Art AmsterdamSprungbrett für Talente

Die Art Amsterdam präsentiert sich als erste Messe auch virtuell. 
 von Dorothee von Flemming

Ronald de Bloeme, "Spielwiese", 2010

Ronald de Bloeme, "Spielwiese", 2010  |  © Galerie Hamish Morrison, Berlin

Sind in einem relativ kleinen Land wie den Niederlanden zwei Kunstmessen für zeitgenössische und moderne Kunst nicht etwas viel? Erstaunlich oder nicht, die Art Rotterdam im Februar und die Art Amsterdam im Mai existieren friedlich nebeneinander und zielen trotz leicht unterschiedlichen Charakters, wie Besucherzahlen und Umsätze bestätigen, erfolgreich auf dasselbe Sammlerpublikum.

In Rotterdam steht die "emerging art“ deutlich im Vordergrund: jung, experimentell, überraschend und international ist die Tonart der knapp 70 Galerien. Auf der Art Amsterdam sieht es zwar nicht viel anders aus – die meisten der Art-Rotterdam-Aussteller sind auch hier präsent – doch gewährt die dortige Messe eine umfangreichere Perspektive über die gesamte Galerienlandschaft in den Niederlanden und möchte damit auch ein breiteres Publikum ansprechen.

Dem Anspruch der Internationalität wird das Amsterdamer Ensemble mit einem Drittel ausländischer Teilnehmer unter den 133 Galerien dabei eher gerecht. Hier wie dort betrachtet man sich als Sprungbrett für junge Talente und in Amsterdam verstärkt als Plattform für etablierte Künstler und Bewegungen.

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Im Mai wird die Art Amsterdam in ihrer 27. Ausgabe zur weltweit ersten Kunstmesse, die sich – zunächst als Pilotprojekt – auch virtuell präsentiert. Rund 70 Aussteller bieten ihre Werke online an und hoffen auf zusätzliche Klientel. Nach Anmeldung beim Betreiber dieses Dienstes, Open Art Collection, kann die Messe in der online-Preview schon einen Tag vor der offiziellen Eröffnung besucht werden und die Internetseite bleibt noch einen Monat nach Ende der Art Amsterdam aktiv.

In der beim Publikum hochgeschätzten Sonderschau No Holds Barred, die Edo Dijksterhuis bei seinem Antritt als Leiter der Messe vor drei Jahren eingeführt hat, trifft man in diesem Jahr bei einer der zwölf ausgewählten Galerien, die sich auf einer vorgegebenen Fläche von 25 Quadratmetern mit spektakulären Installationen, Skulpturen, Performances und Videos austoben dürfen, einen Tempel aus Autokarkassen an.

Erschienen im Magazin Weltkunst, Ausgabe 04/11

Erschienen im Magazin Weltkunst, Ausgabe 04/11  |  © Weltkunst

Auch die Auszeichnung für einen jungen vielversprechenden Künstler, der Lecturis Award, fehlt nicht. Ron Mandos, Galerist in den Niederlanden, hat wieder die Absolventen der Kunsthochschulen des Landes unter die Lupe genommen, um "the best of graduates“, wie er es nennt, aufzuspüren, von denen er schon einigen zum Durchbruch verholfen hat.

Er zeigt in diesem Jahr Zeichnungen des für den Lecturis Award nominierten Rik Smits. Die junge Cityscapes Gallery aus Amsterdam widmet sich der heutigen Architektur und Stadtentwicklung sowie deren Umsetzung in künstlerische Visionen. Von den über 30 aus Deutschland angereisten Kunsthändlern bringt der Münchener Andreas Binder Matthias Meyer, einen Meisterschüler Gerhard Richters, mit.

Und bei der Galerie Baer aus Dresden gibt es Stefan Lenke zu entdecken, dessen geometrisch strukturiertes, oft in grellbunten Farben gehaltenes Werk sich ebenfalls mit Architektur befasst. Jan Fabre, der zur Zeit in einer großen Ausstellung im Kröller Müller Museum gewürdigt wird, wird mit jüngeren Glasarbeiten von der aus Venedig angereisten Galerie Venice Projects vertreten. Wer vor drei Monaten die Art Rotterdam verpasst hat, kann die Entdeckungsreise in die neueste Kunst aus den Ländern Europas, aber auch Chinas und Koreas auf der Art Amsterdam nachholen.

Erschienen in der Zeitschrift Weltkunst, Ausgabe 4/2011

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    • Schlagworte Amsterdam | Architektur | Award | Galerie | Messe | Niederlande
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