Kunstmarkt : Munchs "Schrei" für Rekordsumme verkauft

Im Auktionshaus Sotheby’s ist Edvard Munchs bekanntestes Gemälde für 120 Millionen Dollar versteigert worden. Zwei anonyme Käufer lieferten sich ein Bieterduell.
Edvard Munchs "Der Schrei" wird im New Yorker Auktionshaus Sotheby's versteigert. © Mario Tama/Getty Images

Das weltberühmte Gemälde Der Schrei von Edvard Munch ist für den Auktionsrekord von fast 120 Millionen Dollar versteigert worden. Ein anonymer Bieter ersteigerte das vom Auktionshaus Sotheby's in New York angebotene Bild am gestrigen Mittwoch per Telefon. Mit dem erzielten Erlös überbot das Werk den bisherigen Rekordhalter um mehr als 13 Millionen Dollar. Vor zwei Jahren war Akt mit grünen Blättern und Büste von Pablo Picasso für 95 Millionen Dollar zugeschlagen worden, mit dem Aufgeld waren es 106,5 Millionen Dollar.

Bei Munchs Gemälde lag der Hammerpreis bei 107 Millionen Dollar. Damit ist Der Schrei das erste Bild der Kunstgeschichte, bei dem das letzte Gebot bei mehr als 100 Millionen Dollar lag. Mit dem üblichen Aufgeld von zwölf Prozent ergibt sich ein Kaufpreis von genau 119.922.500 Dollar.

Über den Käufer war zunächst nichts bekannt. Er hatte per Telefon mitgeboten. Mit einem Konkurrenten, ebenfalls per Telefon, hatte er sich in dem überfüllten Auktionssaal ein Bieterduell geliefert. Zunächst schien bei 80 Millionen Dollar Schluss zu sein – genau die Höchstgrenze der Sotheby's-Schätzung. Doch dann ging das Duell weiter, durchbrach bei 96 Millionen den alten Rekord und endete schließlich bei 107 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Oft wird diese Summe nicht einmal für eine ganze Auktion zusammen erzielt, neben dem Schrei gab es aber noch 75 andere Gemälde. Darunter war ein Picasso, der für 26 Millionen verkauft wurde.

Auktionsrekord – aber nicht teuerstes Gemälde

Das Bild war bis zur Versteigerung im Besitz des norwegischen Kaufmanns Petter Olsen . Sein Vater war einst Nachbar von Munch und hatte das Bild vor mehr als 70 Jahren gekauft. Olson will mit dem Erlös ein Munch-Museum bauen und im nächsten Jahr zum 150. Geburtstag des Malers eröffnen.

Von Munchs Schrei gibt es insgesamt vier Versionen. Drei davon hängen in norwegischen Museen und sind damit praktisch unverkäuflich. Das jetzt verkaufte Bild von 1895 ist für viele das beeindruckendste, weil die schreiende Figur mit den meisten Konturen gezeichnet ist und zudem der Gegensatz zwischen dem Entsetzen des Schreienden und der Idylle der Umgebung am deutlichsten ist. Mehreren Umfragen zufolge ist Der Schrei das zweitbekannteste Gemälde der Kunstgeschichte nach der Mona Lisa von Leonardo da Vinci .

Der Schrei hat zwar einen Auktionsrekord gesetzt, ist aber bei weitem nicht das teuerste Gemälde. Jackson Pollocks   No.5 von 1948 brachte vor sechs Jahren sogar 140 Millionen Dollar – allerdings bei einem privaten Geschäft, abseits der Auktionshäuser. Und Paul Cézannes Die Kartenspieler soll im vergangenen Jahr sogar für 250 Millionen Dollar verkauft worden sein. Dafür fehlt aber jede Bestätigung.

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Kommentare

46 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Nicht krank...

da hat nur irgendjemand verdammt viel Geld zur Verfügung und mag es nicht, wie Dagobert Duck die Taler zu polieren und Geldbäder zu nehmen.

Wieso nicht vor einem Bild sitzen, ein Glas in der Hand und es ganz allein betrachten können.

Es gibt Bilder, bei denen ich solche (für mich völlig illusorischen) Ideen auch schon hatte, weil ich sie immer wieder betrachten mag und die Massen von Menschen in Museen nicht gerade dazu beitragen, das zu genießen.

