Kunst-AuszeichnungTurner-Preis für fragile Landschaften

Die wichtigste britische Kunstauszeichnung geht an Martin Boyce. Der 44-Jährige erhält den Preis für seine Indoor-Parklandschaft "Do Words Have Voices". von dpa

Die Installation "Do words have voices?" von Martin Boyce im Baltic Centre for Contemporary Art

Die Installation "Do words have voices?" von Martin Boyce im Baltic Centre for Contemporary Art  |  © Jeff Mitchell/Getty Images

Der Turner-Preis der Tate Gallery ist in diesem Jahr an den Künstler Martin Boyce verliehen worden. Boyce erhielt die mit 25.000 Pfund (etwa 29.200 Euro) dotierte Auszeichnung für die eingereichte Installation Do Words Have Voices, einer Art Park im Raum.

Die Jury lobte seinen "bahnbrechenden Beitrag zum derzeitigen Interesse, das zeitgenössische Künstler an der historischen Moderne haben". Gleichzeitig entwickle er neue Richtungen "innerhalb desselben Vokabulars". Der Turner-Preis, der als wichtigster britischer Kunstpreis gilt, wurde im Baltic Centre for Contemporary Art im nordenglischen Gateshead von Star-Fotograf Mario Testino überreicht.

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Die Werke von Martin Boyce bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Design, Architektur und Alltag. Er greift Gestalt und Funktion von Designobjekten auf und setzt sich dabei mit deren Konzepten auseinander. Werke von Arne Jacobsen, Mies van der Rohe oder Charles und Ray Eames werden von Boyce neu interpretiert und weiterentwickelt. Überwiegend beschäftigt er sich mit der Konstruktion und Dekonstruktion von Gärten – "fragilen Landschaften", wie er sie selbst nennt. Zu seiner nun preisgekrönten Installation Do Words Have Voices gehören unter anderemBäume aus Aluminium, die zur Decke ragen, und Blätter aus Papier, die am Boden liegen. Boyce verweist damit auf einen Skulpturengarten der Bildhauer und Designer Jan und Joël Martel aus dem Jahr 1925. 

Der 44-Jährige Boyce wurde schon im Vorfeld als Favorit gehandelt. Die drei weiteren Nominierten – Karla Black, Hilary Lloyd und George Shaw – bekamen jeweils 5.000 Pfund. In den vergangenen sechs Wochen hatten rund 120.000 Menschen die gemeinsame Ausstellung der vier Nominierten besucht. Black zeigte eine riesige Skulptur aus Materialien wie Cellophan, Cremes, Nagellack und Badekugeln. Lloyd präsentierte ihre Videoinstallationen, in denen sie unter anderem mehrere, schnell wechselnde Bilder zu einem einzigen vereint. Shaw malt mit einfachen Lackfarben realistische Landschaftsbilder, die die heruntergekommene Sozialwohnungsumgebung seiner Jugend zeigen.

Der Turner-Preis

Der Turner Preis gilt als wichtigster Preis für zeitgenössische britische Kunst. Seit 1984 wird er jährlich einem von vier Nominierten verliehen und ist mit 25.000 Pfund dotiert. Die drei restlichen Nominierten erhalten jeweils 5000 Pfund. Vergeben wird der Preis von einer  wechselnden Jury unter der Ägide der britischen Tate Gallery, dem renommierten Museum für moderne Kunst in London. Dort ist im Herbst auch jeweils eine Ausstellung mit den Arbeiten der Nominierten zu sehen, bevor im Dezember der Sieger bekannt gegeben wird. Prominente Preisträger und Nominierte der vergangenen Jahre waren Damien Hirst und Tracey Emin sowie die Deutschen Wolfgang Tillmans und Tomma Abts. Die aktuelle Ausstellung der Preiswürdigen ist noch bis 8. Januar 2012 zu sehen.

Immer wieder gibt es um den Turner-Preis Kontroversen und Skandale: Der Preisträger Damien Hirst schockierte mit seiner zersägten Kuh in Formaldehyd. Martin Creed überraschte mit seinem leeren Galerieraum. Der Preis geht auf die Initiative einer Gruppe von Sammlern zurück, den Patrons of New Art. Die Förderer, die den Tate-Galerien eine Reihe Kunstwerke vermachten, wollten mit dem Preis ein Forum für junge britische Kunst schaffen. Weil der romantische Landschaftmaler William Turner zeitlebens vergeblich versucht hatte, einen Preis für jüngere Künstler ins Leben zu rufen, benannten sie die Auszeichnung nach ihm. Der damalige Tate-Direktor Alan Bowness war von der Idee begeistert. Der Turner-Preis wurde im Jahr 1984 erstmals vergeben. 

Seit 1991 gibt es eine Altersbeschränkung: Die Künstler sollen nicht älter als 50 Jahre sein.

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Leserkommentare
    • artpate
    • 06. Dezember 2011 7:55 Uhr

    Martin Boyce wurde in der Tat schon als Favorit gehandelt. Besonders bei den britischen Buchmachern. In den englischen Wettbüros konnte man auf die vier Kandidaten schon im Vorfeld sein Geld setzen - diese Briten.
    Scheinbar können alle mit dem diesjähriigen Jury-Urteil leben. Alle vier Künstler kann man hier noch einmal im Videoportrait sehen:
    http://www.artinfo24.com/...

  1. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Anspruchsvolles. Bravo!

  2. Anspruchsvolles. Bravo!

  3. 4. lloyd

    hätte ich da eher gesehen. diesem spiel mit geometrischen förmlein konnte ich schon bei kandinsky wenig abgewinnen.

    • ikonist
    • 06. Dezember 2011 13:50 Uhr

    für kunstpädagogen

  4. als stipendiatin der lehmbruck stiftung, sehe ich bei Erika Hock interessante ankedoten zu den hier gezeigten werken im tate-vid ...vielleicht, oder?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Aluminium | Auszeichnung | Damien Hirst | Künstler | William Turner
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