Milliardär Carlos SlimDie reichste Sammlung der Welt

Der Mexikaner Carlos Slim ist der reichste Mann der Welt. Und ein passionierter Kunstsammler. In Mexiko City hat er nun sein neues Museo Soumaya eröffnet. von Enrique G de la G

Carlos Slim betrachtet ein Gemälde. Der Mexikaner ist Laut "Forbes" der reichste Mann der Welt.

Carlos Slim betrachtet ein Gemälde. Der Mexikaner ist Laut "Forbes" der reichste Mann der Welt.  |  © Ronaldo Schemidt/AFP/Getty Images

Der junge Kerl hatte keine Lust mehr auf seinen langweiligen Job, er wollte einfach weg, irgendwohin verreisen, um nachzudenken. So machte er sich 1964 auf den Weg nach New York. Er verbrachte viel Zeit in der Börse und der New York Public Library, wo er den damals neu erschienenen Bestseller von J. Paul Getty, How to be Rich, las. Er ahnte zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon, dass dieser Sommer sein Leben tief prägen würde.

Als er nach Hause zurückkehrte, lernte er die Tochter einer Freundin seiner Mutter kennen. Sie war schmal, kultiviert, elegant und erst 16 Jahre alt. Er 24. Das Mädchen, dessen Eltern vor zehn Jahren aus dem Libanon nach Mexiko ausgewandert waren, hieß Soumaya. Die Familie des jungen Mannes stammte ebenfalls aus dem Libanon. Der Vater, Khalil, hatte das Heimatdorf verlassen und folgte seinen älteren Brüdern nach Mexiko, um ein neues Leben aufzubauen. Soumaya interessierte sich für Kunst, er eher fürs Geld. Als das junge Paar zwei Jahre später heiratete, besaß er bereits etwa 40 Millionen Dollar. "Auf unserer Hochzeitsreise haben wir viele Galerien bereist", erinnert er sich. Anschließend besuchten sie auch noch eine Auktion, um das Mobiliar für das neue Zuhause zu besorgen, und dort kauften sie ihr erstes Kunstwerk: ein flämisches Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, eine Szene von Löwen und Christen im Kampf gegen Mauren. Es war ein namenloses Werk, keine große Kunst, aber er fand es so schön, dass er es in der Küche aufhängen ließ, um es so oft wie möglich zu betrachten. So begann diese Kunstsammlung.

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"Meine Verwandten waren nicht künstlerisch veranlagt, doch wir sind immer von angenehmen Dingen umgeben gewesen", gibt er zu. Trotz seines ansteigenden Reichtums wohnt er heute immer noch in derselben Villa in Mexiko-Stadt wie vor 38 Jahren. Kaum Luxus ist dort zu sehen: Er trägt Anzüge und Krawatten, die er der mexikanischen Mittelschicht für einen bescheidenen Preis verkauft, und isst die Speisen, die in seiner Restaurantkette für sieben oder acht Euro zu haben sind. Eine Madonna von Bartolomé Esteban Murillo und ein El Greco D schmücken jeweils die Wände des Wohnund Esszimmers. In seinem Büro sind weitere Kunstwerke: van Gogh, Renoir, Diego Rivera und Auguste Rodin, vor allem Rodin.

Erschienen im Magazin Weltkunst, Ausgabe 04/11

Erschienen im Magazin Weltkunst, Ausgabe 04/11  |  © Weltkunst

Soumaya liebte den Künstler und hat ihren Mann mit ihrer Leidenschaft angesteckt. Seit den 1980er Jahren sammelt die Familie Rodins. Sie hat mit der Maske des Mannes mit einer zerbrochenen Nase angefangen, ein Stück, das 1865 vom Pariser Salon abgelehnt worden war. Es heißt Maske, weil Rodin die Porträtbüste eines Nachbarn draußen im Garten vergaß. Als er sie eines Tages abholte, war sie vom Wetter schon so beschädigt, dass der gesamte hintere Teil fehlte – nur das Gesicht, eine Art Maske, blieb übrig. Mittlerweile besitzt die Familie etwa 380 Objekte und somit auch die größte Rodin-Sammlung außerhalb Frankreichs: "Rodin ist einer der größten Bildhauer der Geschichte, der Menschheit. Es sind erstaunliche Skulpturen, sehr ausdrucksstark. Rodin ist einfach einer der Größten!", sagt Slim, der junge Mann von damals, heute.

Für die Sammlung eröffnete er 1994 ein provisorisches Museum in einer alten Papierfabrik, in der sich auch ein Einkaufszentrum befindet: das Museo Soumaya, seiner Frau gewidmet. Doch Soumaya starb fünf Jahre später im Alter von 50 Jahren an einer Nierenerkrankung. Sie hinterließ eine vielfältige Sammlung, die seitdem ihre gleichnamige Tochter fortführt. Mittlerweile umfasst die Kollektion mehr als 66 000 Kunstwerke, das heißt, durchschnittlich kauft die Familie seit 45 Jahren vier Stücke pro Tag. Der Museumsdirektor, Alfonso Miranda, schätzt den Wert der Sammlung auf eine Summe von etwa 700 Millionen Dollar.

