Urteil in Köln Kunstfälscher müssen ins Gefängnis

Das Landgericht Köln hat vier Fälscher bekannter Maler zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Vorangegangen war eine Absprache.

Im Kölner Kunstfälscherprozess hat das Landgericht gegen die vier Angeklagten Haftstrafen bis zu sechs Jahren verhängt. Die zwei Männer und zwei Frauen hatten in einem der größten Verfahren dieser Art seit Jahren gestanden, vermeintliche Meisterwerke bekannter Maler wie Max Pechstein und Max Ernst in den Kunsthandel geschleust und so Millionenbeträge ergaunert zu haben.

Knapp zwei Monate nach Prozessbeginn verurteilten die Richter den 60-jährigen Kunstfälscher Wolfgang B. zu sechs und seine 53-jährige Ehefrau Helene B. zu vier Jahren Haft. Der ebenfalls wegen Betrugs angeklagte 68-jährige Otto S. erhielt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren, die 54-jährige Schwester von Helene B., Jeanette S., wurde zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

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Die vergleichsweise milden Strafen sind das Ergebnis einer Absprache zwischen den Prozessbeteiligten. Das Gericht hatte den Angeklagten Höchststrafen deutlich unter der gesetzlichen Obergrenze von zehn Jahren in Aussicht gestellt, falls sie umfassende Geständnisse ablegen.

Das Quartett räumte daraufhin vor Gericht ein, vorgebliche Meisterwerke von Malern der klassischen Moderne in den Handel geschleust und beim Verkauf der Fälschungen viel Geld kassiert zu haben.

Bei den betrügerischen Geschäften gaben die Angeklagten unter anderem vor, die Bilder stammten aus einer in Wahrheit nicht existierenden "Sammlung Werner Jägers" beziehungsweise einer ebenfalls fingierten "Sammlung Wilhelm Knops". Die Fälschungen waren jahrelang nicht aufgefallen und über renommierte Auktionshäuser und Galerien verkauft worden.

Mit dem Urteil in dem spektakulären Kölner Verfahren war ursprünglich erst im März 2012 gerechnet worden. Durch die ausführlichen Geständnisse der Angeklagten hatte sich der Anfang September begonnene Prozess aber deutlich verkürzt: Nach den umfassenden Aussagen der Beschuldigten verzichtete das Gericht auf die ursprünglich geplante Vernehmung von mehr als 160 Zeugen und zehn Gutachtern.

 
Leser-Kommentare
  1. Betrug ist natürlich Betrug. Nichtsdestotrotz scheint Beltracchi selbst ein Künstler, zumindest aber ein Könner, zu sein, dessen Werk Beachtung verdient.

  2. Das interessiert 99,99% der Bevölkerung recht wenig, da diese keine Kunst zu Hause haben, welche es zu fälschen lohnt. So stellt sich die Frage, warum wird dieses Szenario so ausgeschlachtet?

    Richtig! Um zu symbolisieren, daß in diesem Staat noch Recht und Ordnung herrscht!

    Ich frage mich natürlich eines, beschäftigt mich der Kunstdieb/fälscher, welcher Leuten die nicht mehr wissen wohin mit ihrem Geld, Fälschungen verkauft, oder beschäftigen mich die 300 Hansel im Bundestag, welche die Deutschen bald um eine halbe Billon erleichtern werden?

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    Naja, in den Medien der Oberschicht werden natürlich die Sorgen der Oberschicht überproportional wiedergegeben. In diesem Fall wurde ein riesiger Wirtschaftszweig von "Kunstkennern" mitsamt ihren Kunden der Lächerlichkeit preisgegeben. Das muss natürlich bestraft werden in diesem Land und entsprechend publik gemacht werden.

    ebenfalls eindeutig mehr, was die Parlamentarier angerichtet haben werden. Sie sind ja nur pro forma eingesetzt worden, damit unsere Demokratie erhalten bleibt. Mal sehen, wie es dann weitergehen wird. Ich ahne, es wird auf der Straße fortgesetzt werden. Hoffentlich werden dann die Schuldigen an den Pranger gestellt werden, damit diese nicht beim etwaigen Neuanfang wieder vorn dabei sein können.

    Naja, in den Medien der Oberschicht werden natürlich die Sorgen der Oberschicht überproportional wiedergegeben. In diesem Fall wurde ein riesiger Wirtschaftszweig von "Kunstkennern" mitsamt ihren Kunden der Lächerlichkeit preisgegeben. Das muss natürlich bestraft werden in diesem Land und entsprechend publik gemacht werden.

    ebenfalls eindeutig mehr, was die Parlamentarier angerichtet haben werden. Sie sind ja nur pro forma eingesetzt worden, damit unsere Demokratie erhalten bleibt. Mal sehen, wie es dann weitergehen wird. Ich ahne, es wird auf der Straße fortgesetzt werden. Hoffentlich werden dann die Schuldigen an den Pranger gestellt werden, damit diese nicht beim etwaigen Neuanfang wieder vorn dabei sein können.

