Pinakothek der Moderne: Raubkunst-Streit um Picasso-Gemälde
Eine Erbengemeinschaft verlangt von der Münchner Pinakothek die Rückgabe des Picasso-Bildes "Madame Soler". Das Museum bestreitet, dass es sich um Raubkunst handelt.
Um ein Gemälde Pablo Picassos aus dem Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ist ein neuer Raubkunst-Streit entbrannt. Nach Ansicht der Erben des jüdischen Berliner Kunstsammlers Paul von Mendelssohn-Bartholdy handelt es sich bei dem Gemälde Madame Soler, das heute in der Pinakothek der Moderne hängt,um Nazi-Raubkunst. Sie fordern von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen die Rückgabe des Bildes. "Es handelt sich dabei ganz klar und eindeutig um einen verfolgungsbedingten Verkauf", sagte der Sprecher der Erbengemeinschaft, der Historiker Julius Schoeps. "Der moralische Aspekt muss geklärt werden", sagte er.
Die Sammlungen hatten das Gemälde in den sechziger Jahren von dem jüdischen Kunsthändler Justin K. Thannhauser gekauft. Thannhauser hatte das Gemälde im Jahr 1935 von Mendelssohn-Bartholdy erstanden.
Die Pinakotheken wiesen die von den Erben erhobenen Vorwürfe zurück. "Aufgrund der uns vorliegenden Dokumente und auf Grundlage der Recherche lehnten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen 2010 die Restitutionsforderung der Erben nach Mendelssohn-Bartholdy ab, da sie der Ansicht sind, dass es sich nicht um einen verfolgungsbedingten Verkauf handelt", heißt es in einer Mitteilung von Generaldirektor Klaus Schrenk. "Dann stimmen ihre Dokumente nicht – wir haben andere", sagte dagegen Schoeps.
Pinakothek zweifelt an wirtschaftlichem Druck auf Mendelssohn-Bartholdy
Nach Informationen von Spiegel Online geht die Provenienzforscherin der Pinakothek, Andrea Bambi, davon aus, dass der Verkauf zwischen Mendelssohn-Bartholdy und Thannhauser korrekt abgewickelt wurde. Die Kunsthistorikerin zweifelt demnach auch an, dass Mendelssohn-Bartholdy tatsächlich unter nennenswertem wirtschaftlichem Druck gestanden habe.
Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung der Washingtoner Erklärung von 1998 verpflichtet, Nazi-Raubkunst zu identifizieren, die rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen und die Werke entweder zurückzugeben oder eine faire Lösung zu finden. Auf diese Erklärung beruft sich Schoeps, der für die Klärung die sogenannte Limbach-Kommission zur Schlichtung von Raubkunst-Streitigkeiten anrufen will.
Die Forderungen der Erbengemeinschaft Mendelssohn-Bartholdy beziehen sich auf insgesamt 16 Werke, die heute über die ganze Welt verteilt seien. Mit dem Museum of Modern Art und dem Guggenheim-Museum in New York hat sie bereits Vergleiche geschlossen.









Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren