We could be heroes/just for one day - das wusste schon David Bowie, als er in den 1970er Jahren das Heldentum für einen Tag besang. Auch Andy Warhol prophezeite den Ruhm des Einzelnen – für immerhin 15 Minuten. Doch was ist im 21. Jahrhundert übrig geblieben vom alten, klassischen Helden? Die Berliner Neonchocolate Gallery versucht sich in ihrer Ausstellung Heroismen dieser Frage anzunehmen. Verschiedene Künstler zeigen ihre unterschiedlichen Perspektiven auf das moderne Heldentum – vom Helden für 15 Minuten zum abstrakten Superstar.

Den Höhepunkt bilden dabei Jäki Hildischs Fotografien vom Abseits der Bühne . Hildisch begleitete als Tourmanager nicht nur Künstler wie die Toten Hosen, Herbert Grönemeyer und BAP, sondern vertritt auch Weltstars wie Robbie Williams und Tokio Hotel. In seinen Bildern verlängert er die Perspektive des Betrachters.

Ihn interessieren nicht die Superstars, sondern die Kulissen, in denen sie agieren. Er richtet den Fokus auf das, was nach den Auftritten übrig bleibt: hysterische Fans und malträtierte Säle. Auf einem seiner Bilder sieht man eine kleine Deponie zerstörter Stuhlreihen, die nach einem Tokio Hotel-Konzert in einem polnischen Ort in der Natur entsorgt wurden. Die leicht spießig anmutenden Gardinen im Backstagebereich. Oder die Füße wartender Fans vor einem Treffen mit den Stars. Ihre Gesichter, ihre Individualität haben sie in der Masse verloren.

Hildischs Bilder reflektieren den Unterschied zwischen Erwartung und Realität. Denn davon lebt der Heldenmythos – es geht um das, was im Kopf passiert.

Durch eine multimediale Vernetzung steht uns der Held im 21. Jahrhundert zwar angeblich näher als je zuvor. Gestern verkleidete sich Superman noch als unscheinbarer Reporter und wurde zu einem von uns. Heute kann jeder von uns selbst zum Helden werden. Und in vielen Fällen wird das Berühmtwerden zum Selbstzweck.

Der moderne Held bewegt sich zwischen diesen beiden Extremen: Auf der einen Seite gibt es den Alltagshelden der Castinggesellschaft, auf der anderen Seite erfinden sich stilisierte Kunstfiguren wie Lady Gaga, bei der nicht nur das Handwerk, sondern auch die Person verkünstlicht wird.