Martin Kippenberger : Putzfrau bereinigt Museum um Kunstwerk

Der Kalkfleck gehörte zu Martin Kippenbergers Installation im Dortmunder Museum. Eine Reinigungskraft hat ihn entfernt, der Schaden ist irreparabel.
Das Dortmunder U ist um eine Attraktion ärmer. © Mark Ansorg, Dortmund

In einem Dortmunder Museum hat eine Putzfrau Teile eines Kunstwerks weggeschrubbt. Eine Museumsrestauratorin hält das Werk Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen für nicht wiederherstellbar – die Sache ist nun ein Fall für die Versicherung.

Die Arbeit des Künstlers Martin Kippenberger (1953-1997), eine Dauerleihgabe für das Museum Ostwall im Dortmunder U, besteht aus einem menschenhohen Holzplattenturm. Unten in der Mitte befindet sich ein Gummitrog mit einem weißlichen Kalkfleck – oder besser: befand sich. Denn eben diesen Fleck hat die Putzfrau an allen vier Seiten weggeputzt.

"Das war vom Künstler nicht so intendiert", sagt die Stadtsprecherin Dagmar Papajewski. Eigentlich hätten die Putzkräfte genaue Anweisung, die Werke zu schonen. "Selbstverständlich werden sie eingewiesen", sagte Papajewski. "Das ist genauso wie zu Hause, da sagt man auch: 'Alles schön machen, aber Schreibtisch nicht anfassen.'" Im Museum seien solche Vorgaben natürlich noch strikter.

Im Jahr 1986 hatte übereifriges Reinigungspersonal in der Düsseldorfer Kunstakademie die berühmte Fettecke von Joseph Beuys (1921-1986) weggekratzt. Dafür zahlte das Land Nordrhein-Westfalen später 40.000 Mark Schadensersatz.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

189 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

Das war doch kein Reinigungsakt...

...sondern eindeutig Aktionskunst. Ich erkenne hier die sublime Anspielung darauf, dass nicht nur der Künstler, sondern auch sein Werk vergänglich sind.

Und wie hier unser ganzes System in Frage gestellt wird. Dass man den Wert einer Sache zerstört, indem man einen Makel entfernt, setzt einen so erfrischenden Kontrapunkt zu unserer Wertschöpfungsgesellschaft.

Brilliant! Bravo!

"Kunstwerke in diesem Museum werden nicht geschrubbt"

als Arbeitsanweisung dürfte sinnlos sein, solange künstlerischer Schmutz nicht durch eine entsprechende Kennzeichnung von trivialem Schmutz unterscheidbar gemacht wird. Andernfalls blieben verdreckte Lichtschalter oder Fußböden demnächst ungereinigt, weil sich keine Reinigungskraft mehr traut, ein potenzielles Kunstwerk zu zerstören.

Und in Darmstadt...

... macht man sich, wenn meine Erinnerung nicht täuscht, ernsthaft Gedanken darüber, wie man einen Haufen Beuysscher Eierschalen während der Renovierung des Museums so bewegen kann, dass die Schalen nicht verrutschen.

Denn wenn nur eine von den Eierschalen verrutscht, ist das ganze Kunstwerk im Eimer.

Wenn man solche Geschichten erfinden würde, tät's einem keiner glauben.

Diesem Bild in der Süddeutschen nach zu urteilen,

hat sie allerdings richtig eine Wanne geputzt, also nicht nur einen Fleck auf dem Boden entfernt. Da hat eindeutig die Reinigungsfirma versagt., denn dass in einem Museum mit zeitgenössischer Kunst besondere Vorsicht walten muss, ist doch klar.
Warum das aber nicht restauriert werden kann, bleibt mir schleierhaft.
http://www.sueddeutsche.d...

...und dit olle Ding?

Ich glaube, es waren Flecken in einem Trog, der unter einer Holzkostruktion steht. Ein Trog ist ein Trog. Wenn er aussieht, als gehörte er in den Putzschrank, dann stimme ich Ihnen zu. Ansonsten müßte man als Einstellungstest das berühmte Spiel durchführen: *Lichtschalter - Treppengeländer - Türklinke - alter Trog* Welcher Begriff gehört nicht in die Reihe?