Ausstellungen 2012Opulente Schauen und große Namen

Die Documenta bekommt Konkurrenz. Ein Überblick über die geplanten Kunstausstellungen von Raffael bis Gerhard Richter für das Jahr 2012. von Nicola Kuhn

Carolyn Christov-Bakargiev, künstlerische Leiterin der documenta (13)

Carolyn Christov-Bakargiev, künstlerische Leiterin der documenta (13)  |  © Uwe Zucchi dpa/lhe

Auch 2012 wird ein großes Jahr der Kunst, wenn auch mit weniger Trommelwirbel als in der Vergangenheit. Ob diese Bescheidenheit Zeichen neuer Nüchternheit ist oder eher mit reduzierten Ausstellungsetats zusammenhängt, wird sich erweisen.

Obwohl 2012 nach einem halben Dezennium Pause wieder ein Documenta-Jahr ist, hat man bislang wenig von dieser wichtigsten Ausstellung der internationalen zeitgenössischen Kunst gehört. Eine Buchreihe, eine Internetseite wurden gestartet und ein, zwei Werke im Stadtraum Kassel bereits der Öffentlichkeit übergeben. Das war’s. Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev lässt sich nicht in die Karten schauen und macht es damit spannend für den Start der 100-Tage-Ausstellung am 9. Juni.

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Flankiert wird die Documenta von der Berlin-Biennale (ab 27. 4.), der Manifesta im belgischen Genk (ab 2. 6.), einer durch Europa wandernden Ausstellung, die ebenfalls im Zwei-Jahres-Turnus stattfindet, und Made in Germany Zwei in Hannover (ab 17. 5), wo parallel zum internationalen Schaulauf in Kassel eine Bilanz der deutschen Kunst gezogen wird. Christov-Bakargiev muss also aufpassen, dass ihr andere Events nicht die Schau stehlen. Da könnten opulente Ausstellungen wie die Inszenierung des 500. Geburtstages der Sixtinischen Madonna in Dresden mit Werken von Raffael und seinen Zeitgenossen (ab 26. 5.) oder die Wiener Jubiläumsausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von Gustav Klimt (ab 15. 6.) eine ernsthafte Konkurrenz in der öffentlichen Wahrnehmung darstellen.(ab 15. 6.) eine ernsthafte Konkurrenz in der öffentlichen Wahrnehmung darstellen.

Auch in Berlin wird ein Künstlergeburtstag zelebriert, der 80. von Gerhard Richter – in der Neuen Nationalgalerie (ab 12. 2.). Die Retrospektive war zuvor in der Londoner Tate Modern zu sehen. Ähnlich verhält es sich mit der Munch-Ausstellung in der Frankfurter Schirn (ab 9. 2.): Die Übernahme vom Pariser Centre Pompidou in Paris hilft, die Kosten der durch Versicherung und Transport immer teureren Ausstellungen zu senken. Auf große Namen bauen auch die Hamburger Kunsthalle mit Neo Rauch (ab 17. 2.) und die Bonner Bundeskunsthalle mit Anselm Kiefer (ab 10. 6.). Die Pinakothek der Moderne toppt das noch mit dem Triumvirat Picasso, Beckmann, Willem de Kooning und deren Frauenbild (ab 30. 3.). Das sollte ziehen.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Man habe bislang wenig von der dOCUMENTA (13) gehört, so N. KUHN. Richtig: d13-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev (CCB) lässt sich nicht in die Karten schauen. Zum FINALE ihrer Akademientour kam CCB zurück nach Kassel. Sie gab am 30.11. einen kunsthochschulinternen Workshop. Und ein Vortrag im Hörsaal der Kunst-Hochschule der documenta-Stadt KASSEL versuchte CCB verschiedene „Aspekte ihres Konzepts“ und die Möglichkeiten, wie Studierende in die d13 involviert werden können, zu diskutieren. http://www.kunsthochschule-kassel.de/willkommen/?sub=2&show=detail&id=673 - Aspekte ihres Konzepts“ konnten indessen NICHT diskutiert werden - KONZEPT-Losigkeit … der CCB-d13!

    Vortrag und Gespräch fanden – wie in Leipzig & Hamburg; ich berichtete in der Giessener Zeitung - in englischer Sprache statt. CCB in Kassel: "Ich habe kein Konzept". Ein Vergehen gegenüber den staatlichen documenta-Trägern - den von uns Steuerzahlern Subventionierten: Land Hessen, Stadt Kassel und Bund?! CCB als arte-povera-Jüngerin (arme-Kunst-Apostel)
    plädiert für „De-Anthropologisierung“: UND HUNDE (!!!) oder auch „nicht-animierten Elemente“ unserer Erde (Steine etc.) sollten „im Sinne einer neuen Gerechtigkeit in der artenreichen Welt gleichfalls Aufmerksamkeit“ verdienen.

    Es sei FALSCH, dass die Kunst den Künstlern entrissen und KURATOREN überantwortet würde, meinte CCB. RICHTIG. Kunstvermittler seien „eine neue Priesterklasse“ - zwischen Künstler und Ausstellungsbesucher gestellt.

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    dass sich die beschriebene befreiung vom konzept nicht in einer belanglos egalitären, pseudo-religiösen seligkeit erschöpft.

  2. dass sich die beschriebene befreiung vom konzept nicht in einer belanglos egalitären, pseudo-religiösen seligkeit erschöpft.

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