Der junge Mann ist mittlerweile der reichste Mensch der Welt geworden. Sein Name – Carlos Slim Helú – ist schätzungsweise 73 Milliarden Dollar wert. Mexiko, ein Entwicklungsland mit etwa 50 Millionen in Armut lebenden Menschen, lässt sich mit dem Multi-Billionär schmücken. Er hat das Monopol auf das Telekommunikationssystem des Landes, besitzt die größte Handyfirma Lateinamerikas mit 250 Millionen Kunden, hält wichtige Aktien-Anteile der New York Times, von Saks Fifth Avenue und Microsoft. Darüber hinaus besitzt etwa 240 weitere Firmen jeder Art – von Bäckereien bis zu Ölplattformen. Kritiker nennen Slim einen Emporkömmling, und das Gerücht, dass Gemälde mit Sotheby’s-Etiketten bei ihm zuhause hängen, hält sich hartnäckig.

Den Besucher des Museo Soumaya überkommt das Gefühl, die Sammlung sei keinesfalls repräsentativ für einen der vermögendsten Menschen der Welt, nicht einmal für einen echten Connoisseur d’art: ein dunkler van Gogh aus der frühen Phase hier, dann viele Porträts der mexikanischen Kolonialzeit, einige Skulpturen Dalís oder Picassos, ein Miró oder ein Max Ernst dort, und so fort – eine verwunderliche Melange. Vielleicht ist die Sammlung norditalienischer Maler aus der Renaissance das Kongruenteste: Andrea del Sarto, Tintoretto, Correggio, Il Sodoma. Als Einzelstücke ragen unter den spanischen Meistern eine Auferstehung Christi von Juan de Flandes, dem Hofmaler Isabellas I. von Kastilien, heraus sowie ein "Weinender Petrus" von El Greco, ein heiliger Petrus von Jusepe de Ribera und ein heiliger Franziskus von Francisco de Zurbarán, unter den Italienern ein Porträt Tizians, eine Kreuzigung Tintorettos und eine Madonna dei Fusi aus Leonardos Atelier – vielleicht das wertvollste Werk der ganzen Sammlung – und unter den flämischen Malern ein Porträt van Dycks und eine Legende des heiligen Georgs von Martin de Vos.

Leserkommentare
  1. ist eine zwiespæaltige Person, die das Telekommunikationsmonopol in Mexiko besitzt und mit allen Mitteln verteidigt und auch Verbindungen zu den Narcokartellen nachgesagt werden. Sein soziales und gesellschaftliches Engangement haelt sich weiters ziemlich in Grenzen. Man haette hier ein wenig kritischer mit der Person umgehen koennen, als nur seinen Kunstsinn zu preisen.

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    Hallo knueppelhart,

    mein Beitrag geht um das neue Museum, nicht um Slim selbst. Und seine Kunstsammlung finde ich nicht wirklich passend zu seinem Reichtum.

    Hier habe ich Stellung Slim gegenüber genommen:

    http://enriquegdelag.blog...

    Gruss!

  2. "Er 24. Das Mädchen, dessen Eltern vor zehn Jahren aus dem Libanon nach Mexiko ausgewandert waren, hieß Soumaya. Die Familie des jungen Mannes stammte ebenfalls aus dem Libanon. Der Vater, Khalil, hatte das Heimatdorf verlassen und folgte seinen älteren Brüdern nach Mexiko, um ein neues Leben aufzubauen. Soumaya interessierte sich für Kunst, er eher fürs Geld. Als das junge Paar zwei Jahre später heiratete, besaß er bereits etwa 40 Millionen Dollar."

    Was man mit ehrlicher Arbeit doch alles errreicht. Bravo. Ein hoch auf den fleißigen Mann und was für ein Kunstverständniss er auch noch hat. ...

  3. Hallo knueppelhart,

    mein Beitrag geht um das neue Museum, nicht um Slim selbst. Und seine Kunstsammlung finde ich nicht wirklich passend zu seinem Reichtum.

    Hier habe ich Stellung Slim gegenüber genommen:

    http://enriquegdelag.blog...

    Gruss!

    Antwort auf "Carlos Slim"
  4. Falsch übersetzt? Das stimmt ja nicht.

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    Sie haben Recht: Multi-Milliardär. Mein Fehler, keine Übersetzung. Danke!

  5. Sie haben Recht: Multi-Milliardär. Mein Fehler, keine Übersetzung. Danke!

    Antwort auf "Multi-Billionär"

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