Urteil zum UrheberrechtBeuys-Witwe verhindert Foto-Ausstellung

Eine Aktion von Joseph Beuys vor knapp 50 Jahren hat für einen Urheberrechtsstreit vor Gericht gesorgt. Das jetzige Urteil kann weitreichende Folgen für Fotografen haben. von dpa

Die Witwe von Joseph Beuys kann das Ausstellen von Fotos einer Kunstaktion ihres Mannes auch weiterhin verbieten. Das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte in zweiter Instanz eine entsprechende frühere Entscheidung.

Der Künstler Joseph Beuys (1921-1986) hatte 1964 live im Fernsehen aus Margarine-Riegeln eine Fettecke hergestellt, mit Schokolade ein Transparent gemalt und einen Spazierstock mit Fett verlängert. Der 2008 gestorbene Fotograf Manfred Tischer hatte die Aktion dokumentiert.

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Mit dem Urteil über die Nutzung dieser Fotos unterlag das Beuys-Museum Schloss Moyland Eva Beuys. Die Richter entschieden, dass die Fotos der Aktion nur eine Bearbeitung von Beuys' Kunstwerk darstellen. Somit darf nicht der Fotograf oder der Besitzer der Fotos über eine Ausstellung entscheiden, sondern nur der Künstler, dessen Aktion abgelichtet wurde, oder seine Erben.

Das Urteil könnte grundsätzliche Folgen für Fotografen haben, denn es schränkt ihre Rechte zur Ablichtung von Kunstwerken ein. Das könnte auch für die Dokumentation von Theater- oder Musikaufführungen gelten. Sollte gegen das Urteil Berufung eingelegt werden, müsste letztinstanzlich der Bundesgerichtshof entscheiden.

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Leserkommentare
  1. Ist doch "selbstverständlich"! Kunstwerke sind geschütztes geistiges Eigentum, wie Poesie, Bücher, Musik etc. In welcher Form eine "Kopie" davon gemacht wird, ist irrelevant. Auch eine Videokamerakopie im Kino oder ein Live-Aufnahme eines Musikkonzertes wird illegal, wenn sie ohne Erlaubnis des Künstlers veröffentlicht wird! Dies schränkt die Rechte des Fotografen nicht ein. Dieser ist gewohnt, dass es Persönlichkeitsrechte gibt. Früher hatte die Dokumentation einer Performance per Fotografie oder Video nur einen "praktischen Sinn" - und galt nicht als eigenständige "Kunstträger". Heute hat sich dies teilweise in der Praxis umgedreht, dass die mediale Aufzeichnung als Kunst verkauft wird. Die Rechte gehören jedoch in jedem Fall dem Künstler und nicht dem Fotografen.

    Eine Leserempfehlung
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    das ist das problem. nur weil einstein die relative relativität verformelt hat, darf nicht nur er damit rechnen.
    alles 'künstlerische' gehört allen, in dem moment wo es eingang in die öffentlichkeit findet. auch godard argumentiert bezüglich seiner filme so. künstler sollen kein geld verdienen.

  2. Wenn man also alles, was man in der Öffentlichkeit tut, zur Aktionskunst erklärt, kann man alle Publikationsrechte einklagen.

    Ein Beispiel wäre eine Brückeneinweihungsfeier: Wenn nur ein Besucher erklärt, seine Teilnahme sei Kunst, dann können keine Photos des Geschehens in der Zeitung abgebildet werden, es sei denn, es werden Gebühren bezahlt.

    Jedes Postkartenphoto kann verboten werden, wenn der Architekt erklärt, ein abgebildetes Haus sei ein Kunstwerk mit beweglichen Teilen, somit durch Öffnen und Schließen von Fentern und Türen als Aktionskunst einzustufen und somit in Form einer starren Momentaufnahme eine bearbeitung des Kunstwerks.

    Irrsinn!

