Roads of Arabia Nur zeigen, nicht diskutieren
Das Berliner Pergamonmuseum zeigt vorislamische Schätze aus Saudi-Arabien. Die Ausstellung gibt Anlass zur Diskussion: Sollen Museen mit Diktaturen kooperieren?
© Staatliche Museen zu Berlin. Foto: F. Friedrich

Das Pergamonmuseum auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte
Seit einem Jahr boomen die archäologischen Ausstellungen im Berliner Pergamonmuseum. Tell Halaf hatte 750.000 Besucher, Pergamon zählte nach zwei Monaten 250.000 verkaufte Tickets, und nun folgt Roads of Arabia. Je unübersichtlicher die politische Gemengelage in den Herkunftsländern wird, je mehr sich Ländergrenzen in einer globalisierten Welt verwischen und die Zukunft ungewiss erscheint, umso stärker sucht das Publikum offenbar Orientierung in der Vergangenheit und schwelgt in den Schätzen untergegangener Kulturen.
Der Blick zurück hilft, Fragen nach dem Morgen zu vermeiden – könnte man meinen. Dass dies nicht gelingen kann, führt gerade die Ausstellung Roads of Arabia vor Augen, die am Mittwochabend im Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum von seiner Königlichen Hoheit Prinz Sultan bin Abdulaziz al Saud, dem Präsidenten der saudischen Tourismus- und Altertümer-Behörde, eröffnet wird. Eine Prachtschau wird es sein, ein Publikumsmagnet: Nie zuvor wurden Objekte der Kaaba und der Stadtgeschichte von Mekka und Medina in Deutschland gezeigt. Auf den titelgebenden Routen führen Handels- und Pilgerreisen vor Tausenden von Jahren in den Orient, ins Zeitalter der Antike und die islamische Frühzeit. Die spektakuläre Schau wurde zuvor im Pariser Louvre, in der Eremitage St. Petersburg und in Barcelona präsentiert. Laut Arab News haben über eine Million Menschen die Ausstellung an den bisherigen Stationen gesehen. Ali bin Ibrahim al Ghaban, der Vizepräsident der Altertümer-Behörde, rechnet in Berlin mit einer halben Million Besucher.
Die Ausstellung bringt dem Land Imagegewinn
Da liegt also ein fliegender Teppich in Berlin bereit. Und doch will das Abheben in Traumwelten nicht recht gelingen. Glamouröse Vergangenheit und brutale Gegenwart, Kunst und Politik lassen sich nicht so einfach voneinander scheiden. Prinz Sultan ist die inoffizielle Nummer vier in der Hierarchie, die der 87-jährige König Abdullah in Saudi-Arabien anführt. In einem Land, in dem die Scharia gilt, Frauenrechte missachtet werden, die Opposition unterdrückt wird und es keine Presse- und Meinungsfreiheit gibt. Als Berlins Regierender Bürgermeister vor einem Jahr mit einer Wirtschaftsdelegation nach Saudi-Arabien reiste, wurde er zu Hause kritisiert. Wie zur Bestätigung der Mahner entsandte Saudi-Arabien bald darauf eine tausend Mann starke Truppe nach Bahrein, um den dortigen Aufstand schon im Keim niederzuschlagen. Und das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte meldete kürzlich, dass die Zahl der Todesurteile 2011 gestiegen sei. Es waren 79.
So stellt sich die Frage, ob kulturelle Kooperationen und gemeinsame Ausstellungen mit einem solchen Land, mit Diktaturen, Unrechtsregimen und Schurkenstaaten überhaupt statthaft sind. Stefan Weber, der Direktor des Museums für islamische Kunst und Gastgeber der Roads of Arabia, beantwortet sie mit Ja. Zwar bekam er zu spüren, wie die saudische Botschaft Einfluss zu nehmen versuchte, um die Berliner Ausstellung für eine Imagekampagne zu nutzen. Gegen mögliche Propaganda wehrte er sich mit dem steten Hinweis, es gelte hier der Kunst und der Wissenschaft. Wer jedoch im Katalog blättert, der stößt auf Beiträge, in denen das Königshaus auffallend offiziös dargestellt wird. Die Ausstellung selbst versucht es mit einem Kompromiss: Hier endet die Landesgeschichte mit den 1930er Jahren, der Gründungsphase des Königreichs.
Stefan Weber verteidigt sein Projekt. "Wenn wir alles auf die politische Ebene schieben, haben wir von vorneherein verloren", sagt er. Mit Michael Eissenhauer, dem Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, gehörte er 2011 zu Wowereits Delegation. Damals unterschrieb er nicht nur den Leihvertrag mit den offiziellen Stellen, sondern betrieb in Saudi-Arabien auch Sponsorenakquise. Berlin zahlt zwar ein Drittel des 820.000 Euro teuren Unternehmens mithilfe von Lottogeldern, deutsche Unternehmen wollten sich aber nicht beteiligen. Weber musste lange nach Geldgebern suchen, die Berliner Ausstellung findet später statt als zunächst geplant.
Nicht zuletzt möchte er mit der Präsentation der arabischen Schätze auch die noch junge saudische Altertümer-Behörde unterstützen, die erst seit 2003 systematische Grabungen betreut und sich um die Sicherung und Dokumentierung archäologischer Stätten kümmert, insbesondere aus vorislamischer Zeit. Religiöse Hardliner in der Regierung würden diese am liebsten zerstören. Prinz Sultan als Präsident der Behörde gehört zum liberalen Flügel und hält seine schützende Hand darüber. Ziel der Behörde ist die Aufnahme der wichtigsten Fundorte in die Liste des Unesco-Kulturerbes – und die Öffnung der Stätten für Touristen.
Internationale Grabungskampagnen, wissenschaftlicher Austausch, gemeinsame Ausstellungsprojekte, das sind die Elemente eines interkulturellen Dialogs, der am Ende auch zu einer Liberalisierung im Lande führen soll. So hoffen es jedenfalls die Partner im Westen. Stolz erklärt Präsident Hermann Parzinger im Vorwort des Katalogs, dass die Stiftung Preußischer Kulturbesitz damit einen wesentlichen Beitrag zur Außenkulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland in der Region leistet.
- Datum 25.01.2012 - 18:03 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Wenn wir Kulturen die in Diktaturen entstanden sind, von den chinesischen Großreichen angefangen bis Heute, dann können wir die Museen schließen und brauchen auch keine Ausstellungen mehr. Es klingt sehr bitter und ist es auch, aber viele Hochkulturen, konnten sich nur unter diktatorischen Bedingungen entwickeln.
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