  3. Sehr geehrte Zeit-Redaktion,

    mir bleibt der Sinn verborgen, warum im Fließtext "Wolfgang B." aufgeführt wird, bzw. welche Schutzfunktion es für Herrn Wolfgang Beltracchi haben soll, wenn zum gleichen Artikel ein Bild von ihm mit Klarnamen angehängt ist und ein Link zu "Ins Museum mit den Fälschungen", wieder mit dem vollständigen Namen.

    Sind diese Namenkürzungen überhaupt noch zielführend, wenn man den Klarnamen bei aktuellen Geschehen sowieso mühelos herausfinden kann?

    P.S.: Bei der Suche, ob der Klarnamen leicht zu finden ist, tauchte die gleiche Inkonsequenz auch z.B. beim Hamburger Abendblatt auf, nur bei Zeit habe ich höhere Ansprüche an die Selbstreflexion.^^

  4. Ich hoffe, während der vereinbarten Gefängniszeit werden prächtige neue Kunstwerke entstehen!

  5. Freispruch wäre die rechte Lehre aus diesem Theaterstück um Geltungsdrang, Geschäftemacherei, Dummheit und Ahnungslosigkeit gewesen. Hätte das Gericht weise gehandelt, hätte es alle Beteiligten aufgefordert, nach Hause zu gehen und sich nicht wieder blicken zu lassen.

    Den einzigen Vorwurf, dem sich der Künstler auszusetzen hat, ist die Tatsache, dass er den Stil, die Methode kopiert und somit das Urheberrecht des kopierten Künstlers verletzt hat. Dies wäre aber eine Auseinandersetzung zwischen Künstler und Fälscher. Der Fälscher müsste sich gegenüber dem Urheber der Idee erklären. Da im besagten Falle die Urheber bereits lange tot sind, können diese aber schlecht die Verletzung ihrer Interessen vor Gericht beklagen.

    Zudem waren doch alle froh, solange die Kunstwerke als „echte Assets“ durch die Hände von Galeristen, Gutachtern, Auktionatoren, wollenden Besitzern, Museen usw. lief. Werden die jetzt alle auch bestraft?
    Dieser Fall ist ein Beispiel dafür, wie viele Scharlatane sich um die echten oder unechten Hinterlassenschaften berühmter Personen aus der Kunst und Kunstgeschichte tummeln. Nie wieder dürfte einer der beteiligten Gutachter bzw. beteiligten Auktionshäuser und Galerien im Geschäft tätig werden.

    Wäre mein Vater ein Krimineller gewesen, so wünschte ich, er wäre ein Kunstfälscher. Ehre wem Ehre gebührt.

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    Großartiger Kommentar!
    Irgendwie ist es putzig, dass diese wahren Künstler hinter Gitter müssen, während die Bankster, die ja nichts anderes tun als echtes Geld durch Luftgeld zu fälschen und zu ersetzen, mit Milliarden (wiederum von echtem Geld) gestützt werden.

    Großartiger Kommentar!
    Irgendwie ist es putzig, dass diese wahren Künstler hinter Gitter müssen, während die Bankster, die ja nichts anderes tun als echtes Geld durch Luftgeld zu fälschen und zu ersetzen, mit Milliarden (wiederum von echtem Geld) gestützt werden.

  6. Naja, in den Medien der Oberschicht werden natürlich die Sorgen der Oberschicht überproportional wiedergegeben. In diesem Fall wurde ein riesiger Wirtschaftszweig von "Kunstkennern" mitsamt ihren Kunden der Lächerlichkeit preisgegeben. Das muss natürlich bestraft werden in diesem Land und entsprechend publik gemacht werden.

    Antwort auf "Langweilig!"
    • don d
    • 27.10.2011 um 13:30 Uhr

    Hinter dieser den Kunstmarkt entlarvenden Kunst-Aktion kann ja nur Banksy stecken. Ich vermute Herr B-Punkt ist wie auch Mr. Brainwash ein Strohmann von Banksy.

  7. Ob das strafmaß jetzt gerecht ist oder nicht, mag ich nicht zu beurteilen. Bezeichnend für die Prozessentwicklung ist aber der letzte Satz: "Nach den umfassenden Aussagen der Beschuldigten verzichtete das Gericht auf die ursprünglich geplante Vernehmung von mehr als 160 Zeugen und zehn Gutachtern."
    Aber gerade diese Experten und Verantwortlichen von Galerien und Auktionshäusern trifft ja eine mitschuld. Wären diese mit ihrer Verantwortung und Arbeit sorgfältiger umgegangen, wären die Werke erst garnicht im Markt aufgetaucht. Was passiert eigentlich mit den restlichen verdächtigen 40 Werken, von denen hier die Rede ist: http://www.artinfo24.com/...

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