Auch 2012 wird ein großes Jahr der Kunst, wenn auch mit weniger Trommelwirbel als in der Vergangenheit. Ob diese Bescheidenheit Zeichen neuer Nüchternheit ist oder eher mit reduzierten Ausstellungsetats zusammenhängt, wird sich erweisen.

Obwohl 2012 nach einem halben Dezennium Pause wieder ein Documenta-Jahr ist, hat man bislang wenig von dieser wichtigsten Ausstellung der internationalen zeitgenössischen Kunst gehört. Eine Buchreihe, eine Internetseite wurden gestartet und ein, zwei Werke im Stadtraum Kassel bereits der Öffentlichkeit übergeben. Das war’s. Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev lässt sich nicht in die Karten schauen und macht es damit spannend für den Start der 100-Tage-Ausstellung am 9. Juni.

Flankiert wird die Documenta von der Berlin-Biennale (ab 27. 4.), der Manifesta im belgischen Genk (ab 2. 6.), einer durch Europa wandernden Ausstellung, die ebenfalls im Zwei-Jahres-Turnus stattfindet, und Made in Germany Zwei in Hannover (ab 17. 5), wo parallel zum internationalen Schaulauf in Kassel eine Bilanz der deutschen Kunst gezogen wird. Christov-Bakargiev muss also aufpassen, dass ihr andere Events nicht die Schau stehlen. Da könnten opulente Ausstellungen wie die Inszenierung des 500. Geburtstages der Sixtinischen Madonna in Dresden mit Werken von Raffael und seinen Zeitgenossen (ab 26. 5.) oder die Wiener Jubiläumsausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von Gustav Klimt (ab 15. 6.) eine ernsthafte Konkurrenz in der öffentlichen Wahrnehmung darstellen.(ab 15. 6.) eine ernsthafte Konkurrenz in der öffentlichen Wahrnehmung darstellen.

Auch in Berlin wird ein Künstlergeburtstag zelebriert, der 80. von Gerhard Richter – in der Neuen Nationalgalerie (ab 12. 2.). Die Retrospektive war zuvor in der Londoner Tate Modern zu sehen. Ähnlich verhält es sich mit der Munch-Ausstellung in der Frankfurter Schirn (ab 9. 2.): Die Übernahme vom Pariser Centre Pompidou in Paris hilft, die Kosten der durch Versicherung und Transport immer teureren Ausstellungen zu senken. Auf große Namen bauen auch die Hamburger Kunsthalle mit Neo Rauch (ab 17. 2.) und die Bonner Bundeskunsthalle mit Anselm Kiefer (ab 10. 6.). Die Pinakothek der Moderne toppt das noch mit dem Triumvirat Picasso, Beckmann, Willem de Kooning und deren Frauenbild (ab 30. 3.). Das sollte ziehen.

Erschienen im Tagesspiegel