Die Ehefrau des chinesischen Künstlers und Regierungskritikers Ai Weiwei darf nach einem Polizeiverhör das Land nicht verlassen. Sie stehe unter Tatverdacht, sei ihr auf der Wache mitgeteilt worden, sagte der Künstler. Um welches Verbrechen es sich handele, hätten die Polizisten ihr allerdings nicht verraten. Ais Ehefrau Lu Qing ist die offizielle Inhaberin der Firma Fake Cultural Development, die Ai Weiwei gegründet hat, und der die Behörden Steuerbetrug vorgeworfen haben.

Seine Frau habe sich in einen dieser Stühle setzen müssen, mit denen gewalttätige Verdächtige gebändigt werden könnten. "Das war erniedrigend", sagte Ai Weiwei. Der Künstler vermutet, dass das Verhör mit einer geplanten Reise Lu Qings nach Taiwan zusammenhängt. Dort hat eine Ausstellung von Ai Weiweis Werken im "Taipei Fine Arts Museum" begonnen, die am Freitag vergangener Woche auch der taiwanische Präsident Ma Ying Jeou besucht hatte.

In den vergangenen Wochen sind mehrere Ai Weiwei nahestehende Menschen unter verschiedenen Vorwürfen von der chinesischen Polizei verhört worden. Einem Assistenten wurde das Verbreiten von Pornografie vorgeworfen, nachdem die Behörden ein harmloses Nacktfoto im Internet gefunden hatten, auf dem Ai Weiwei und mehrere Frauen zu sehen waren. Ein weiterer Assistent war vor wenigen Tagen ebenfalls einbestellt worden.

Ai Weiwei ist einer der bekanntesten Kritiker der Führung in Peking. Der Konflikt mit der Staatsmacht begann, als der Künstler nach dem Erdbeben in der Provinz Sichuan im Jahr 2008 eine unabhängige Untersuchung der Gründe für den Einsturz zahlreicher Schulen gefordert hatte.