Verzückung geraten lassen. Bohlen hat uns ja gezeigt, wie man die "Besten" herausfiltert, die dann nach einer weile durch die Nächstbesten ersetzt werden können, solange der Hype anhält und sich die Menschen ohne Not verblöden und an der Nase herumführen lassen.
Besser wäre es allerdings, wenn wir unsere Politiker in Castingshows ermitteln, denn dann würden noch größere Selbstdarstellungsgenies als Guido W., Karl Theodor zu G. oder Gregor G. unsere Politik nicht nur bereichern, sondern endlich zu dem Zirkus machen, den dann alle SUPER finden. Gesetze werden über TED erlassen und die Kanzlerkandidaten müssten im dschungelcampartigen Politfitnessstudios ihre Qualifikation zum Besten geben.
Allerdings taucht in der zeitgenösischen Kunst ohnehin der Verdacht auf, dass ein Geheimbund aus Galeristen, Kritikern, Sammlern und Hochschulprofessoren das Casting schon lange übernommen haben, könnte man sich sonst Meese, Hirst, Koons oder Bisky ernsthaft im Kunstolymp vorstellen?
W. Neisser
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