Kleine Jungs wollen Feuerwehrmann werden, ein paar Jahre später steht der Playboy ganz oben auf der Liste und noch ein bisschen später werden sie vernünftig. Wahre Playboys haben es schwerer. Gunter Sachs erzählte einmal, dass damals, in den 50er Jahren, fünf seiner Playboy-Kumpane hintereinander in ihren Ferraris starben. Gunter Sachs erwartete ein anderes Schicksal, aber es war nicht weniger spektakulär. Am Samstag hat sich der ewige Playboy in seinem Anwesen in Gstaad erschossen. Am Sonntagabend bestätigte seine Familie den Selbstmord des Kunstsammlers und Fotografen. Sie veröffentlichte zudem seinen Abschiedsbrief.

Ein Chalet in Gstaad, mit Blick auf die Wiesen im Sommer und die traumhaften Schneelandschaften im Winter – ein schönerer Ort zum Leben ist schwer vorstellbar. Und es gibt wohl auch kaum einen schöneren Ort zum Sterben.

Schönheit kann furchtbar sein. Wer zwischen den schönsten Meisterwerken der Kunst lebt, in der schönsten Landschaft, im schönsten Haus, mit der schönsten Frau, wer alles hat, den kann irgendwann ein Gefühl der Sättigung beschleichen. Der hat irgendwann ein wichtiges Gefühl verloren, das den Menschen antreibt, Hunger, Gier, den Wunsch, etwas zu bekommen, was außer Reichweite liegt.

Gunter Sachs hat alles gehabt. Eine große Kunstsammlung, die schönsten Frauen der Welt, Abenteuer und alles, was mit Geld zu kaufen ist.

Und er hatte die Aufmerksamkeit der Welt. Wie kein anderer verkörperte er den Typus des Playboys, des Individualisten, des bunten Vogels, der sich in der Spießigkeit der 50er Jahre von allem absetzte. In einer Atmosphäre des Wiederaufbaus, des Fleißes, der Sparsamkeit und der Wohlanständigkeit verkörperte er mit seiner provozierenden Hemmungslosigkeit den Geist der Freiheit und der finanziellen Unabhängigkeit, nach der sich so viele sehnten. Das alles überstrahlte einen dunklen Fleck in seiner Familiengeschichte.

Wo immer er seine ausschweifenden Partys veranstaltete, traf sich fortan der Jetset. Aus dem beschaulichen Fischerdorf St. Tropez wurde ein mondäner Ort, mit St. Moritz passierte das Gleiche. Wo er mit glamourösen Frauen, vor allem Brigitte Bardot, seiner zweiten Frau, auftrat, verlieh er dem Ort Glanz. Es war ein Leben, von Champagner umspült.