Das Kunstwerk auf dem Gelände des Lacma © EPA/MICHAEL NELSON/dpa

Die Idee, einen Felsen über eine ausgebaggerte Erdspalte in einem ausgetrockneten See zu hängen, hatte Michael Heizer erstmals Ende der sechziger Jahre in der Wüste von Nevada. Damals brach der Kran, mit dem er den 120-Tonnen-Fels bewegen wollte, unter der Last zusammen. Aufgegeben hat der Künstler das Projekt aber nicht. Als sich vor fünf Jahren in einem Steinbruch östlich von Los Angeles bei einer Explosion ein 340-Tonnen schwerer Granitbrocken löste, hatte Heizer den idealen Fels gefunden, um seine Vision in die Wirklichkeit umzusetzen.

In Michael Govan, Direktor des Lacma – Los Angeles County Museum of Art – fand er einen Verbündeten. Govan überzeugte finanzkräftige Kunstliebhaber davon, zehn Millionen Dollar für den Transport und die Installation der Skulptur zu spenden. Deshalb hängt die Levitated Mass heute nicht mitten in der Wüste, sondern über einem Feld aus Granitschotter mitten in der Stadt.

Michael Heizer ist einer der prominentesten Vertreter der Land Art , einer Kunstform, die seit den sechziger Jahren Orte in Kunstwerke verwandelt. Ihre Vertreter schaffen Skulpturen vom kleinsten Maßstab bis zu Arbeiten von der Größe ganzer Landstriche. Eines von Heizers bekanntesten Werken ist Double Negative in der Wüste von Nevada: zwei neun Meter breite und 15 Meter tiefe Einschnitte an der Erosionskante einer Hochebene. Was ihn zu seiner Kunst bewegt, behält Heizer für sich. Auch bei der Einweihung von Levitated Mass blieb er seinem Ruf als schweigsamer Künstler treu. Sein kurzes Statement bei NBC : "Dies ist der glücklichste Tag meines Lebens." Museumsdirektor Michael Govan erläuterte den Gästen die Skulptur aus seiner Sicht: "Ich sehe das Kunstwerk als Serie visueller und emotionaler Gegensätze: Gewicht und Leichtigkeit, Masse und Leere, auf- und abwärts, organisch und menschgemacht, Natur und Kultur. Sie werden es auf Ihre ganz eigene Weise sehen."

Mehr als 6.000 Besucher kamen laut Sprechern des Museums zur Einweihung – ein neuer Rekord für eine Lacma-Ausstellungseröffnung. In der ersten Woche nach der Enthüllung wollten rund 30.000 Menschen den in die Stadt verschleppten Felsen sehen.

Zwischen Hochhäusern, Werbetafeln und schlanken Palmen wirkt der helle, fast zwei Stockwerke hohe und sieben Meter breite Fels erst fehl am Platz. Betrachtet man ihn länger, verschiebt sich jedoch die Perspektive: ohne das ausgeklügelte Wassersystem, das die Versorgung der Metropole garantiert, gäbe es in Los Angeles nichts als Fels und Sand. Man kann entlang einer 150 Meter langen, fünf Meter breiten Betonrampe unter dem Granitbrocken hindurch gehen. Am tiefsten Punkt der Rampe blickt man fünf Meter nach oben – zum Fels vor wolkenlosem blauen Himmel.

Die 340 Tonnen wirken nicht bedrohlich. Zumindest nicht bei Tageslicht. Im Schatten des Granitblocks sitzend kann man die Konstruktion bewundern, die den Stein mit massiven Stahlplatten und Megaschrauben sogar gegen Erdbeben sichert. Im nächtlichen Mondlicht erinnert die Skulptur an einen fallenden Kometen. Die Illusion eines schwebenden Steins entsteht jedoch nur aus wenigen Blickwinkeln. Kritiker bemängeln, das Kunstwerk würde seinem Titel Schwebende Masse gar nicht gerecht. Die Fans widersprechen: Das sei Haarspalterei und die Skulptur ein Ort der Begegnung und Kommunikation, ähnlich wie der von Christo und Jeanne Claude verhüllte Reichstag in Berlin .