Das "Selbstbildnis im Pelzrock" von Albrecht Dürer © Albrecht Dürer/Wikimedia Commons

Die Mona Lisa reiste einst nach Japan, Raffaels Madonna di Foligno aus dem Vatikan nach Dresden , und ausgerechnet die rund 170 Kilometer lange Strecke zwischen Nürnberg und München soll für ein großes Werk der Kunstgeschichte zu weit sein? In Bayern wird ein Streit um Albrecht Dürers berühmtes Selbstbildnis im Pelzrock ausgetragen. Das Germanische Nationalmuseum in Dürers Heimatstadt Nürnberg will das Werk für seine große Ausstellung Der frühe Dürer , die im Mai beginnt, ausleihen. Die Alte Pinakothek in München will es aber nicht hergeben.

In den Streit haben sich nun auch einige Politiker eingeschaltet. Der CSU-Landtagsabgeordnete Karl Freller drohte mit einem Nein zum großen Prestigeobjekt Münchner Musiksaal, sollte der Dürer nicht für die Dauer der Ausstellung nach Franken ausgeliefert werden. Ministerpräsident Horst Seehofer ( CSU ) will nun ein Gespräch mit der Wittelsbacher Landesstiftung führen, der das Bild gehört. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

Mehrere internationale Kunsthäuser sind für die deutsche Dürer-Ausstellung zu Leihgaben bereit – darunter die National Gallery of Art in Washington , die Uffizien in Florenz , das British Museum in London oder der Pariser Louvre. Ausgerechnet die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im fast benachbarten München aber stellen sich quer.

Nicht alle Exponate dürfen das Museum verlassen

Das mehr als 500 Jahre alte Selbstbildnis Dürers steht als eines von 113 nicht ausleihbaren Werken auf einer Sperrliste der Alten Pinakothek; ebenfalls dort vermerkt sind unter anderem Peter Paul Rubens' Das Große Jüngste Gericht , Leonardo da Vincis Madonna mit der Nelke oder Sandro Botticellis Beweinung Christi .

Das Selbstbildnis stehe "aufgrund der überragenden Bedeutung für die Alte Pinakothek nicht für eine Ausleihe zur Verfügung", sagte der Generaldirektor Sammlungen, Klaus Schrenk, der Süddeutschen Zeitung . Das Selbstbildnis sei "das Gesicht der Alten Pinakothek" – und außerdem so fragil, dass ein Transport schwierig sei. Bei veränderten klimatischen Bedingungen seien Spätschäden nicht auszuschließen.

Sperrlisten hat laut Schrenk jedes Museum. "Das ist eigentlich ein normaler Vorgang in der Museumswelt." Das bestätigt der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Volker Rodekamp. "Üblicherweise ist es so, dass die Museen besondere Stücke aus Dauerausstellungen nicht in den Leihverkehr geben", sagt er. Schließlich sind die berühmten Werke der Sammlungen die Publikumsmagneten. Der Chef der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, Bernhard Maaz, der um die Leihgabe von Dürers Sieben Schmerzen der Maria gebeten wurde, hatte deren Verleih ebenfalls abgesagt.

Selbst das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, das die Herausgabe des Dürer-Bildes jetzt mit Unterstützung der Stadt so vehement fordert, ist nicht immer kooperativ, wenn es um die eigene Sammlung geht. Eine Sperrliste gebe es nicht, sagt der stellvertretende Generaldirektor Daniel Hess. Allerdings habe auch sein Haus Exponate, die nicht auf Reisen gehen: Der Behaim-Globus beispielsweise, die vermutlich älteste noch existierende Darstellung der Erde, soll das Haus nicht verlassen.