Dieses Mächen trägt die Tracht einer Brautjungfer bei der sorbischen Vogelhochzeit in der Lausitz. © Iwajla Klinke

Es ist ein alter sorbischer Brauch, den man in einigen Dörfern der Lausitz noch beobachten kann. Ein Mädchen, das kurz vor der Einschulung steht, wird für den Umzug der Vogelhochzeit zurecht gemacht. Zwei ältere Frauen in einem Klassenzimmer sind damit beschäftigt, einer Fünfjährigen die Haare zu flechten. Sie ziehen ihr ein Kleid an, schmücken sie. Nach ein bis zwei Stunden wird aus der Fünfjährigen eine kindliche Königin des 18. Jahrhunderts. Momente dieser Art sind es, die die Berliner Fotografin Iwajla Klinke faszinieren: die Gegenwart Jahrhunderte alter Rituale im heutigen Alltag.

Klinke sitzt auf einem breiten Sofa in einem Café in Berlin Kreuzberg. Die 34-Jährige beugt sich über ein Laptop, das vor ihr auf dem Tisch steht: Fotos von Mädchen in Trachten, deren Häupter aufwändig gearbeitete Kronen schmücken, Jungs in Fechtanzügen und American-Football-Ausrüstung. Diese Arbeiten sind Teil ihrer ersten großen Einzelausstellung Kronen und Gladiolen , die ab 5. November in der Berliner Suvi Lehtinen Galerie zu sehen ist.

Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild. © Iwajla Klinke

"Die ursprüngliche Idee war, etwas über Rituale und Kinder zu machen", sagt sie. Auf der Suche nach alten Bräuchen hat sich Klinke in die kleinen Dörfer der Lausitz, in den Schwarzwald, nach Norddeutschland und nach Rumänien begeben. Sie hat die sorbische Weihnachtstradition der Bescherkinder und die Vogelhochzeit fotografiert, die Kirchweih im rumänischen Banat und eine Blütenkönigin im Alten Land bei Hamburg.

Die Vorbereitung auf diese Reisen sind für sie ein kleines Ritual. Die Vorfreude, das frühe Aufstehen am Morgen, die Fahrt mit dem Zug helfen ihr, sich auf die Orte, die Festlichkeiten, die Menschen und den Augenblick des Fotografierens einzulassen. "Ich muss da richtig ankommen", sagt Klinke, "ich gehe vor Ort spazieren, gehe essen, mache nach den Aufnahmen oft so etwas wie eine kleine Feier für mich allein".

Ihre Ausrüstung ist schlicht. Eine digitale Spiegelreflexkamera und ein dunkles Tuch für den Hintergrund. Als Studio dienen ihr eine Turnhalle, ein Umkleideraum oder das Foyer des Rathauses. Sie arbeitet nur mit Tageslicht. Ihre Bilder retuschiert sie nicht.