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    Es gibt auch weitere Gesetze, die das Fotografieren bei öffentlichen Veranstaltungen und in der Öffentlichkeit an sich regeln. Dazu zählt die Frage, ob eine Person aus einer Gruppe besonders heraus sticht und wie viele Menschen abgebildet sind, das Recht am eigenen Bild. Auch die Panoramafreiheit gehört dazu, die beispielsweise anders geregelt ist als in Österreich. Und nur weil jemand etwas zu Kunst erklärt, ist es rechtlich gesehen derzeit nicht unbedingt Kunst. Bei der Definition zum Thema "Was ist Kunst?" -siehe Buchtitel bzgl. Werkstattgespräch mit Beuys- kann es jedoch noch Verschiebungen geben.
    Ansonsten frage ich mich, was das Wegweisende von durchgreifender Bedeutung an dem Urteil sein soll. Das war doch schon alles schon lange so angelegt und eher selbstverständlich, also nach hiesigem Recht, wenngleich da auch ganz andere Überlegungen greifen könnten. spacydeebee hat es mit dem ersten Kommentar eigentlich schon geschrieben.
    @daibutsu
    Warhol Bilder sind tatsächlich eher problematisch und haben mit der Grauzone zu tun, in der sich einige bewegen. Dazu gibt es im Internet auch einiges zu finden.
    Schauen Sie doch bspw. dort: http://www.mediacultureon...

  3. ... strikter Immaterialgüterrechte.

    Im Kern geht es doch nur darum, dass sich - angeblich - jemand (hier das Museum) indirekt über mehrere Instanzen hinweg an einem Werk "bereichert". Nach diesen Kriterien müsste z.B. ein Großteil des Warhol'schen Werks eingezogen werden - es sind eindeutig nur "Berarbeitungen" der Werke der Entwerfer der verwendeten Logos, Verpackungen etc. Genau genommen müssten nach diesen Kriterien der Großteil aller Werke der Kunst, Musik und Literatur verschwinden. Eigentlich müßten auch Druckereien, Buchhandlungen, Speditionen etc. zahlen - sie verdienen ja indirekt ebenfalls an allen möglichen immaterialgüterrechtsbehafteten Werken.

    Und wie immer sind die, die am lautesten schreien, diejenigen, welche an den Werken der Künstler ganz ohne eigene Kreativität schmarotzen - Erben und Vermarkter. Eine Farce.

    • aichbus
    • 31. Dezember 2011 18:43 Uhr

    Nicht greifbar. Für mich sind Beuys' Fettschmierereien nichts weiter als das. Ich halte auch nicht viel von Religionen. Das ist alles nicht fassbar. Dennoch bin ich natürlich dafür Künstlern ihre Kunst zu lassen und Gläubigen ihren Glauben. Aber daraus Rechte abzuleiten, die die Freiheit anderer einschränken, finde ich unangemessen. Dass diese Rechte auch noch vererbt werden können, ist erbärmlich.

    Bitte achten Sie auf eine sachlichere Wortwahl. Danke. Die Redaktion/sc

  4. Dank der doch bisweilen absurden Fehden zwischen Eva Beuys
    und anderen, bleibt das doch auf jeden Fall überaus bemerkenswerte Schaffen

    von Herrn Joseph Beuys,

    nicht nur in der Presse aktuell...

    Frau Beuys bleiben sie streitbar!
    Es ist der Kunst auf jeden Fall zuträglich.

    Wetering

    Wetering

  5. Es gibt auch weitere Gesetze, die das Fotografieren bei öffentlichen Veranstaltungen und in der Öffentlichkeit an sich regeln. Dazu zählt die Frage, ob eine Person aus einer Gruppe besonders heraus sticht und wie viele Menschen abgebildet sind, das Recht am eigenen Bild. Auch die Panoramafreiheit gehört dazu, die beispielsweise anders geregelt ist als in Österreich. Und nur weil jemand etwas zu Kunst erklärt, ist es rechtlich gesehen derzeit nicht unbedingt Kunst. Bei der Definition zum Thema "Was ist Kunst?" -siehe Buchtitel bzgl. Werkstattgespräch mit Beuys- kann es jedoch noch Verschiebungen geben.
    Ansonsten frage ich mich, was das Wegweisende von durchgreifender Bedeutung an dem Urteil sein soll. Das war doch schon alles schon lange so angelegt und eher selbstverständlich, also nach hiesigem Recht, wenngleich da auch ganz andere Überlegungen greifen könnten. spacydeebee hat es mit dem ersten Kommentar eigentlich schon geschrieben.
    @daibutsu
    Warhol Bilder sind tatsächlich eher problematisch und haben mit der Grauzone zu tun, in der sich einige bewegen. Dazu gibt es im Internet auch einiges zu finden.
    Schauen Sie doch bspw. dort: http://www.mediacultureon...