Verstehen kann ich die Sehnsucht danach, falls es tatsächlich so ist und es jemand ist, der es privat für sich allein haben möchte.

Vielleicht landet es auch in einem Museum, das um dieses Bild herum entsteht.

Und ausserdem gibt es ja noch einige "Schreie"

"Schönheit...

liegt laut Pablo Picasso ...im Auge des Betrachters"...

Dieses Kunstwerk von Edvard Munch würde ich nicht mal in meinem Keller hängen haben wollen...

Wenn man also nach dieser schreienden Figur geht, frage ich mich, was Herr Munch wohl zu so einem "Schrei" veranlasst hat - was in ihm vorging...

Es kann nichts wirklich positives gewesen sein - außer man hält allen Ernstes schreiende Figuren (für mich sieht's nach einer Frau aus (was die Herren grinsend zur Kenntnis nehmen dürfen - und die Feministinnen/od. Frauenversteher können mich gerne "anfraufeinden" - bin selbst ein weibliches Geschöpf, also macht mich fertig - ich bin schon "groß" und werd auch das überleben)...

Was den "Kaufpreis" angeht liebe/r wikiliest-s, da kann ich mich nur an Ihre Meinung anschließen...

So schön viel Geld - was man damit alles machen könnte...

Manche kaufen ein Bild...

Manche einfach nur ein wirklich hässliches Stück Leinwand - Punkt

Dabei gibt es so schöne Bilder, die schöne, positive Empfindungen vermitteln/ausdrücken (mein Favorit ist Monets "Rosentor in Giverny" - es muss im Original einfach wunderschön anzuschaun sein - ich kenn es leider nur als Druck - das Original hängt wohl in einem Museum in Phoenix)...

was in ihm vorging..

Munch hat auf Norwegisch ein Gedicht geschrieben, das Kunsthistorikern als Schlüssel zur Interpretation des Jahrhundertbildes gilt: »Ich ging mit zwei Freunden den Weg entlang. Die Sonne ging unter, der Himmel wurde blutrot. Und ich spürte einen Hauch von Melancholie. Ich blieb stehen, ruhig, todmüde. Über dem blauschwarzen Fjord und der Stadt hingen Blut und Feuerzungen. Meine Freunde gingen weiter, ich blieb zurück, schaudernd vor Angst. Ich fühlte den großen Schrei in der Natur. EM

stand neulich in der ZEIT

Zentrale Frage

Nein, das ist nicht ganz fair. Die meisten hier akzeptieren, dass es Leute mit mehr und Leute mit weniger Geld gibt. Leistungsgesellschaft und so.

Aber dass es Menschen gibt, die so viel Geld besitzen, um derartige Preise zu zahlen, das ist doch nicht normal, oder?

Diese Auktion ist dabei nur ein Symbol, man kann auch auf Yachten verweisen (angeblich 1 000 000 Euro pro Meter Länge) oder diverse andere Dinge. Oder einfach Ranglisten "Reichster Mensch der Welt".

Wollen wir es zulassen, dass einzelne derartige Reichtümer anhäufen? Soviel Geld _kann unmöglich_ mit eigener Arbeit verdient werden. Ausgegeben werden kann es auch nicht in einem Leben.

Deshalb halte ich die Empörung für verständlich, obwohl das Bild es wert sein mag und obwohl die eingenommen Summe sinnvoll verwendet werden mag (das ist aber nicht die Frage, die Frage ist, wie es vorher zu dieser Akkumulation kommen konnte).

Kein Neid, der Preis ist eine Perversität!

Ich habe mit dem nachstehenden Text meine Meinung gesagt.

„Eine Gesellschaft, in der er Menschen gibt, die für ein schönes, aber doch auch verzichtbares Bild, 12o Millionen Dollar ausgeben können, muss krank sein!

Der dargestellte „Schrei“ sollte die Menschheit aufschrecken!“

„Nur neidisch“, wurde geantwortet, weil du es dir nicht leisten kannst. Nein. Es ist kein Neid – es ist echte Empörung über das Ausmaß kapitalistische Verwahrlosung in unserer Gesellschaft. Umgerechnet in Euro wurden für das Bild 92.000.000,00 € auf den Tisch gelegt. Eine Kranken-oder Altenpflegerin verdient ca 1.250,00 € im Monat. Sie müsste rund 6.133 Jahre arbeiten, um diese Summe zusammenzubekommen. Wer solche eine Relation nicht pervers findet, hat jedes Gefühl für soziale Verantwortung verloren.

