Eines der Kunstwerke, die auf der Seite der Londoner Galerie Saatchi zu kaufen ist: "Escape on Avenue B" von Hannah Kasper © Hannah Kasper

Kunst zu sammeln gilt zwar auch unter Studenten und Hipstern als schick, in der Realität ist es aber immer noch auf wohlhabendere Kreise beschränkt. Schließlich fangen die Preise bei den meisten Kunstwerken erst ab mehreren Tausend Euro an.

Ändern könnte das die Online-Dependance der Londoner Saatchi Galerie , die wie ein soziales Netzwerk für Künstler funktioniert. Ab sofort kann man auf der Plattform Kunst online kaufen und verkaufen. Die mehr als 60.000 Mitglieder haben freie Hand, zu welchem Preis sie ihre Arbeiten anbieten wollen. Im Unterschied zu den klassischen Galerien erhalten sie statt der üblichen 50 Prozent des Verkaufspreises 70 Prozent. Schließlich hat Saatchi im Netz weniger Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit, Raummieten fallen nur für Server und Büros an.

Noch ist das Programm der Seite sehr durchwachsen. Zugangsbeschränkungen gibt es nicht, daher sind auch viele Amateure zu sehen: das Angebot reicht von Hausfrauen-Töpfereien bis zu professionellen Ölgemälden. Angesichts der wahrscheinlich niedrigen Preise ermöglicht die Seite einem breiten Publikum, neue Kunst zu entdecken und zu kaufen. Beraten wird man dabei von Bestenlisten , die Kunstkritiker im Auftrag von Saatchi Online wöchentlich zusammenstellen. Ähnliche Angebote gibt es auf Plattformen wie 20x200 und Arcademi , wo man Kunstwerke ab 20 Euro erstehen kann, wenngleich hier keine Unikate, sondern lediglich Seriendrucke angeboten werden.

Das sind nur einige der vielen Beispiele dafür, wie sich Kunst und Internet gegenseitig befruchten. Längst wird das Internet nicht mehr alleine von dem relativ überschaubaren Zirkel der Netzkünstler genutzt, der sich in den neunziger Jahren etablierte. Das verschiebt auch die Machtstrukturen auf dem Kunstmarkt .

Zu leiden haben vor allem die einstigen Popstars der Szene, die Galeristen. Junge Künstler vertreten sich zunehmend selbst und zeigen ihre Arbeiten direkt über YouTube, Tumblr und die eigene Website. Die hohen Provisionen, die für Galerien anfallen, sparen sie sich.

Nun hat auch die etablierte Kunstwelt eingesehen, dass sie sich dieser Entwicklung nicht länger entziehen kann. Man bemüht sich sichtlich um Anschluss. Sogar das Guggenheim Museum veranstaltete jüngst eine YouTube-Biennale . 23.000 Videos wurden eingereicht, 25 davon waren in den Niederlassungen des Museums in New York, Bilbao, Berlin und Venedig ausgestellt. Ende Januar fand die erste Online-Kunstmesse statt – die VIP Art Fair , an der sich renommierte Händler wie Larry Gagosian, Jay Jopling und David Zwirner beteiligten. Technisch gab es zwar noch Mängel, doch das Zeichen war unmissverständlich – am Netz wird in der Kunst in Zukunft niemand vorbeikommen.