    Antwort auf "Sehr interessant:"
  6. das ist das problem. nur weil einstein die relative relativität verformelt hat, darf nicht nur er damit rechnen.
    alles 'künstlerische' gehört allen, in dem moment wo es eingang in die öffentlichkeit findet. auch godard argumentiert bezüglich seiner filme so. künstler sollen kein geld verdienen.

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    argumentierte Godard im letzten hier veröffentlichten Interview nicht, dass Künstler kein Geld verdienen sollten, es sei denn, Geld sei in ausreichendem Maße zur Verfügung, wobei die Interpretation schwer fällt, wenn Logik kein Kriterium sein muss. Er könne auf Einkünfte aus Urheberrechtsansprüchen verzichten. Dass Künstler nicht auch für ein Werk bezahlt werden könnten, sagte er nicht, wohl sprach er sich dagegen aus, dass Erben bestimmen könnten, wer ein Kunstwerk ausstellen dürfe.
    Mathematik ist aber nicht Kunst. Entsprechend gehen die Argumente zugunsten derzeitiger Regelungen auch in die Richtung, dass beispielsweise Grundfunktionen wie die des Taschenrechners nicht urheberrechtlich geschützt werden können.
    Wenn sich aber bspw. ein Komponist ein populäres Liedchen ausdenkt und dies ständig aufgeführt werden kann und nur diejenigen daran verdienen, die die "schönsten" Beine haben oder eben juristisch fit sind, macht das letztlich auch nicht viel Sinn, zumindest im Sinne der Motivation überhaupt zu komponieren.
    Sollte das geändert werden sollen, hätte das prinzipielle Auswirkungen, die von der Logik ebenso das Patent- und Markenrecht betreffen würden und letztlich die Rechtslogik weitreichend über den Haufen werfen würde, wodurch auch der Wert von Arbeit neu definiert werden könnte.
    Dementsprechend wären die heutigen Differenzen mit China bezüglich dieser Themen recht schnell beigelegt, aber nicht in dem Sinne des derzeit hier laufenden Systems.

  7. argumentierte Godard im letzten hier veröffentlichten Interview nicht, dass Künstler kein Geld verdienen sollten, es sei denn, Geld sei in ausreichendem Maße zur Verfügung, wobei die Interpretation schwer fällt, wenn Logik kein Kriterium sein muss. Er könne auf Einkünfte aus Urheberrechtsansprüchen verzichten. Dass Künstler nicht auch für ein Werk bezahlt werden könnten, sagte er nicht, wohl sprach er sich dagegen aus, dass Erben bestimmen könnten, wer ein Kunstwerk ausstellen dürfe.
    Mathematik ist aber nicht Kunst. Entsprechend gehen die Argumente zugunsten derzeitiger Regelungen auch in die Richtung, dass beispielsweise Grundfunktionen wie die des Taschenrechners nicht urheberrechtlich geschützt werden können.
    Wenn sich aber bspw. ein Komponist ein populäres Liedchen ausdenkt und dies ständig aufgeführt werden kann und nur diejenigen daran verdienen, die die "schönsten" Beine haben oder eben juristisch fit sind, macht das letztlich auch nicht viel Sinn, zumindest im Sinne der Motivation überhaupt zu komponieren.
    Sollte das geändert werden sollen, hätte das prinzipielle Auswirkungen, die von der Logik ebenso das Patent- und Markenrecht betreffen würden und letztlich die Rechtslogik weitreichend über den Haufen werfen würde, wodurch auch der Wert von Arbeit neu definiert werden könnte.
    Dementsprechend wären die heutigen Differenzen mit China bezüglich dieser Themen recht schnell beigelegt, aber nicht in dem Sinne des derzeit hier laufenden Systems.

    Antwort auf "so ein kaese..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Joseph Beuys | Urheberrecht | Ausstellung | Bundesgerichtshof | Dokumentation | Erbe
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