Das Bild zeigt einen Moment, in dem ein Mensch abgrundtiefe Angst empfindet. Mich erschreckt die Hemmungslosigkeit des dahinterstehenden kapitalistischen Systems.

Sollte sich also jeder - auch Altenpflegerinnen -

einen "Schrei" leisten können? Oder darf es keiner, weil es ungehörig wäre, ihn sich leisten zu können?

Es gibt mehr beeindruckende Bilder, die Menschen an oder in Abgründen wie auch Menschen in anderen Gefühlslagen zeigen, wobei ich Ihrer Interpretation von "Angst" nicht folgen würde. Dürfen also Künstler oder Besitzer von Kunst nichts mehr verdienen, indem sie ihre Werke verkaufen?

Oder geht es nur um die Altenpflegerin, die es nicht kaufen kann, wie übrigens die meisten Menschen auf diesem Planeten es nicht kaufen könnten?

Hi Mint

Wenn jemand derart viel Geld für eine Ansammlung bunter Farben auf Karton ausgeben will, dann stört mich das offen gestanden nicht wirklich. Genausowenig wie Nachrichten, nach denen andere Leute für irgendwelche Halbanalphabeten, die in Unterhosen einem Ball hinterherlaufen oder Personen, die mit Autos ständig im Kreis fahren, gleichermassen hohe Summen ausgeben - auch wenn mir selbst zu letzteren Sportarten wirklich jeglicher Bezug fehlt.

Aber nach welchen Kriterien will man entscheiden, was angemessen ist oder nicht? Mancher findet es angemessen, einige Tausend Euro für ein bestimmtes Buch auszugeben, ein anderer gibt sein letztes Hemd für ein neues Auto - und die allerwenigsten finden es problematisch, beim Discounter Obst zum Dumpingpreis zu kaufen, das vom anderen Ende der Welt für teures Geld eingeflogen worden ist. Wenns um den eigenen Magen geht bleibt der Welthunger erstmal aussen vor.

Es ist nicht die Höhe des Betrags, die entscheidend ist: Man kann vieles in dieser Welt finden, das überdreht und einem selbst vielleicht unangemessen erscheint, aber gönnen wir uns und anderen die Möglichkeit, das mehr oder minder reichlich bemessene Kleingeld so auszugeben wie ein jeder es für richtig hält. Erfahrungsgemäss halten sich jene, die genre über das Geld anderer bestimmen wollen, weder bei den grossen Beträgen noch bei den Finanzen auf, sondern gehen meist recht schnell auch auf andere Bereiche über. Und darauf kann man nun wirklich verzichten.

Tut mir...

leid, wenn Ihnen meine Ansicht nicht gefällt - oder nein...

Dafür muss ich mich gar nicht entschuldigen...

Wir haben beide unseren ganz individuellen Geschmack...

Ihnen der Ihre - er sein Ihnen gegönnt...

Und ich hab meinen - iss doch gut so...

Deswegen steh ich aber nicht zwangsmäßig auf Idylle und @ christygoe - Hirsche sind mir in der Natur lieber als auf Leinwand; gilt für Stilleben ebenfalls - Obst auf dem Teller - da kann ich das Objekt erst anschaun und dann genüsslich verspeisen ...

Liebe Grüße an euch beide

Das mit den Künstern bezog sich auf die derzeit ...

lebenden. Nehmen wir Damien Hirst, der für hohe Summen verkauft wurde (75 Mio € für "For the love oft god" vor 5 Jahren).

Und wenn es verkauft wurde, darf es dann nie wieder verkauft werden, sobald der Künstler verstirbt?

Irgendjemandem gehört ein solches Kunstwerk. Wenn der Besitzer es auf den Markt wirft, nachdem er es dem Künstler oder einem anderen abkaufte, bekommt er dafür Geld wie in dieser Auktion. Es kann aber auch von Verkäufer an Käufer oder über einen Händler verkauft werden.

Wieso sollte also der Besitzer nichts dafür bekommen, wenn er es hergibt, wenn der Künstler es zuvor verkaufte oder verschenkte, was es auch gab und gib?

Da ist nichts geplatzt. Sie haben einfach nicht weiter gedacht.