Auf einer Messe im Februar können naturgemäß nicht viele Werke aus der Produktion des aktuellen Jahres stammen, dennoch sind immer auch ganz frische Arbeiten zu finden.

Über 200 Galerien zeigen während der Arco in diesem Jahr vom 15. bis 19. Februar Gegenwartskunst und in kleinerem Maße Werke der klassischen Moderne. Das bedeutet: zwei Messehallen mit Malerei, Fotografie, Installationen und zusätzlich Freiflächen für Skulpturen, ein Parcours, mit dem sich Madrid trotz der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise, die Spanien knebelt, auf die überbordende künstlerische Produktion im In- und Ausland konzentriert. Denn es ist nicht nur die Messe, sondern die ganze Stadt, die sich mit Festen, Sonderausstellungen und guter Laune in den Dienst der schönen Künste stellt.

Die hohen Besucherzahlen, durch die die Arco zur bestbesuchten Kunstmesse der Welt wird , haben sich auch in den Vorjahren gehalten, viele Galeristen bezeichnen ihre Teilnahme immer noch als erfolgreich. Das gilt besonders für die einheimischen Anbieter, doch auch die Deutschen gehören zu denen, die Jahr für Jahr wiederkehren. Wie in den Vorjahren sind die deutschen Galerien nach den spanischen mit insgesamt 31 Ausstellern die zweitstärkste Gruppe.

Nicht mehr getrennt vom Hauptprogramm wie in den Jahren zuvor sind die 40 Quadratmeter großen Stände, allerdings ist die Zahl der auszustellenden Künstler an die Standgröße gebunden: vier bis fünf Namen bei 40 bis 60 Quadratmeter, erst danach ist die Zahl unbegrenzt. Das soll dem Eindruck von Gemischtwarenläden vorbeugen, andererseits kommt es doch auf die Formate der ausgestellten Arbeiten an, will man meinen. Die Ausrichtung der Messe auf eine Qualitätsschau einiger weniger exklusiver Teilnehmer statt auf einen kommerziellen Marktplatz scheint offensichtlich.

Erstmals und auf Vorschlag des neuen Direktors Carlos Urroz heben die Galerien im Hauptprogramm einen Künstler besonders hervor, der von der Messe dann speziell beworben wird. Keine Einzelschau, aber doch fast. So werden dem Sammler bei Pelaires aus Palma de Mallorca die visuell attraktiven Arbeiten des jungen Daniel Canogar, bei Levy aus Hamburg die Grand Old Lady Meret Oppenheim ans Herz gelegt. Krinzinger aus Wien bringt die in London lebende Angela de la Cruz mit, Elvira González aus Madrid stellt Robert Mapplethorpe heraus und Bärbel Grässlin aus Frankfurt im Gemeinschaftsstand mit der Madrider Galerie Heinrich Ehrhardt Günter Förg. Ehrhardt wartet mit dem frischen Secundino Hernández und Alfredo Viñas aus Málaga mit den Zwillingsbrüdern MP & MP Rosado auf. Barbara Gross präsentiert Werke des Malers Ji Dachun und erstmals Leuchtkästen von Carlos Garaicoa.

Vermissen wird man MAM Mario Mauroner, der mit seinem überzeugenden spanischen Programm zu den sehr erfolgreichen Teilnehmern gehörte und für 2012 nicht zugelassen wurde. Die im vergangenen Jahr als Gemeinschaftsstand aufgetretenen Österreicher Christine König, Gabriele Senn und Charim haben sich nicht beworben. Bei den spanischen Galerien finden sich die Madrider Schwergewichte Soledad Lorenzo, Juana de Aizpuru und Helga de Alvear. Die deutsche, in Madrid ansässige Sammlerin und Galeristin fand sich auch 2011 wieder als einzige einflussreiche spanische Vertreterin auf der "Power 100"-Liste der Zeitschrift ArtReview . Guillermo de Osma ist zuständig für klassische Moderne, Carles Taché aus Barcelona hebt den baskischen Kosmopoliten Javier Pérez hervor. Xavier Fiol aus Palma de Mallorca hat Arbeiten von Cecilia Paredes im Angebot.

Gast der 31. Arco sind die Niederlande

Der überwiegende Teil der Galerien stammt aus der lebendigen Kunstmetropole Amsterdam. Tegenboschvanvreden bringt den Madrider Fernando Sánchez Castillo mit, Annet Gelink zeigt die Auseinandersetzung des kroatischen Künstlers David Maljkovic mit seiner zerstörten Heimat. Neben dem holländischen Schwerpunkt ist eine weitere Sektion den Künstlern aus Lateinamerika gewidmet. Arco sieht sich immer auch als Brücke zwischen Europa und dem iberischen Amerika . "Solo Projects" versammelt Galerien aus aller Welt mit aktuellen Produktionen aus Brasilien , Argentinien oder Mexiko . Aus dem gefeierten und heiß umworbenen Kunstzentrum Berlin stammt der Großteil der ganz jungen Galerien. Das Programm "Opening" findet zum zweiten Mal statt und ist Ausstellern vorbehalten, die noch nicht länger als sieben Jahre aktiv sind. Ein Drittel dieser 22 Galerien kommt aus der deutschen Hauptstadt und hat ebenfalls teils hispanische Künstler dabei: Figge von Rosen zeigt den in New York arbeitenden Venezolaner Javier Téllez, der eigentlich bei Arratia, Beer ausstellte, die wiederum präsentiert den zwischen Mexiko und Berlin pendelnden peruanischen Video- und Performancekünstler Gabriel Acevedo Velarde. Gerade von den weniger etablierten Galerien erwartet sich die Messe frischen Wind.

Neben dem VIP-Programm mit 200 international aktiven Sammlern, die im attraktiven Rahmenprogramm betreut werden, wird die Initiative "First Collector", die im vergangenen Jahr erfolgreich startete, ausgebaut. Die Beratung unerfahrener Käufer, die sich eine Sammlung aufbauen wollen, ist eine Hilfe im vielseitigen Angebot der Messe – angesichts der Kunstfälschungsskandale mag jede Orientierung willkommen sein.

Erschienen in Weltkunst