Die Kunstausstellung documenta in Kassel endet am Sonntagabend nach genau 100 Tagen Dauer. Die 13. Ausgabe der weltweit wichtigsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst brach zahlreiche Rekorde: 297 Künstler nahmen teil, es gab etwa 60 Ausstellungsorte, und 860.000 Besucher sorgten für eine neue Bestmarke.

Die Veranstalter stellten zudem einige bemerkenswerte Veränderungen im Vergleich zu vergangenen documenta-Ausgaben fest: Fast ein Drittel der Besucher der diesjährigen documenta war diesmal unter 30 Jahre alt. Die durchschnittliche Besuchszeit stieg auf drei Tage. Die documenta 13 sei für die Besucher keine Tagesveranstaltung gewesen, sagte die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev ; die Ausstellung habe vielmehr eine Form von lebender Kultur repräsentiert, die in wiederholten Besuchen erkundet worden sei.

Der in London geborene Künstler Marcos Lutyens will am letzten Tag der Kunstschau 60 Besucher auf einmal hypnotisieren. Seit Beginn der documenta 13 hat Lutyen immer wieder Einzel- und Gruppenhypnosen in seinem Reflection Room veranstaltet. Die jetzt geplante Massen-Trance in der Karlsaue ist aber bislang einzigartig. Die Veranstaltung war schon kurz nach ihrer Ankündigung komplett ausgebucht.

Die documenta 13 wurde am 9. Juni eröffnet. Erstmals veranstaltete die Kunstschau eine Ausstellung in Kabul , die mehr als 27.000 Besucher zählte. Die documenta findet seit 1955 alle fünf Jahre in Kassel statt. Derzeit laufen bereits die Planungen für die nächste Schau im Jahr 2017. Ziel sei, die neue künstlerische Leitung Anfang 2014 zu berufen, sagte Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen ( SPD ).

"Die Welt mit all ihren Unsicherheiten"

Aus Sicht des Frankfurter Künstlers Thomas Bayrle hat die documenta 13 den Nerv der Zeit getroffen: "Sie wollte keine unumstößlichen Antworten geben, sondern bildete die Welt mit all ihren Unsicherheiten gut ab", sagte der diesjährige Träger des Arnold-Bode-Preises, der nach dem Gründer der documenta benannt und mit 10.000 Euro dotiert ist. Frühere Ausgaben der Kunstausstellung hätten dozierend auf ihn gewirkt, sagte der 74-jährige Künstler, der zum dritten Mal in Kassel vertreten war: "Dieses Mal spürte ich ein zartes Zittern von kuratorischer Seite, Positionen jenseits von feststehenden Weisheiten."

Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso , besuchte die Schau am Samstag: "Ich habe versucht, früher zu kommen, aber ich konnte nicht wegen der Euro-Krise." Der Kunstfan Barroso war bereits 2007 auf der documenta 12 und diesmal voll des Lobes: "Ich bin beeindruckt und mag dieses Konzept."