Kunstplattform "artflash"Einen Meese im Netz bestellen

Ein Werk von Jonathan Meese für das eigene Wohnzimmer? Die neue Website "artflash" verkauft Editionen namhafter Künstler zu moderaten Preisen.

Als erstes im Programm: Eine Lithographie von Jonathan Meese

Als erstes im Programm: Eine Lithographie von Jonathan Meese

Es wäre eine kleine Sensation: Auf dem Flohmarkt oder beim Trödler das Original eines berühmten Künstlers zu entdecken – und das zu einem erschwinglichen Preis.
 
Artflash heißt die Website, die solche Werke nun in Umlauf bringen will, Originale, für ein paar Hundert Euro. "Ich will den Kunstbetrieb aus seinem Elfenbeinturm holen", sagt die Gründerin und Kunstexpertin Katharina Bauckhage. Die Idee kam ihr, als sie die längst ausverkauft geglaubte Edition eines mittlerweile hoch gehandelten Künstlers entdeckte: "Ich war sprachlos, dass die Arbeit von Norbert Schwontkowski noch zu haben war. Danach ließ mich das Thema nicht mehr los." Bauckhage fing an, bei Kunstvereinen zu stöbern, mit ausgewählten Galerien und Editionsverlagen zu sprechen. Bald war ihr klar, dass es Werke namhafter Künstler durchaus günstig zu kaufen gibt, oft sogar unter Marktpreis. Aber nur sehr erfahrene Sammler wissen, wie sie an solche Stücke herankommen.  
 
Schon im 19. Jahrhundert machten sich Sammler und Kuratoren gezielt auf die Suche nach jungen Künstlern, die es (noch) nicht ins Museum geschafft hatten. Um ihnen ein Forum zu bieten, gründeten sie die ersten Kunstvereine. Und weil es diesen nicht um kommerzielle Vermarktung geht, sondern allein um die Kunst, schlummern viele Werke noch heute unbeachtet in Kellerschubladen: "Ein unermesslicher Fundus", sagt Bauckhage. "Das sind Schätze, die ich heben will."
 
Die Vision der Initiative ist der "demokratische Ansatz der Vervielfältigung". Alle zwei Wochen stellt die Seite zwei Kunstwerke zum Verkauf. Sieb- oder Steindrucke, Fotoprints und Grafiken. Alles Originale, signiert und limitiert. "Das ist eine kleine und hochwertige Auswahl", sagt Bauckhage. Mal gibt es nur acht Stück, mal geht die Auflage hoch bis zu 30 oder 40 Exemplaren. Oft entscheidet sich die Händlerin für zeitgenössische Künstler wie Jorinde Voigt, Jonathan Meese oder Daniel Richter. "Aber wenn ich einen Josef Albers finde, der es wert ist, wieder gezeigt zu werden, nehme ich ihn auch ins Programm."
 
Ähnliche Seiten findet man in den USA, etwa Initiativen wie 20x200. Auch dort sind einzelne Werke in limitierter Auflage nur für bestimmte Zeit zu haben – allerdings wird meist exklusiv gefertigt, während artflash nur das "ans Licht holen will, was schon produziert ist". Ein Vorläufer der Website ist der gemeinnützige Verein Griffelkunst der "das breite Interesse an der bildenden Kunst fördern und die Freude am Sammeln wecken" will. Wie schon in den zwanziger Jahren stimmen dessen Mitglieder demokratisch darüber ab, ob oder in welcher Auflage ein Werk von Jenny Holzer, Stephan Balkenhol oder etwa eine historische Fotoedition produziert werden soll.

Bei artflash bestimmt zwar die Chefin die Auswahl allein, dafür ist der Preis demokratisch: Schon ab 50 Euro sollen die Originalwerke zu haben sein. Zum Auftakt steht eine Lithographie von Jonathan Meese zum Verkauf – für 350 Euro: Als das Werk im Jahr 2005 entstand, kannte kaum jemand den lange Zeit umstrittenen Künstler, die Preise für seine Werke waren dementsprechend niedrig. Angepasst wurden und werden diese von den Kunstvereinen grundsätzlich nicht. Wenn doch, sind die Werke für Bauckhage nicht interessant: Mehr als 1.000 Euro würden die Käufer ohnehin nicht ausgeben. "Das bestellt man nicht einfach so im Netz."

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Ansprechen will artflash vor allem "junge Leute, die Lust auf Kunst haben, aber vielleicht zu wenig Zeit, um in Galerien oder auf Messen nach einer Verschönerung für ihre weißen Wände zu suchen", sagt Bauckhage – und die in die Zukunft investieren wollen. Bei der Auswahl der Kunstwerke setzt die Kunstexpertin deshalb nicht nur auf ihr Bauchgefühl: "Natürlich muss ich auch davon überzeugt sein, dass das Bild im Wert steigt." Schließlich ist Bauckhage kein gemeinnütziger Kunstverein, sondern eine Geschäftsfrau.

 
Leserkommentare
  1. "Die neue Website "artflash" verkauft Editionen namhafter Künstler zu moderaten Preisen." Wo denn?

  2. Extra und aufwändigst nur für Sie recherchiert Nr. Eins:
    Hier
    http://www.artflash.de/

    via ZEIT ONLINE plus App

  3. Habe mir die Mühe gemacht und die Website der Dame besucht. Ihr "Angeot" hält sich in gaaaanz engen Grenzen, nämlich nichts im Angebot! Ein Witz das Ganze und der theoretische Überbau mehr als kühn und verwegen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... jetzt ist sie wieder vollständig erreichbar, aktuell sind zwei arbeiten im verkauf (eine ist allerdings schon ausverkauft) und zwei neue Arbeiten sind für in zwei Wochen angekündigt.

    ... jetzt ist sie wieder vollständig erreichbar, aktuell sind zwei arbeiten im verkauf (eine ist allerdings schon ausverkauft) und zwei neue Arbeiten sind für in zwei Wochen angekündigt.

  4. ...sondern eine Geschäftsfrau. Und die ZEIT ihr Werbeblatt - ohne Kritik!

  5. ... jetzt ist sie wieder vollständig erreichbar, aktuell sind zwei arbeiten im verkauf (eine ist allerdings schon ausverkauft) und zwei neue Arbeiten sind für in zwei Wochen angekündigt.

    Antwort auf "Nichts im Angebot"
  6. "Mit dem Erwerb einer Künstler-Edition unterstützen Sie die Künstler (Ihr artflash-Team)"

    braucht Jonathan Meese noch Unterstützung?

  7. Es stimmt, artflash verstößt gegen die wichtigste UX-Regel beim Webdesign: die Zugänglichkeit und macht sich damit exklusiv. Erst die Anmeldung verschafft Zutritt.

    Der Meese ist dort bereits ausverkauft und aktuell kann man noch einen Norbert Schwontkowski kaufen für knapp 600,- ohne Rahmen; das ist durchaus attraktiv.

    Ich habe zufällig Schwontkowski in der ersten digitalen Gallerie im norddeutschen Raum Anfang der 90er Jahre ausgestellt und finde ihn persönlich subtiler und tragender als Meese - das ist aber natürlich reine Geschmackssache. :)

    Ronald Daedalus Vogel,
    Charakter-Portraits

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