Das Deutsche Historische Museum hat im Streit um die Plakatsammlung Sachs eine Niederlage erlitten. Der Bundesgerichtshof entschied, dass die Familie Sachs nach wie vor rechtmäßig Eigentümer der etwa 4.200 Werke ist, die der jüdische Arzt Hans Sachs einst zusammentrug. (AZ: V ZR 279/10)

Dessen in den USA lebender Sohn Peter Sachs hatte seit 2005 die Rückgabe verlangt , obwohl sein Vater in den sechziger Jahren eine Entschädigung für den Verlust der Sammlung erhalten hatte. Die Nationalsozialisten hatten seinem Vater die Sammlung 1938 weggenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt sie als verschollen. Später erfuhr die Familie, dass ein Teil der Plakate in der DDR gelagert wurde.

Die Wegnahme der Plakate sei letztlich nichts anderes als Diebstahl gewesen, Sachs habe daher seine Eigentumsrechte niemals verloren, urteilte der Gerichtshof.

Expressionismus und Art Deco

Die Sammlung hatte der Zahnarzt Hans Sachs vor etwa 100 Jahren zusammengetragen. Eine der bedeutendsten Kollektionen weltweit entstand – am Ende waren es mehr als 12.000 Werke. Sachs erkannte als einer der ersten in diesen auf Vergänglichkeit angelegten Bildern eine Kunstform. Die Sammlung umfasst Werke im Jugendstil, Expressionismus und Konstruktivismus bis hin zu Art Deco. Unter den Künstlern sind Henry van de Velde und Wassily Kandinsky sowie Käthe Kollwitz , Max Pechstein und Otto Dix .

Das Gerichtsverfahren hatte sich über mehrere Instanzen hingezogen. Zwei Gerichte sprachen dem Sohn grundsätzlich ein Eigentumsrecht zu. Das Kammergericht in Berlin befand 2010 als zweite Instanz aber, nach einer so langen Zeit sei "ein Herausgabe-Anspruch nicht mehr mit Treu und Glauben zu vereinbaren". Der Bundesgerichtshof sah das anders.

Die Museumsleitung teilte mit , sie akzeptiere die Entscheidung. Das Gericht habe in der "langen und belastenden Auseinandersetzung" klare Verhältnisse geschaffen. 

Es sei dem Museum vor allem darauf angekommen, dass mit dem Verfahren "wichtige Grundsatzfragen zum Vorrang des Wiedergutmachungsrechts aufgeworfen wurden". Ob sich aus der Entscheidung über den Einzelfall hinausreichende Konsequenzen verbunden seien, sei erst nach Analyse der Urteilsbegründung zu sagen.